Nicht nur Yungblud: Auch Stella Lefty wird als „Industry Plant“ bezeichnet
Die Country-Sängerin hinter dem Viralhit „Boston“ sagt: „Es wird immer Menschen geben, die mich nicht mögen.“
Als Yungblud die Kritik, er sei ein „Industry Plant“, Anfang der Woche in einem langen, ungewöhnlich offenherzigen Instagram-Post thematisierte, stellten sich Künstlerinnen und Künstler von SZA bis zu Anthrax-Gitarrist Scott Ian hinter ihn. „Der Hass und das Misstrauen, das mir von Fremden im Internet oder verbitterten Musikern entgegenschlägt, geht mir wirklich nah“, schrieb Yungblud, „denn alles, was ich in den letzten zehn Jahren versucht habe, ist, Liebe zu verbreiten, etwas aufzubauen, woran ich glaube, und Menschen in einem sicheren Raum zusammenzubringen.“
Doch dieses Schimpfwort bleibt nicht Pop- oder Rockmusikern vorbehalten. Auch Country-Künstlerinnen und -Künstler – darunter Mainstream-Stars wie Ella Langley und virale Phänomene wie Oliver Anthony – wurden schon mit dem Label „Industry Plant“ bedacht.
Zuletzt trifft es Stella Lefty. Die Sängerin aus dem Großraum Chicago bricht gerade durch – dank ihrer Single „Boston“, einem Country-Pop-Crossover, das ihr auf TikTok eine treue Fangemeinde eingebracht hat. Doch die 23-Jährige sieht sich auch mit Zweifeln an ihrer Herkunftsgeschichte konfrontiert. Dass Leftys Vater, Groupon-Gründer Eric Lefkofsky, als Milliardär gilt, hilft dabei ebenso wenig wie die Tatsache, dass Noah Kahan als Mitautor von „Boston“ gelistet ist – der Track interpoliert einen Teil von Kahans Hit „Stick Season“.
Lefty nennt es „unnatürlich“
Die ganze Debatte und das Gerede darum empfindet Lefty als „unnatürlich“. In einem Interview mit dem ROLLING STONE letzten Monat erzählte sie, dass sogar ihr Äußeres – konkret ihr Lächeln – unter die Lupe genommen wird. „Die Leute fragen ständig: ‚Was ist mit deinem Zahnfleisch los?’“, sagt sie.
Gleichzeitig akzeptiert Lefty, dass solche Kritik zum Geschäft gehört. „Es wird immer Menschen geben, die mich oder meine Musik nicht mögen, oder irgendetwas an mir. Unterm Strich konzentriere ich mich einfach auf die, die es tun“, sagte sie. „Das hier ist das, wofür ich mich entschieden habe. Zweischneidiges Schwert.“
Leftys Manager Adam Alpert von Disruptor Records geht mit den „Industry Plant“-Vorwürfen deutlich weniger zimperlich um. Für ihn ist der Begriff schlicht eine Ablenkung vom Wesentlichen.
„Industry Plants gibt es nicht“
„Industry Plants gibt es nicht“, sagt er, „egal was irgendwer von außerhalb des Musikgeschäfts sagt oder denkt.“
Dennoch: Sobald jemand einen vermeintlich kometenhaften Aufstieg hinlegt, sind Verschwörungstheoretiker schnell dabei, „Industry Plant“ zu rufen. Es traf Lana Del Rey, Billie Eilish, Gracie Abrams und sogar Taylor Swift. Doch wie Alpert betont, verbindet all diese Künstlerinnen und Künstler – Lefty eingeschlossen – eines: echte Songs.
„Man muss großartige Songs schreiben, die die Leute lieben“, sagt Alpert. „All diese Künstler, die als ‚Industry Plants‘ bezeichnet werden, haben Erfolg, weil sie genau das getan haben.“
Das Porträt von Stella Lefty, verfasst von ROLLING-STONE-Autorin Marissa R. Moss, ist hier zu lesen.