Ist „Possession“ der beste Horrorfilm des Jahres 1981?
Andrzej Żuławskis „Possession“ gilt als Kultfilm. Horror, Kalter Krieg und Isabelle Adjani im Ausnahmezustand.
Manche Leute wollten nach Hitchcocks „Psycho“ nicht mehr unter die Dusche und nach Spielbergs „Der weiße Hai“ nicht mehr ins Meer. Ob sie nach Andrzej Żuławskis „Possession“ nicht mehr in die Berliner U-Bahn wollten, vor allen in die Unterführung der Station „Platz der Luftbrücke“, ist nicht bekannt.
Das große Horrorjahr 1981
Im selben Jahr, in dem John Landis den „American Werwolf“ durch die Londoner Tube jagte, 1981, inszenierte Żuławski in Kreuzberger Schächten einen Nervenzusammenbruch Isabelle Adjanis, wie die Welt ihn nie gesehen und gehört hätte.
Die 26-jährige arbeitete an ihrem Image als Genreschauspielerin, eine Richtung, die sie mit Werner Herzogs „Nosferatu“ zwei Jahre zuvor in der Rolle der Mina Harker, wenn auch in der Darstellung eines stillen Stoizismus, eingeschlagen hatte.
In Żuławskis mit Symbolen überfrachteten, aber beeindruckenden Drama personifiziert das von Anna (Adjani) geborene Monster ihre verdrängte Sexualität, und ihre Schizophrenie dokumentiert den Zusammenbruch ihrer Ehe mit Mark – gespielt von Sam Neill, 1981 auch als Antichrist Damien Thorne in „Omen 3“ zu sehen.
So vereinte „Possession“ eine fantastische Zusammenkunft verschiedener Themen, Orte und Menschen: ein polnischer Filmemacher drehte im gräulichen West-Berlin, direkt an der Mauer, mit einer Französin und einem Neuseeländer, und erdachte sich außerdem einen Kalter-Kriegs-Spionageplot inklusive Autocrash-Stunt.
Seiner Zeit bereits ab Cannes-Premiere verhalten aufgenommen, hat sich „Possession“ zumindest den „Kultstatus“ erarbeitet, mit Schauwerten also trotz inszenatorischer Schwächen (unnötige Kameraschwenks und ein zu dramatisch wirkender Sam Neill). Die Second-Sight-Edition ist wie zu erwarten erstklassig, 4k-restauriert, mit neuen Dokus und einem (alten) Audiokommentar des 2016 verstorbenen Żuławski (Second Sight).