Solarenergie boomt – trotz aller Bemühungen Trumps
Der Präsident und seine Regierung wollen saubere Energie vernichten und fossile Brennstoffe befeuern – doch die Solarbranche lässt sich nicht aufhalten.
Donald Trump tut alles, um die Erneuerbare-Energien-Branche zu untergraben und fossile Brennstoffe zu stärken. Besonders aggressiv geht er gegen Windkraft vor – so aggressiv, dass die Regierung zuletzt fast 800 Millionen Dollar ausgegeben hat, um Windenergieprojekte zu kippen. Es ist bereits das dritte Mal, dass Steuergelder eingesetzt werden, um eine bereits laufende Initiative für saubere Energie zu beerdigen.
Solar hat Trump merklich weniger im Visier, doch auch diese Branche hat er angegriffen und ihr Wachstum zu bremsen versucht – gemeinsam mit anderen Quellen erneuerbarer Energie. Im vergangenen August schrieb der Präsident, Solarenergie sei zusammen mit Wind der „BETRUG DES JAHRHUNDERTS“, und seine Regierung werde kein „bauernvernichtendes Solar“ genehmigen.
Die Branche boomt trotzdem.
Solar überholt Kohle
Solarenergie beginnt Kohle bei der Stromerzeugung zu überholen, und laut dem Energie-Thinktank Ember deckte sie im vergangenen Jahr 61 Prozent des Wachstums der US-Stromnachfrage. Die USA installierten 2025 insgesamt 43 Gigawatt Solarleistung – weniger als die Rekordzahl von 50 Gigawatt im Vorjahr, aber immer noch eine beeindruckende Menge. Im gesamten letzten Jahr wurde alle 59 Sekunden eine neue Solaranlage in Betrieb genommen.
„Aus welchem Grund auch immer hat Trump eine viel stärkere Abneigung gegen Wind als gegen Solar“, sagt Ryan Kellogg, Professor für Klima- und Energiepolitik an der University of Chicago, gegenüber ROLLING STONE. „Besonders bei Offshore-Wind kommt man nicht daran vorbei, dass man eine ganze Reihe von Bundesgenehmigungen braucht. Das Verteidigungsministerium muss einbezogen werden.“
Bei Solar sei das deutlich unkomplizierter, erklärt Kellogg. Man kauft privates Land und errichtet dort eine Solaranlage – niemand wird behaupten, sie versperrt die Aussicht. Vielleicht stört sie, wenn sie sichtbar ist, aber sie ragt nicht wie ein Koloss in den Himmel und verändert das Landschaftsbild, was einer der vielen Kritikpunkte des Präsidenten an der Windkraft ist.
„Sie sind sicher nicht so auffällig wie die riesigen Megawatt-Windturbinen, die man meilenweit sehen kann“, sagt Kellogg. „Windturbinen erzeugen Lärm und Schattenwurf. Bei einer Solaranlage ist das kaum ein Thema.“
Rückenwind durch Privateigentum
Zudem gebe es weitaus mehr Land, das für Solarenergie genutzt werden könne, so Kellogg. Während Solarmodule überall dort Strom erzeugen, wo die Sonne scheint, müssen Windparks in windreichen Gebieten errichtet werden – hauptsächlich in der Mitte des Landes oder vor der Küste.
„Viele Menschen setzen sich sehr für private Eigentumsrechte ein, besonders in roten Bundesstaaten, wo diese Solarprojekte vorgeschlagen werden“, ergänzt Gilbert Michaud, Assistenzprofessor für Umweltpolitik an der Loyola University Chicago. „Theoretisch sollte es einem Bauern erlaubt sein, sein Land an einen privaten Entwickler erneuerbarer Energien zu verpachten oder zu verkaufen. Kurzum: Es ist deutlich einfacher als Offshore-Wind, wenn man einfach eine mittelgroße Solaranlage auf gepachtetem Agrarland baut.“
Solar punktet auch wirtschaftlich. Während die Kosten für den Bau von Windparks in den letzten Jahren gesunken sind, ist der Preis für Solar noch deutlich stärker gefallen. Und er wird weiter sinken, je mehr der Markt wächst und die Panels selbst effizienter werden.
Trumps Angriffe auf die Branche
Seit seiner Rückkehr ins Amt hat Trump Solar auf vielfältige Weise ins Visier genommen. Steuerliche Anreize haben historisch dazu beigetragen, Solarstrom günstig zu machen – einige davon werden nun abgebaut, weil die Trump-Regierung den Inflation Reduction Act demontiert. Im Juli des vergangenen Jahres unterzeichnete Trump eine Executive Order, die es Solarunternehmen noch schwerer macht, Steuergutschriften zu erhalten. Außerdem hat die Regierung der Branche die Zusammenarbeit mit Herstellern in China erschwert, wo die meisten Solarmodule produziert werden. Diese Maßnahmen haben die Branche spürbar getroffen, wie der Rückgang der Neuinstallationen von 2024 auf 2025 zeigt.
„Ohne die Steuergutschriften werden wir sehen, wie erneuerbare Energien auf eigenen Beinen stehen“, sagt Michaud. „Solar wird weiter wachsen, aber langsamer – die Kurve wird nicht mehr so steil ansteigen wie unter den Biden-Förderungen.“
Dennoch expandiert die Solarbranche. Nicht nur durch große Solarparks – mittlerweile sind Millionen von Häusern mit Dachsolaranlagen ausgestattet. Zunehmend interessiert sich die Öffentlichkeit auch für sogenannte „Balkonsolar“-Lösungen, die es Menschen ohne eigenes Dach ermöglichen, zuhause Solarstrom zu erzeugen.
Datenzentren als Wachstumstreiber
Der Energiebedarf wird weiter steigen, da immer mehr KI-Unternehmen energiehungrige Rechenzentren im ganzen Land errichten. Die Solarbranche könnte einen Großteil dieser Nachfrage decken.
„Der Energiebedarf wächst, und viele KI- und Rechenzentrumsbetreiber siedeln sich in roten Bundesstaaten an“, sagt Michaud. „Wenn ein Bundesstaat diese Unternehmen mit dem Versprechen von 100 Prozent erneuerbarer Energie anlocken kann, wird das Teil einer umfassenderen Wirtschaftsentwicklungsstrategie.“
Die Zukunft der Solarenergie ist strahlend – und selbst die Vendetta der Trump-Regierung gegen saubere Energie kann daran nichts ändern. Es mag einfach sein, Amerikanern zu verbieten, riesige Windturbinen aufzustellen. Ihnen zu sagen, sie dürften keine Solarmodule installieren und damit Strom erzeugen, ist eine andere Sache – erst recht, wenn sie ohnehin schon über hohe Energiekosten verärgert sind.