„Stranger Things“: Die 10 besten Charaktere im Ranking

Die letzte „Stranger Things“-Staffel enttäuscht. Warum die Serie dennoch groß ist: Ranking der zehn besten Charaktere

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Acht Episoden lang Chaos, und erst in den letzten 45 Minuten dieser acht Episoden, in denen nicht mehr zwischen den Welten gesprungen wird, sondern die Charaktere endlich miteinander reden, entsteht so etwas wie das „Stranger Things“-Gefühl: lebendige Figuren, die wachsen.

Eine bittere letzte „Stranger Things“-Staffel. Historisch schlecht. Über streitbare Serienfinale wie „Lost“ oder „Die Sopranos“ lässt sich streiten – bei „Stranger Things“ aber ist die gesamte letzte Staffel furchtbar.

„Das ist hier nicht ‚Der Pate’“, sagt Hopper und will etwas Licht ins Wohnzimmer bringen. Da hat er recht. Was Kameramann Gordon Willis damals für Francis Ford Coppola fotografierte – Schatten als Geistesverfassung –, wird hier zur Leere. Diese Season ist wie ein sehr langer Kriegsfilm im Dunkeln; die erste „Stranger Things“-Staffel, in der das spezifische 1980er-Jahr deshalb keine Rolle spielt. Ein Upside Down, durch das man inzwischen furchtlos pfeifend durchmarschieren kann, dazwischen ein „Abyss“, eine erschreckend eindimensionale Linda Hamilton; Schleichwerbung auf einem unerreichten Niveua („Hier, stärkt euch erstmal mit einem Schluck … “); neue Kinder, für deren Schicksal man sich wenig interessiert, eben weil sie neu eingeführt wurden.

Und zuletzt: Verzweifelte Needle Drops, die hoffentlich nicht viral gehen – ZWEIMAL Prince („When Doves Cry“ und „Purple Rain“) und dann auch noch „Landslide“ von Fleetwood Mac sowie „Heroes“ von David Bowie.  Also die zwei größten Hits von Prince gefolgt vom größten Hit von Bowie in ZUSAMMEN EINER EPISODE. Hat je jemand dicker aufgetragen als die Duffer Brothers?

Aber eine missratene Staffel macht eine ganze Serie noch nicht schlecht. Deshalb: Lesen Sie hier das Ranking der zehn besten „Stranger Things“-Charaktere der Netflix-Serie.

Hinweis: Die Porträts beinhalten Spoiler.

10. Henry Creel / Vecna (Jamie Campbell Bower)

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Henry Creel

Abgesehen von Eleven gibt es in „Stranger Things“ keine Kindheit, die psychologisch derart gut durchleuchtet ist. Henry gibt unter Tränen zu, dass er mit dem Mind Flayer eine untrennbare Allianz eingegangen ist. Der Tod des einen bedeutet den Tod des anderen.

Als eines der vielen missbrauchten Kinder in „Stranger Things“ geht einem Henry auch deshalb nahe, weil er in seiner – wenn auch hinterlistigen – Annäherung an Eleven (Staffel vier) zeigt, wie sympathisch er sein kann. Als Vecna sehen wir Henry überwiegend als Man in a Suit. Eine Kostümkunst, die immer seltener eingesetzt wird.

09. Robin Buckley (Maya Hawke)

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Robin Buckley

„Stranger Things“ ist eher eine Jungen- und Männerserie; die männlichen Figuren sind deutlich vielschichtiger. Nancy Wheeler? Über sie wird zwischen Jonathan und Steve viel gestritten, nur sie selbst wird immer blasser, scheint den Traum von einer Karriere im Journalismus schnell aufgegeben zu haben (die Boys-Club-Welt im Redaktionsbüro war auch unerträglich). Ihre Liebe gehört allein dem Gewehr.

Joyce Byers? Winona Ryder darf ihr Glück kaum fassen – ihr Agent vermutlich auch nicht –, das Top-Billing in einer Serie erhalten zu haben, deren Popularität nicht absehbar war. Seit Mitte der 1980er-Jahre ist Ryder im Business, aber ihre Rolle in „Stranger Things“ ist ihre erfolgreichste. Nur interessiert sich wirklich niemand für Joyce, was sich gut am Hype ablesen lässt, den stattdessen Millie Bobby Brown auslöst oder den die Jungstars auf dem Roten Teppich kreieren.

Robin Buckley – eingeführt in der herausragenden dritten Staffel – ist anders. Eine queere Figur, die um Anerkennung kämpft und Steve „The Hair“ Harrington dessen altertümliche Männlichkeit vorhält. Zu den besten Jahren der 1980er-Jahre gehörten 1983 und 1984, leider nicht 1985 und 1986 (in denen die beiden besten „Stranger Things“-Staffeln spielen, leider). Aber Robin macht aus 1985 ein absolutes Top-Jahr.

08. Dr. Martin Brenner (Matthew Modine)

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Dr. Martin Brenner

Matthew Modine begründete die „Stranger Things“-Tradition der Gaststars aus den 1980er-Jahren. Auf ihn folgten etwa Sean Astin, Paul Reiser, Cary Elwes und Linda Hamilton. Dr. Brenner ist eine herrlich unerschlossene Figur. „Jeder Bösewicht ist der Held seiner eigenen Geschichte“, heißt es. Auf den Wissenschaftler, den Eleven „Papa“ nennt, trifft das in besonderer Weise zu. „Ich habe es immer nur gut gemeint“, sagt er.

Er hat es immer nur gut gemeint.

07. Billy Hargrove (Dacre Mitgomery)

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Billy

Das durchtrainierte Ekelpaket mit der Mantamatte und dem schnellen Auto war die erste MEGA-Achtziger-Hardrock-Figur der Serie und ist ein Love-to-hate-you-Charakter. Auch Billy ist – wie Henry Creel – ein missbrauchtes Kind. Aber eines, das zum Retter wird.

Man hätte Billy vielleicht etwas mehr Zynismus gewünscht; aber seine Erlösung durch Eleven, die Erinnerung an den Strand, ist wirklich herzerweichend.

06. Jim Hopper (David Harbour)

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Hopper

Big Jim. Jim Hopper ist die Hauptfigur unter den Erwachsenen. In Staffel eins ist David Harbour der mangelnde Glaube an die Serie noch anzumerken (möglicherweise ist sein Sheriff-Charakter in Staffel eins auch noch homophob); sein Dauergrummeln scheint den Gemütszustand seines Darstellers widerzuspiegeln – was mache ich hier eigentlich?

In der meisterhaften dritten Staffel – mit den besten Kostümen und dem besten Setting (die Mall) – blüht Hopper, um etliche Kilogramm schwerer, endlich auf und wird zum Komiker. Für seine Darstellung in Staffel vier (in russischer Gefangenschaft) hat Harbour sogar wieder abgenommen.

Harbours saftlose Performance in der finalen Staffel (wieder ganz Bart und Haar … bis zur letzten Folge nimmt er nicht einmal seine Mütze ab) offenbart eine gewisse erzählerische Planlosigkeit. Mit dem Verlust Elevens geht Hopper erstaunlich gut um. Vielleicht erfüllte sie doch nur die Funktion, den Tod der eigenen krebskranken Tochter besser zu verarbeiten.

Hier geht’s weiter, Plätze 5-1:

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