Noah Kahans Manager Drew Simmons über den Weg zum Erfolg

Drew Simmons erklärt, wie er Noah Kahan vom Vermont-Songwriter zum Stadion-Headliner aufgebaut hat – und was „Stick Season“ damit zu tun hat.

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Noah Kahan als Independent-Künstler zu bezeichnen fällt schwer. Schließlich stand der 29-jährige Singer-Songwriter aus Vermont mit seinem neuen Album „The Great Divide“ drei Wochen lang auf Platz eins der Billboard 200 und ist derzeit auf einer ausverkauften Stadiontournee unterwegs. Doch wer seinem Manager Drew Simmons beim Erzählen zuhört, begreift schnell: Die Indie-Wurzeln dieser Organisation sitzen tief.

Simmons, aufgewachsen in Buffalo, begann seine Karriere als Praktikant bei Ani DiFranco, deren Righteous Babe Records ihren Sitz in der Stadt hatte. Die Sängerin hatte ihre Karriere abseits des Major-Label-Systems aufgebaut und war in den frühen Neunzigern zur Ikone der DIY-Bewegung geworden – sie besaß ihre Aufnahmen und pflegte den direkten Kontakt zu ihren Fans. Genau dort habe er „verstanden, was ein Manager eigentlich macht“, erzählt Simmons dem ROLLING STONE. „Und ich dachte mir: Das klingt nach etwas, das ich tun will.“

Heute gehört Chappell Roan zu Simmons‘ Roster bei Foundations Artist Management – was ihm Plätze auf Branchen-Powerlisten und Panels eingebracht hat. Sein Weg dorthin war alles andere als geradlinig: Er führte ihn zunächst nach Boston, wo er bei Don Law angeheuert wurde, einem einflussreichen Konzertveranstalter in Neuengland, dessen Unternehmen später von Live Nation übernommen wurde. Simmons studierte damals an der Northeastern University, seine eigentliche Ausbildung aber erhielt er in den Clubs und Venues der Region.

Fenway Park und der Kreis

Rund 25 Jahre später stand Simmons mit Kahan auf dem Gelände des Fenway Park. „Es war emotional“, sagt er über die Auftritte 2024. „In der Musik, besonders als Manager, prasselt ständig so viel auf einen ein. Man navigiert Informationen, führt das eigene Team, das Team des Künstlers, die globale Infrastruktur – da bleibt kaum Zeit, den Kopf zu heben und den Moment zu genießen. Und Fenway war einer dieser Momente, der für mich so monumental war. Auch für meine Frau, die an der Boston University studiert hatte und eine Wohnung im Schatten des Fenway Park bewohnte. Zurückzukehren, unsere Kinder mitzubringen und Noah als Headliner zu erleben – dieser Kreis, der sich schließt, ist so befriedigend, dass es schwer zu begreifen ist.“

Simmons lernte Kahan kennen, als der Sänger 17 Jahre alt war. „Er kam aus einem Dorf mit 1.000 Einwohnern in Vermont und sah aus wie 14“, sagt er. „Am Anfang wussten die Leute nicht, was sie mit ihm anfangen sollten.“

Seinen Ansatz beschreibt der Manager als „sehr old school“ – Kahan mit einer Gitarre war sein bester Werbeträger. „Ich habe ihn in die Büros von A&Rs mitgenommen, wo er ein paar Songs gespielt hat. Ich glaube, alle haben sein rohes Talent erkannt, aber die Frage war: Wer ist bereit, den Weg mit ihm zu gehen? Denn Artist Development ist nichts für schwache Nerven – das braucht Zeit und Geduld.“

Der Durchbruch mit „Stick Season“

Republic meldete sich. Konkret waren es Avery und Monte Lipman, die Geschäftsführer des Universal-Music-Group-Labelverbunds, die laut Simmons „begeistert waren, und wir hatten am nächsten Tag ein Angebot.“

Dann begann „ein langsamer Marathon bis zu ‚Stick Season’“, fügt Simmons hinzu – eine Anspielung auf Kahans Durchbruchsalbum von 2022. (Das Album erschien auf Mercury Records, wohin Kahan wechselte, als das Label 2022 neu aufgestellt wurde.) „Von 2018 bis 2022 war es stetiges Wachstum. Er hat einfach getourt und getourt und getourt – als Support für James Bay, George Ezra und Leon Bridges. Er hat seine Live-Show wirklich verfeinert. Auf der Bühne war er anfangs nicht natürlich, aber durch die Wiederholungen wurde er immer besser.“

Zwischen Manager und Künstler besteht ein Vertrauen, das in solch langfristigen Geschäftsbeziehungen oft auf die Probe gestellt wird. Kahan vertraute Simmons‘ Führung – was ihn zur Unterschrift bei einem Major Label und zum Aufbau seiner Fangemeinde führte –, aber Simmons ließ seinem Klienten in künstlerischen Fragen stets den Vortritt.

Pandemie als Wendepunkt

„Als die Pandemie begann, hatte Noah gerade sein zweites Studioalbum „I Was, I Am“ fertiggestellt, glaubte aber selbst nicht daran. Die Pandemie zwang ihn, fast ein Jahr lang zu Hause zu leben. Er merkte: ‚Ich will diese Musik eigentlich nicht mehr machen.‘ Also schwenkte er um – hin zu etwas, das seine Einflüsse stärker widerspiegelt: Paul Simon, Cat Stevens, er ist mit den Counting Crows aufgewachsen. Er wollte, dass es etwas mehr songwriter-getrieben und folk-orientiert klingt. Und dann haben wir geredet.“

Dieses Gespräch war eines von vielen, während Kahan seinen Sound fand. Simmons: „Er passte in kein Genre so richtig rein. Selbst bei der Grammy-Kategorisierung wusste keiner, was zum Teufel man mit ihm anfangen soll – er ist nicht folk genug für Folk, nicht pop genug für Pop, nicht rock genug für Rock. Es gab keine natürliche Szene, die ihn hätte tragen können. Wir mussten ihn mit Nachdruck als sein eigenes Ding nach vorne bringen.“

Ein weiterer gemeinsamer Reflexionsmoment: Als Kahan – lange vor der Veröffentlichung von „Stick Season“ – den Titeltrack in seine Live-Setlist aufnehmen wollte. Simmons erinnert sich: „Ich meinte: ‚Du hast ein neues Album zu promoten. Darauf musst du dich konzentrieren.‘ Aber er war wirklich zielstrebig dabei. Und beim dritten, vierten Konzert war das der Liebling der Fans auf Tour. Da wussten wir, dass wir etwas hatten.“

Von James Brown zu Chappell Roan

Es war nicht das erste Mal, dass Simmons dieses Gefühl kannte. Bevor er Kahan unter seine Fittiche nahm, arbeitete er bei Red Light Management, wo sein Roster unter anderem Young the Giant und O.A.R. umfasste. Über Erstere sagt Simmons: „Ich nenne es gerne die Ära der ‚Blank the Blank‘-Bands: Portugal. The Man, Cage the Elephant, Foster the People …“ Young the Giant war Roadrunner Records‘ Versuch im Pop-Rock-Bereich, nach dem, was Simmons als „den Nickelback-Hochpunkt“ beschreibt. Die Strategie ging auf: Die Band, früher als The Jakes bekannt, landete 2011 mit „My Body“ einen Alternative-Hit.

O.A.R. wiederum passten ins Bild einer „unabhängigen Grassroots-Band – sie hatten sogar ihr eigenes Festival“, ergänzt er. „Sie hatten gerade ihren ersten Plattenvertrag bei Elektra unterschrieben und einen riesigen Radiohit. Das markierte ein neues Kapitel in der Geschichte dieser Band, das gerade erst begann.“

Als seine eigene Karriere noch ganz am Anfang stand, wagte Simmons einen Sprung ins Ungewisse und verließ Boston in Richtung New York. „Ich habe einen Job bei James Brown bekommen, was eigentlich keine schwere Entscheidung war“, sagt er ohne jede Koketterie. „Das musste ich einfach tun.“

Fenway, Roan und das große Ganze

Ja, dieser James Brown. Simmons gehörte zum Day-to-Day-Management-Team von Mr. Brown bis zu dessen Tod im Jahr 2006. „Er war unglaublich old school“, sagt Simmons, zu dessen Aufgaben auch die Organisation von Browns Beerdigung im Apollo Theatre gehörte – für die er sich seinen ersten Anzug kaufte. „Ich glaube, er hatte noch über 100 Shows für das folgende Jahr gebucht, als er starb. Er war noch draußen – der härteste Arbeiter der Musikbranche. … Das war ziemlich wild.“

Einen weiteren einschneidenden Schritt machte er, als er Red Light verließ, um zu seinem Studienfreund Steve Bursky bei Foundations zu stoßen. 2025 unterschrieb Roan bei dem Unternehmen. „Ich arbeite jetzt seit etwas mehr als einem Jahr mit ihr und erlebe, wie eine weibliche Popkünstlerin behandelt wird – im Vergleich zu einem männlichen Künstler“, erzählt Simmons. „Die Erwartungen, die Realitäten, der Eingriff in die Privatsphäre. Einem Künstler die Zeit zu lassen, Künstler zu sein, zu leben und etwas zu haben, worüber er schreiben kann – das wird nicht immer gewährt.“

Kahan hat sich offen und lautstark zu mentaler Gesundheit geäußert – ein Thema, das auch Roan am Herzen liegt –, und gemeinsam mit Simmons das Busyhead Project ins Leben gerufen. In der Netflix-Dokumentation „Noah Kahan: Out of Body“, die in diesem Jahr bei South by Southwest Premiere feierte, legte er alles offen und sprach über Körperdysmorphie und Angstzustände. Simmons würdigt Kahans Verletzlichkeit: „Man sieht seinen Selbstzweifel, und das ist ein zutiefst menschliches Gefühl. Aber es wird potenziert und verstärkt, wenn man so öffentlich präsent ist, wie Künstler es sind. Die Karriere ist die Beziehung zum Publikum. Diese Erkenntnis fällt vielen Künstlern schwer. Deshalb ist Therapie – und der Zugang zu Therapie – für Noah, mich und mein Team eine lebenslange Aufgabe.“

Kahan headlinet beim ersten Stateside Festival des ROLLING STONE am 4. Juli, kurz vor seiner Rückkehr nach Fenway am 18. und 19. Juli, wo 70.000 Menschen einen Typen mit seiner Gitarre erleben werden, der das Publikum absolut in seinen Bann zieht. Und die Leute kommen immer wieder.

„Aufmerksamkeitsspannen, Trends und Genres verschieben sich ständig – also versucht man, auf Künstler zu setzen, die einen Sound oder eine Perspektive haben, die das überdauert“, sagt Simmons. „Manchmal liegt man falsch, manchmal richtig. Bei Noah haben wir richtig gelegen. Er ist so ein charismatischer und herzlicher Mensch, und die Verletzlichkeit in seinem Songwriting … man will einfach, dass er gewinnt. Auch in schwierigen Zeiten war es immer: ‚Wir stehen hinter dir. Wir glauben an dich als Mensch. Und wir sehen dein Talent.‘“

Shirley Halperin schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil

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