„Harter, steiniger Weg“: Collien Ulmen-Fernandes bricht ihr Schweigen
Nach der Großdemo am Brandenburger Tor meldet sich Collien Ulmen-Fernandes mit einem emotionalen Instagram-Post zu ihrem Kampf gegen digitale Gewalt und für Opferschutz.
Tag fünf nach dem digitalen Erscheinen der Titelstory des „Spiegel“ mit der drastischen Anklage-Zeile „Du hast mich virtuell vergewaltigt“. Eine Folge war unter anderem eine große Demonstration vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Daraufhin hat sich Collien Ulmen-Fernandes erstmals seit Bekanntwerden der Causa mit einem Social-Media-Statement zu Wort gemeldet.
In einem emotionalen Instagram-Post resümiert sie ihren jahrelangen Kampf gegen digitale Gewalt und die persönlichen Folgen dieses Engagements.
„Keine Kraft mehr für diesen Kampf gehabt“
„Ich weiß gar nicht, was ich sagen beziehungsweise schreiben soll, so überwältigt bin ich. Seit Jahren kämpfe ich für einen besseren SCHUTZ VOR DIGITALER GEWALT!“, schreibt sie in Versalien und macht deutlich, wie sehr sie die Unterstützung der vergangenen Tage bewegt hat.
Besonders eindrücklich schildert sie die Schattenseiten dieses Engagements: „Ich hatte im letzten Jahr Phasen, in denen ich sehr unter die Räder kam (wie ihr euch vielleicht denken könnt), in denen ich nicht mehr aufstehen konnte und wollte, in denen es mir schlecht ging, ich keine Kraft mehr hatte. Keine Kraft mehr für diesen KAMPF!“
Dass sich nun „zigtausende Menschen“ hinter ihr versammelt hätten, gebe ihr neue Kraft: „Doch nun steht ihr an meiner Seite und kämpft mit, und ich fühle mich nicht mehr alleine auf diesem harten und steinigen Weg hin zu einem BESSEREN OPFERSCHUTZ.“
Der Beitrag wurde in kurzer Zeit tausendfach kommentiert – auch zahlreiche prominente Stimmen bekundeten ihre Unterstützung.
Die Gegenseite schweigt
So klar und eindringlich Ulmen-Fernandes’ Perspektive ist, so auffällig bleibt, was im öffentlichen Diskurs bislang kaum vorkommt: die andere Seite der Auseinandersetzung.
Im Zusammenhang mit den Debatten rund um digitale Angriffe und juristische Schritte wird immer wieder auch Christian Ulmen genannt. Dessen anwaltliche Vertretung hat sich zwar punktuell geäßert – eine umfassendere Darstellung dieser Sichtweise bleibt jedoch aus.
Gerade in einem emotional aufgeladenen Konflikt, der große öffentliche Aufmerksamkeit erhält, stellt sich die Frage, ob Schweigen wirklich die richtige Strategie ist. Eine transparente Debatte würde davon profitieren, wenn die Gegenseite ihre Argumente klarer kommunizierte – sofern überhaupt etwas vorhanden ist, das zur Aufklärung des Falles beitragen kann.
Denn während Ulmen-Fernandes’ Worte vielen Betroffenen aus der Seele sprechen, lebt eine faire öffentliche Auseinandersetzung davon, dass unterschiedliche Blickwinkel sichtbar werden – oder gegebenenfalls auch ein Eingeständnis. Gerade dann, wenn juristische und persönliche Ebenen so eng miteinander verwoben sind.
Die Debatte ist damit keineswegs beendet. Die Aufarbeitung vor Gericht rollt mit einer in Spanien eingereichten Anklageschrift gerade erst an. Sie beginnt gerade erst.