Emmy-Nominierungen 2026: Die größten Snubs und Überraschungen
Wer bei den Emmy-Nominierungen 2026 leer ausging und wer die verdiente Anerkennung bekam – von „The Bear“ über „Industry“ bis „SNL“.
Über TV-Serien lässt sich immer herrlich streiten – erst recht, wenn Superlative ins Spiel kommen. Die diesjährigen Emmy-Nominierungen liefern dafür reichlich Stoff, wie gehabt. Über ein paar Dinge dürften wir uns aber einig sein: Dass „Heated Rivalry“ wegen seiner kanadischen Herkunft nicht nominierungsfähig ist, grenzt an einen Skandal. Niemand auf „The Pitt“ außer Noah Wyle hat genug Screentime, um eine Nominierung zu verdienen – und trotzdem verdient jede einzelne Person auf „The Pitt“ eine Nominierung (ja, auch du, Digby). Und „The Bear“ ist immer noch keine Comedy.
Ohne weitere Umschweife: Hier sind unsere Picks für die größten Snubs und Überraschungen der diesjährigen Nominierungen.
SNUB: Jeremy Allen White verpasst einen letzten Platz als bester Hauptdarsteller für „The Bear“
Ein klares „No, chef!“ in der Kategorie Outstanding Lead Actor in a Comedy für White, der drei Jahre in Folge nominiert war – und zweimal gewann – für seine Darstellung von Carmen „Carmy“ Berzatto, dem hauseigenen Genie mit Selbstzerstörungsdrang. Die Serie sicherte sich verdiente Nominierungen für Outstanding Comedy Series (auch wenn sie unbestreitbar ein Drama ist), Creator Christopher Storer (für die Regie) und Ayo Edebiri (Outstanding Lead Actress). Aber es fühlt sich seltsam an, dass White beim letzten Auftritt der Serie im Awards-Rennen außen vor blieb. —David Fear
Drama-Überraschung des Jahres
SURPRISE: „A Knight of the Seven Kingdoms“ kämpft sich in die Drama-Kategorie
Klar, die Emmys liebten „Game of Thrones“. Aber dieses Prequel ist in Maßstab und Tonalität nahezu das genaue Gegenteil seines übermächtigen Vorgängers – auch wenn es in der wunderbaren Welt von Westeros spielt und bekannte „GoT“-Figuren auftreten. Es ist eine Buddy-Comedy am Rand des großen Epos, die sich um einen tollpatschigen Ritter und seinen kahlköpfigen Knappen dreht und mehr den „Canterbury Tales“ als dem Rosenkrieg verdankt. Dennoch ist diese Adaption von George R.R. Martins „Dunk & Egg“-Novellas so fabelhaft, dass sie – ganz wie ihr schwertschwingendes Vorbild – einfach nicht aufzuhalten war. Das haben die Emmys 2026 richtig gemacht. —D.F.
SURPRISE: Yahya Abdul-Mateen II bringt das Staunen zurück
Marvel-Serien bekommen in den Hauptkategorien der Emmys selten viel Liebe – und ehrlich gesagt könnte man es niemandem verübeln, vergessen zu haben, dass „Wonder Man“, eine Comedy über einen erfolglosen Schauspieler, der die Hauptrolle in einer Superhelden-Serie ergattern will (Meta-Alarm!), tatsächlich zum MCU gehört. Aber Yahya Abdul-Mateen II hat sich seinen Platz in der hochkarätigen Kategorie Outstanding Lead Actor in a Comedy für seine Darstellung der Titelrolle mehr als verdient. Es ist nicht das erste Mal, dass er für überragende Arbeit in diesem Genre ausgezeichnet wird – 2020 gewann er als bester Nebendarsteller in einer Limited Series für seinen Auftritt in HBOs „Watchmen“. Ob der Blitz zweimal einschlägt, wird sich zeigen. —D.F.
SNUB: „Half Man“ bekommt nicht halb so viel Chancen wie verdient
Erinnert ihr euch, wie Richard Gadds „Baby Reindeer“ 2024 aus dem Nichts zur Sensation auf dem Awards-Parkett wurde – mit 11 Emmy-Nominierungen und sechs Siegen, darunter Outstanding Limited Series, Supporting Actor für Gadd und Supporting Actress für Jessica Gunning? Viele von uns hielten sein Folgeprojekt, eine ätzende Abrechnung mit toxischer Männlichkeit, die sich irgendwie noch kantiger anfühlte (!), für einen sicheren Kandidaten in der Limited-Series-Kategorie. Doch nur Gadd selbst bekam Zuspruch, in der Kategorie Outstanding Supporting Actor. Dass sein Co-Star Jamie Bell und die Serie insgesamt leer ausgingen, gehört zu den eklatantesten Fehlern dieser Nominierungsrunde. —D.F.
Reality TV und der Staffelwechsel
SNUB: „The Amazing Race“ verliert den Anschluss
Kultmoderator Phil Keoghan hat nicht so lange und so hart gearbeitet, um sich den Titel Outstanding Reality Competition Program von „Dancing With the Stars“ wegschnappen zu lassen. CBSs globetrottendes Format hält sich seit zehn Jahren kontinuierlich in den Nominierungen – ohne nennenswerte Social-Media-Präsenz, gestützt allein auf klassische Linearzuschauer. Während „Dancing With the Stars“ gerade eine von Gen Z angetriebene Renaissance erlebt, stellt sich die Frage: Was hatte diese Staffel „The Amazing Race“ wirklich voraus – außer einer charismatischen und unzufriedenen mormonischen Ehefrau? —CT Jones
SNUB: „Stranger Things“ verabschiedet sich ohne Emmy-Knall
Keine Überraschung, dass die VFX-lastige Netflix-Serie in den technischen Kategorien abräumte und sieben Nominierungen für ihr Hinter-der-Kamera-Team einsammelte. Aber es ist noch gar nicht so lange her, dass die Serie ein ernstzunehmender Faktor in der Drama-Kategorie war und sowohl David Harbour als auch Millie Bobby Brown je zwei Nominierungen als Supporting Actor und Actress holten. Harbour bekam dieses Jahr immerhin eine Nominierung für seinen Auftritt in der HBO-Serie „DTF St. Louis“ – aber die Emmy-Komitees hatten offenbar das Gefühl, dass die Upside-Down-Rosen für die Duffer-Brothers-Produktion diesmal verblüht sind. —D.F.
SURPRISE: Chase Infiniti entfacht eine Ein-Frau-Revolte
Ja, wir sind immer noch wütend darüber, dass Infiniti keine Oscar-Nominierung für ihren Durchbruch in „One Battle After Another“ letztes Jahr bekam. Und nein, wir hätten nicht damit gerechnet, dass die 26-jährige Schauspielerin sich in diesem Jahr einen Platz im hart umkämpften Feld Outstanding Actress in a Drama sichern würde – zumal ihr „Handmaid’s Tale“-Ableger „The Testaments“ noch nicht lange läuft und abseits seiner sehr treuen Fangemeinde kaum für Aufsehen gesorgt hat. Und trotzdem haben wir laut aufgejubelt, als heute Morgen ihr Name neben Größen wie Carrie Coon, Keri Russell, Rhea Seehorn und Zendaya fiel. Zeugen tretet vor! —CTJ
„Industry“ und der blinde Fleck
SNUB: Die Branche ignoriert „Industry“ weiterhin
Nun im vierten Jahr seiner Herrschaft als HBOs kokaingetränkter spiritueller Erbe von „Succession“ hat Konrad Kays und Mickey Downs‘ düsteres Warnmärchen aus der Finanzwelt erneut keinerlei Anerkennung von den Emmys erhalten. Staffel vier verwandelte die toxische Liebesgeschichte der Serie – das Frenemy-Duell zwischen Yasmin Kara-Hanani (Marisa Abela) und Harper Stern (Myha’la) – in ein Tour de Force aus Machtkämpfen und Zusammenbrüchen. Jede Staffel von „Industry“ hat die Serie verfeinert, mehr von ihren Stars verlangt und einige der wundesten Punkte unserer Gegenwartskultur treffsicher bespuckt. Dieser Snub ist einer, über den wir noch Jahre reden werden. —CTJ
SURPRISE: Nick Offerman holt gleich zwei Nominierungen
Offermans Nominierung als Outstanding Supporting Actor in a Comedy für „Margo’s Got Money Troubles“ war so gut wie sicher – die Apple-Serie wird (zu Recht) geliebt, und seine nuancierte Darstellung eines ehemaligen Profi-Wrestlers und Suchtkranken in der Genesung ist außergewöhnlich. Aber um seinen ebenso starken Auftritt als Präsident Chester Arthur in der sträflich unterbewerteten Netflix-Limited-Series „Death By Lightning“ war es deutlich ruhiger – weshalb seine zweite Nominierung, als Outstanding Lead Actor in a Limited Series or Movie, eine echte Freude ist. —D.F.
SNUB: Die Emmys haben wenig übrig für Abby Elliotts Sugar
Je mehr sich „The Bear“ vom aufregenden Newcomer zum selbstverständlichen Stammgast auf dem Awards-Parkett gewandelt hat, desto mehr ist eine der überraschendsten und gereiftesten Leistungen der Serie aufgefallen: die von Abby Elliott. Als erschöpfte Neu-Mutter und Geschäftsführerin Natalie „Sugar“ Berzatto bringt Elliott Ruhe und Vernunft in das Tohuwabohu von Charakteren, die permanent Wutanfälle haben. Es ist eine so leise, erdende Performance, dass Emmy-Wähler sie im Chaos von „The Bear“ leicht übersehen können. Dabei war sie einer der letzten unkompliziert guten Aspekte dieser Serie. —CTJ
Snook, Storrie und späte Gerechtigkeit
SURPRISE: Voters schütten alle Liebe über „All Her Fault“ aus
Sarah Snook kann einfach alles – auch einen überdrehten Psychothriller über die Unmöglichkeiten des modernen Mutterseins und die Gefahr abgelaufener Epipens tragen. Das Peacock-Drama wirkte wie eine Serie, die einzig darauf ausgelegt war, ein Wochenendpublikum einzufangen: der Typ Binge, der drei Tage lang Social Media dominiert und danach in Vergessenheit gerät. Dass die Show nun Nominierungen für Outstanding Limited Series, Lead Actress für Snook, Supporting Actress für Dakota Fanning und eine Schreibkategorie einheimst, lässt einen schon etwas ratlos zurück. —CTJ
SURPRISE: Connor Storrie holt sich eine Nominierung für „SNL“
Wir wussten alle, dass dieser hinreißende Clown das Zeug dazu hat. Aber Storries erste Emmy-Nominierung für die Moderation der „Saturday Night Live“-Ausgabe vom 28. Februar fühlt sich ein bisschen an wie eine Entschuldigung des Emmy-Wahlgremiums dafür, dass es das Projekt nicht nominieren konnte, über das eigentlich alle noch reden: „Heated Rivalry“. Obwohl die freizügige schwule Hockeyserie von Crave Storrie und seinen Co-Star Hudson Williams zu echten Superstars gemacht hat, schließt die Nominierungsfähigkeit der Emmys das Projekt in seiner ersten Staffel aus, da es vollständig in Kanada produziert wurde. Kein Problem – diese Nominierung bedeutet, dass Fans vielleicht noch die Chance bekommen, Storrie persönlich für die unbestrittene Serie des Jahres feiern zu sehen. —CTJ