Serie der Woche: „The Abandons“
Kurt Sutter erzählt wieder eine Outlaw-Geschichte - diesmal mit zwei Matriarchinnen ...
Kurt Sutter liebt Outlaw-Geschichten. In „Sons Of Anarchy“ erzählte er von den Machtkämpfen innerhalb einer Rockergang. Das immer noch unbedingt sehenswerte Seriendrama, das von 2008 bis 2014 lief, fühlte sich wie ein moderner Western an. Es spielte in einer von Gewalt bestimmten Welt, in der der Stärkere stets recht hat. Dass sich Sutter nun tatsächlich eine Wildwest-Geschichte vorgenommen hat, ist da nur konsequent.
Es wird nicht mehr auf Motorrädern durch Vorstädte in Nordkalifornien gebraust, sondern Mitte des 19. Jahrhunderts galoppieren Pferde durch die schroffe Landschaft Oregons. Es sind nicht mehr Rockerbanden wie der Sons Of Anarchy Motorcycle Club Redwood Original oder Mayans M.C., die Sutter aufeinander loslässt, sondern Clans, die von zwei Matriarchinnen angeführt werden: Fiona Nolan (Lena Headey), die auf ihrer Ranch eine Reihe adoptierter Waisen um sich versammelt hat, und Constance van Ness (Gillian Anderson), das Oberhaupt einer aristokratischen Familie. Die beiden Frauen führen einen erbitterten Krieg gegeneinander.
„The Abandons“ ist ein spröde inszeniertes Drama um Macht, Gier und Rache, das nicht nur Rindern und Hunden, sondern bald auch Menschen das Leben kostet. Weil diese rechtsfreie, brutale Welt früher oder später alle Herzen verhärtet, verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse in diesem feministischen Western, der für Männer meist nur Nebenrollen bereithält – und den man durchaus als Netflix’ Antwort auf Paramounts „Yellowstone“ lesen kann.
Kurt Sutter liebt jedoch nicht nur Outlaw-Geschichten, sondern auch Shakespeare. „Sons Of Anarchy“ war leicht als „Hamlet“-Paraphrase zu durchschauen, und auch in „The Abandons“ schmuggelt er nun einen „Romeo und Julia“-Plot ein, der den Zwist zwischen den Clans weiter zuspitzt. (Netflix)