Dschungelcamp: Wann geht Gil Ariel an die Gurgel?

Ariel kreischt bei harmloser Dschungelprüfung und macht Gil zum Sündenbock. Gils Mauern bröckeln, die Davidstern-Affäre wird zum Thema im Camp.

ROLLING STONE Badge
Empfehlungen der Redaktion

Ariel ist die erste Teilnehmerin einer Dschungelprüfung, die vor Panik kreischt, obwohl nichts Plötzliches passiert, kein Jumpscare. Bei der Ekelprüfung bewegt sie lebloses, unbewegliches Futter in Richtung ihres Munds – und kreischt. Das sind die Momente, in denen klar wird, dass sie ihre Panik inszeniert. Schade! Dabei war das heute ein viel harmloseres Tierkaliber als gestern mit Konga, dem Menschenfrosch, der lebte. Dazu aber weiter unten mehr.

Die Mauern bröckeln

Gil hat gestern schon angekündigt, dass er spürt, wie „die Mauern bröckeln“ im Camp. Er hat Recht: Er wird immer redseliger, während vereinzelte Insassinnen, nie Insassen, sich vor ihm aufbauen und Vorträge halten. Er aber lässt die Schultern nicht hängen.

Auch sein Timbre hellt auf, Ofarim spricht in etwas höherer Tonlage. Man könnte sagen: Er vergisst sich und sein Image als Barry White des Schlagerrocks. Er flirtet mittlerweile wieder mit der Kamera. Als wäre dies seine Sendung, und er der Moderator. Ein Gil aus der Zeit vor 2021.

Als Nicole und Umut eine Prüfung meistern müssen, bringt er gar einen guten Witz wie aus dem Writer’s Room der Sendung: „Die Alte und der Altenpfleger“.

Konfrontation mit der Davidstern-Affäre

Doch er hat die Rechnung ohne Grit Boettchers Tochter gemacht. Sie konfrontiert ihn mit der Davidstern-Affäre und erinnert an den Hotelmitarbeiter des Westin-Grand-Hotels. „Verschwiegenheitsklausel, was soll das denn sein!“, sagt sie. „Die schützt nicht nur mich – die schützt auch ihn!“, gibt er zurück. „Ach so, na dann hast du Recht.“

Das Hotel-Thema ist langsam durch im Camp. Man wird nicht näher an Gil Ofarim herankommen. Er eröffnet Nebenschauplätze. Gestern war es seine Sehnsucht nach einem norddeutschen alkoholfreien Bier (aber bitte nicht vergessen: Das „V“ darin spricht man NICHT weich aus, man spricht es „V“ aus, wie die Stadt in Friesland). Heute erklärt er, wie man aus Reis in Gedanken Risotto macht.

Gestank und Handtuch-Drama

„Er benimmt sich echt gut, kann man nichts sagen“, befindet Simone. Damit beschließen Samira und Simone, Gil nicht auszugrenzen.

„Ariel hat nach der Prüfung gestunken“, urteilt Umut. „Jemand hat mein Handtuch benutzt. Es stinkt“, sagt Ariel. Gil – wieder Gil! – hat die beste Formulierung für den Gestank im Camp: „Es riecht ein bisschen funky.“

Ariel: „Ich möchte jetzt ein Handtuch. JETZT! Sonst gehe ich.“ Ein Druckmittel, genährt aus der möglicherweise falschen Schlussfolgerung, wer am häufigsten in die Dschungelprüfung gewählt wird, ist am beliebtesten bei den Zuschauern und wird am Ende zur Königin gekrönt – also müsse der Sender parieren. Sie stellt Ansprüche, wie so oft in ihrer individuell-besonderen Wortwahl: „Ich muss jeden Tag in die Prüfung. Ich mache jeden Tag Nachwache. Dann möchte ich wenigstens in meinem Bett schlafen, wo ich habe.“

Ariel sucht einen Sündenbock

Und wieder gegen Gil: „Sehe nicht ein, dass der in meinem Bett schläft.“ Und zu ihm: „Verdrehe jetzt nicht die Augen!“

Er ist aber nicht Ariels Punchingball. Immer, wenn ihr kalt ist, immer wenn sie nass wird – Gil ist schuld. Stephen hat Recht: „Du pickst dir immer jemand anderen raus, wenn du bei jemandem nicht weiterkommst.“

Ariel kennt sich gut. Sie sagt ja über sich selbst, sie habe Angst vor Paranoia.

Der Sender sollte die Fragen im Videohäuschen etwas besser stellen. Zumindest so, dass man nicht merkt, dass die Insassen nicht beichten wollen, sondern gezielt befragt werden. Man meint an den Antworten heraushören zu können, besonders denen von Samira und Stephen, dass sie nicht aus eigenem Antrieb auf Gil zu sprechen kommen. Die Antworten wirken stets so, als wären sie die Antworten auf Suggestivfragen: „Nun“, sagt etwa Samira, „ich weiß ja nicht, wie Gil draußen ist. Hier sind das ja nur zwei Tage.“

Die Dschungelprüfung: „Grill den Köppen“

Ariel, Eva und Gil müssen ran. Wie so oft. Zuschauer riefen also nach erkennbarem Muster an: für „Zicke“, „Bösewicht“ und „Ehebrecherin“.

„Wir geben unser Bestes“, sagt Gil. „Und Störgeräusche nehmen wir nicht wahr.“ Damit meint er eine ganz bestimmte Kollegin.

Speiseplan:

  • „Currywurst“ (Seegurke und Wasserbüffelniere). Ariel kreischt – als könnte Essen sie anspringen.
  • „Sülze“ (Krokodils-Klauen-Gelee) für Ariel (zwei Augen), Eva (drei Augen) und Gil (vier Augen).
  • „Königsberger Klopsen“ (Kamelhirn mit weißer Creme aus gekochtem Hirn und Mehlwürmern)
  • „Pudding mit roter Grütze““(Kuh-Urin und Entenblut mit Blutgelee)

Gil zeigt eine interessante Verzehrstrategie. Die meisten erfolgreichen Ekelesser im Camp essen stets sehr angespannt, Kaumuskeln rattern wie eine Nähmaschine. Gil aber wirkt verträumt, also könnte er sich wegbeamen dabei.

Kaum hat Ariel sich unter dem Tisch ausgekotzt, Nullnummer wie immer, stichelt sie gegen Gil. „Ich mag dich nicht“, und sie blickt dabei direkt in die Kamera. „Aber du hast drei Sterne geholt. Davor ziehe ich meinen Respekt.“ Gil kann nicht an sich halten und zitiert sie mit diesem Satz. Ariel macht weiter, bezeichnet ihn wieder mal als „Verbrecher“ (was das für Ariel noch bedeuten kann, lesen Sie hier).

Die Zuschauer werden sie so schnell nicht rauswählen – sie garantiert unterhaltsame Konflikte. Aber anstrengende Menschen sind im Camp letztlich nur Steigbügelhalter für zähle Schweiger oder kooperative Grinsebärchen, die am Ende Dschungelkönig werden.

Haben wir Hardy und Hubert unterschätzt?