Mit KI-generierten Songs Streaming-Dienste um 8 Millionen Dollar betrogen

Mike Smith hat zugegeben, Streaming-Dienste mit Hunderttausenden KI-Songs und Milliarden gefälschter Streams um über 8 Millionen Dollar geprellt zu haben.

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Michael Smith, ein 54-jähriger Mann aus North Carolina, dem Bundesstaatsanwälte vorgeworfen hatten, Musik-Streaming-Dienste mit KI-generierten Songs betrogen zu haben, bekannte sich am Donnerstag vor US-Bundesrichter John G. Koeltl in einem Anklagepunkt der Verschwörung zum Betrug per Datenfernübertragung schuldig. Die Höchststrafe für diesen Anklagepunkt beträgt fünf Jahre Gefängnis. Smith erklärte sich bereit, 8.091.843,64 Dollar einzuziehen. Richter Koeltl wird das endgültige Strafmaß noch in diesem Sommer verkünden.

In seinem Schuldbekenntnis räumte Smith ein, mithilfe von KI Hunderttausende Songs erstellt und anschließend Tausende Bots eingesetzt zu haben, um diese Songs – so wie es normale Nutzer täten – Milliarden Male zu streamen und sich damit ein Einkommen zu verschaffen. Indem er die Streams auf Tausende Accounts verteilte, konnte er der Erkennung durch Streaming-Dienste wie Amazon Music, Apple Music, Spotify und YouTube Music entgehen. Unterm Strich kassierte Smith mehr als 8 Millionen Dollar an Tantiemen.

„Michael Smith hat Tausende gefälschte Songs mithilfe von Künstlicher Intelligenz produziert und diese gefälschten Songs dann Milliarden Male gestreamt“, erklärte Jay Clayton, US-Staatsanwalt für den Southern District of New York, in einer Stellungnahme. „Die Songs und Hörer waren zwar gefälscht – aber die Millionen Dollar, die Smith gestohlen hat, waren es nicht. Millionen Dollar an Tantiemen, die Smith echten, redlichen Künstlern und Rechteinhabern entzogen hat. Smiths dreistes System ist Geschichte; er steht nun als verurteilter Bundesstraftäter da, der KI-gestützten Betrug begangen hat.“ (Smiths Anwalt Noell Tin lehnte eine Stellungnahme ab.)

Drohende Strafe und Steuerverstöße

Aus einem Schreiben des Justizministeriums geht hervor, dass Smith neben der Einziehung seiner Einkünfte und der Höchststrafe auch zu drei Jahren auf Bewährung sowie einer Geldstrafe von maximal 250.000 Dollar verurteilt werden könnte. Die Urteilsverkündung ist für den 29. Juli angesetzt. Das Justizministerium erklärte, Smith nicht weiter strafrechtlich zu verfolgen, behielt sich jedoch vor, etwaige Steuerverstöße zwischen 2017 und 2024 zu ahnden, sollten solche ans Licht kommen.

Eine Recherche des ROLLING STONE hatte ergeben, dass Smith 1.040 Accounts nutzte, über die täglich jeweils rund 636 seiner KI-generierten Songs gestreamt wurden. Das summierte sich auf 661.440 Streams pro Tag – und brachte ihm potenziell 3.307,20 Dollar täglich, 99.216 Dollar monatlich und über 1,2 Millionen Dollar im Jahr ein. „Smith hat Millionen an Tantiemen gestohlen, die Musikerinnen und Musikern, Songwritern und anderen Rechteinhabern zugestanden hätten, deren Songs auf legalem Weg gestreamt wurden“, kommentierte US-Staatsanwalt Damian Williams, als Smith angeklagt wurde.