Slipknot: Corey Taylor betet vor JEDEM Konzert zu einer Gottheit
Es ist Teil eines therapeutischen Prozesses, den der Sänger von Slipknot in den letzten Jahren durchlaufen hat.
Slipknot-Kopf Corey Taylor war kürzlich in der YouTube-Kochshow „Mythical Kitchen“ zu Gast und erzählte dort auch einige Dinge, die man in einer Unterhaltungssendung nicht erwarten würde. So gestand der Sänger, dass er mittlerweile einen Weg gefunden hat, seine Wut ausschließlich auf der Bühne auszuleben, und dass er sogar eine „höhere Macht“ an seiner Seite weiß, zu der er vor jeder Show betet.
Dies sei Teil eines therapeutischen Prozesses, den Taylor im Laufe der Jahre durchlaufen hat. Wertschätzung und Dankbarkeit hätten wesentlich dazu beigetragen, dass er ein glücklicherer Mensch geworden sei und einen besseren Draht zu seinen Mitmenschen habe.
Moderator Josh Sherer interpretierte in diesem Zusammenhang das Aufsetzen der typischen Slipknot-Maske als Transformation zu einem Superhelden und fragte, welche Bedeutung dies für den Musiker hat. „Es ist wichtig für meine Psyche und für die Menschen um mich herum“, so Taylor. „Ich spreche jetzt vor jedem Konzert auch ein kleines Gebet. Es gibt da eine höhere Macht, die ich anerkenne. Der Name lautet ‚Lord Mother‘, weil es ein bisschen von allem ist.“
Corey Taylor weiter: „Das ist etwas, das ich mir ausgedacht habe. Denn ich ich habe Vertrauensprobleme, auch wenn das verrückt klingen mah. Ich vertraue vielen Religionen nicht wirklich. In dem Programm, an dem ich teilnehme, werden wir jedoch dazu ermutigt, eine höhere Macht anzuerkennen, die größer ist als wir selbst. Für mich ist ‚Lord Mother‘ also das Yin und das Yang. Es ist das Alpha und das Omega. Es ist das Ende und der Anfang. Und es ist alles um uns herum. Und wenn man sich dafür öffnet, ist es, als würde man an einem der heißesten Sommertage eine leichte Brise spüren. Es ist wie ein Glas Eistee. Man spürt diese leichte Süße und dann ist der Durst gestillt. Es ist wunderschön.“
Corey Taylor lernte, sein Ego hinter sich zu lassen
Er habe lange gebraucht, um zu lernen, darauf zu hören, auch weil er nie ein religiöser Mensch war, ergänzte der 52-Jährige, empfindet aber das Loslassen des eigenen Egos als zentralen Teil seiner Therapie. „Wertschätzung und Dankbarkeit verändern dich und sie verändern die Art und Weise, wie du mit Menschen umgehst“, erklärte Taylor. „Das Beste, was ich je gelernt habe, waren zwei Dinge. Beurteile jemanden immer danach, wie er jemanden behandelt, von dem er nichts braucht, und Integrität zeigt sich darin, was du tust, wenn niemand zusieht. Als Süchtiger, als Alkoholiker, als jemand, der mit seinem Ego zu kämpfen hatte, sind das Dinge, die einem manchmal nicht von selbst gelingen.“ Man müsse manchmal innehalten und seine Prioritäten neu ordnen und sich darüber klar werden, Menschen zu lieben.
Der Sänger weiter: „Ich war nicht für meine Freunde da und habe nicht gefragt, wie es ihnen ging. Ich habe mich nicht über ihre Erfolge informiert. Alles drehte sich nur um mich. Es musste immer um mich gehen, sonst machte es mir keinen Spaß.“
Nachdem er diese Lektionen gelernt hatte, wandte Taylor sie auf den Ausstieg aus einem wutgeladenen Auftritt nach den Bühnenauftritten an. „Diese Wut schrumpfte so weit zusammen, dass ich nicht länger der Typ sein wollte oder musste, der in den letzten drei Jahren nach jedem Konzert mit Slipknot oder meinen Solo-Projekten oder was auch immer weiter zornig war“, verdeutlichte er.
Und wie muss man sich das Leben von Corey Taylor nach einem Gig vorstellen? „Ich mache eine Dankbarkeitsmeditation. Ich bin buchstäblich noch schweißgebadet, habe noch Make-up im Gesicht, nehme meine Maske ab und sitze im Van auf dem Weg zurück zum Hotel oder zur Garderobe oder was auch immer, und ich komme wieder zur Ruhe. Ich finde wieder zurück, weil ich nicht dort leben will. (…) Mir ist klar geworden, dass man, um wirklich glücklich zu sein, das schätzen muss, was man hat. Man darf nicht neidisch oder verbittert über die Dinge sein, die man nicht hat, denn das eint alle leeren Menschen.“