„Star City“: Wer will schon mehr Realitäten sehen?
Ein Paralleluniversum, noch unschöner als die Realität: „Star City“ ist kein gemütliches Spin-off.
An sich ist die Realität ja momentan schon anstrengend genug. Möchte man sich da wirklich noch mit einer Alternativversion beschäftigen, in der genauso viel Schlimmes passiert? Der Erfolg der Serie „For All Mankind“ belegt, dass viele Menschen kein Problem damit haben. Deshalb gibt es jetzt das Spin-Off „Star City“.
Hier wird das Ringen um die Macht im All aus Sicht der Sowjetunion erzählt. In diesem Paralleluniversum gelingt es den Sowjets zuerst, 1969 einen Mann auf dem Mond landen zu lassen – und eine Frau soll schnellstens folgen. Das gelingt, doch der Konkurrenzkampf mit den Amerikanern hört damit nicht auf. Die Strategien fordern dem Chefkonstrukteur (plötzlich überraschend seriös: Rhys Ifans) einiges ab, Menschlichkeit ist nicht gefragt. Noch weniger von der KGB-Agentin Lyudmilla (Anna Maxwell Martin) – eine brutale Parteisoldatin in der Tradition von Rosa Klebb.
Wie ein Traum wirkt die Raumfahrt hier nicht, eher wie harte Arbeit, aus der es keinen Ausweg gibt. Auf einem geheimen Gelände namens Star City wird an weiteren Plänen gewerkelt, die dann auch noch an den Feind durchgestochen werden, so dass die Paranoia ebenso wächst wie der Druck, der Regierung Ergebnisse zu liefern. Schließlich will niemand im Gulag landen. Die Mischung aus ein bisschen Science Fiction, aber viel mehr Agenten- und Polit-Drama hat spannende Momente, krankt allerdings daran, dass eigentlich nur die Kosmonautin Anastasia Belikova (Alice Englert) sympathisch wirkt – und schon ein bisschen viele Russland-Klischees zu sehen sind: Alles ist blau-grau-trist, jeder guckt verbiestert, und Männer mit strengen Brillen haben das Sagen. Selbst wenn das mal ungefähr Realität war, macht es nicht besonders viel Spaß, es noch einmal in einer Unterhaltungsserie zu sehen. (AppleTV+)