Warum Billy Bragg seine Songtexte trans-freundlich machte


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Der Folk-Sänger Billy Bragg hat den Songtext seines 1991 veröffentlichen Stücks „Sexuality“ verändert. Warum er das tat, erklärte der 63-Jährige nun: Er wolle „seine Verbundenheit mit der trans- und nicht-binären Gemeinschaften ausdrücken.“

In einem Meinungsartikel für „The New Statesmen“ vom 15. November ging Bragg ausführlich auf seine Gründe für die Änderung des Textes ein:

„Letzte Woche geriet ich unter Beschuss von gender-kritischen Aktivisten auf Twitter, die sich darüber aufregten, dass ich den Text meiner Single ‚Sexuality‘ aus dem Jahr 1991 geändert hatte, als ich den Song live auf Tournee spielte.“

Im Songtext hieß es vormals: „Just because you’re gay I won’t turn you away / If you stick around, I’m sure that we can find some common ground“ (dt. Nur weil du schwul/lesbisch bist, werde ich dich nicht fallen lassen / Wenn du denn willst, bin ich sicher, dass wir eine gemeinsame Grundlage finden werden). Bereits seit mehreren Jahren ersetze Bragg bei Auftritten die Worte „gay“ durch „they“ und „some common ground“ durch „the right pronouns“ (dt. die richtigen Pronomina/Fürwörter).

Musik kann Perspektiven verändern und Vorurteile in Frage stellen

Pronomen sind Teil der (sexuellen) Identität, in diesem Fall auf linguistischer Ebene. Für Frauen und Männer, die sich mit ihrem biologischen Geschlecht identifizieren (cis), mag es eine Alltäglichkeit sein, mit er (für männlich) oder sie (für weiblich) angesprochen zu werden. Für Menschen, die sich jedoch nicht mit dem Geschlecht, in das sie hereingeben wurden – oder von der Gesellschaft auferlegt bekommen haben – identifizieren, wird dies auf sprachlicher Ebene für Betroffene oft zu einem Problem.

„Obwohl Musik die Welt nicht verändern kann – sie besitzt keine Handlungsfähigkeiten –, ist sie in der Lage, Perspektiven zu verändern und Vorurteile in Frage zu stellen“, schrieb Bragg weiter. Seiner Meinung nach würde der Grund für die aufbrausende Gegenwehr im sprachlichen wie öffentlichen Raum daher rühren, dass ein Großteil der Bevölkerung glaubt, „dass das Geschlecht bei der Geburt festgelegt wird“. Bragg erklärt dies mit Blick auf die USA.

„Unser moralischer Kompass ist verwirrt“

Weiterhin gibt sich der Folkmusiker optimistisch: Bragg sehe viel positive Veränderung innerhalb der Gesellschaft, aber auch noch einen weiten Weg, bis die LGBTQ-Community gleichgestellt sei: „Unser moralischer Kompass ist verwirrt.“ Bragg spricht ebenso den Generationskonflikt an, und wie die jüngeren Generationen dabei zusehen könne, „dass wir im Zwiespalt sind.“

Alteingesessene Weltanschauungen träfen somit auf Wissensdurst und Umbruchstimmung. „Meine Hoffnung ist es, andere meiner Generation dazu zu ermutigen, das gleiche mit ihren lang gehegten Vorstellungen von einer integrativen Gesellschaft zu tun.“