Trump dreht durch: Wutausbruch auf Truth Social wegen Reflecting-Pool-Berichten
Kurz vor seinem Staatsbesuch in China verliert der Präsident auf Truth Social vollständig die Fassung – und liefert dabei eine bizarre Vorstellung.
Donald Trump hat mal wieder eine Episode auf Social Media hingelegt – ausgerechnet kurz vor einem wichtigen Staatsbesuch in China. Der Präsident postete über Nacht und bis in den Dienstagmorgen hinein dutzendfach auf Truth Social: Er wetterte gegen prominente Demokraten wie Barack Obama und Joe Biden, verbreitete falsche Behauptungen über die Wahl 2020, fantasierte sich selbst auf den 100-Dollar-Schein – und lieferte noch eine Reihe weiterer bizarrer Posts dazu.
Außerdem trommelte Trump für sein neuestes Lieblingsprojekt: die Renovierung des Lincoln Memorial Reflecting Pool. „Democrats Love Sewage“ lautete ein Post mit einem KI-generierten Bild, das Obama, Biden und Nancy Pelosi in einem verdreckten, abwasserbedeckten Reflecting Pool zeigt. In einem anderen Post legte er eine ausufernde Tirade gegen die „New York Times“ hin – wegen deren Berichterstattung über das Projekt, insbesondere eines am Montag erschienenen Artikels, demzufolge das Vorhaben die Steuerzahler ein Vielfaches dessen kosten wird, was Trump versprochen hatte.
„Das ist kein bloßer Anstrich, wie der niederträchtige ‚Reporter‘ David Fahrenthold von der NYT so ungenau und böswillig behauptet hat – das ist ein hochkomplexes Werk intelligenter und wunderschöner Konstruktion“, schrieb der Präsident. Zuvor hatte er behauptet, „viele Patrioten“ hätten ihn gebeten, den Reflecting Pool zu sanieren, der seiner Darstellung nach durch das Missmanagement von Obama und Biden „eine Schande für Washington, D.C., und für unser Land“ geworden sei.
„Ich habe den Auftrag nicht vergeben, das hat das ‚Innenministerium‘ getan, an einen Auftragnehmer, den ich nicht kannte und noch nie zuvor eingesetzt hatte“, schloss Trump – obwohl er zuvor selbst behauptet hatte, den Auftragnehmer ausgewählt zu haben, weil dieser an dem Swimmingpool eines seiner Golfclubs gearbeitet habe.
Kostenexplosion beim Reflecting Pool
Die „Times“ berichtete am Montag, dass Trump zwar angegeben hatte, der Auftragnehmer verlange nur 1,8 Millionen Dollar für die Neugestaltung des Pools und das Blaustreichen seines Bodens – doch das Innenministerium verdoppelte den Auftragsumfang vergangene Woche und plant nun, dem Unternehmen fast 14 Millionen Dollar zu zahlen. Normalerweise ist die Regierung bei Vertragsarbeiten zu einem Ausschreibungsverfahren verpflichtet, doch die Trump-Administration vergab einen freihändigen Auftrag an Atlantic Industrial Coatings mit der Begründung, das Projekt sei zu dringend, um Zeit mit einer Ausschreibung zu verschwenden. In seinem Truth-Social-Post vom Dienstag schrieb Trump, das Projekt werde „5 oder 6 Millionen Dollar“ kosten und in zwei Wochen abgeschlossen sein.
Dem Bericht vorausgegangen war ein separater „Times“-Artikel von letzter Woche, der die Erzählung, die Trump rund um das Projekt aufgebaut hat, gehörig löcherte. Das Reflecting-Pool-Projekt ist nur ein Beispiel dafür, wie Trump Traditionen – und wohl auch das Gesetz – mit Füßen tritt, um das Erscheinungsbild Washingtons nach seinem Gusto umzugestalten. Der Artikel stellte fest, dass die Verwaltung die Probleme mit dem Filtersystem nicht behebt, dass ein blau gestrichener Beckenboden keine Algenprobleme löst und dass Trumps jüngste Showeinlage – sein Motorkadenkorso durch den abgelassenen Pool – den Beton beschädigt haben könnte. Außerdem hielt die „Times“ fest, dass sie Trumps Behauptung, Atlantic Industrial Coatings habe an den Swimmingpools seines Clubs gearbeitet, nicht bestätigen konnte – und dass das Unternehmen nicht einmal damit wirbt, Swimmingpools zu sanieren.
Ablenkung durch Bauprojekte
Trump hat sich zunehmend in Bauprojekte wie den Reflecting Pool und den Ballsaal des Weißen Hauses vergraben, während seine Zustimmungswerte inmitten eines unbeliebten Kriegs gegen den Iran und einer Lebenshaltungskostenkrise im Inland eingebrochen sind. Am Montagabend im Rosengarten des Weißen Hauses – den er ebenfalls hat umgestalten lassen – schimpfte er vor Strafverfolgungsbeamten über die Notwendigkeit ästhetischer Renovierungen. „Das war ein Drecksloch“, sagte der Präsident über das Weiße Haus vor seiner Amtszeit. „Jetzt ist dieser Ort erstklassig.“