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„Black Mirror“ auf Netflix: alle 13 Episoden im Ranking

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„Black Mirror“ auf Netflix: alle 13 Episoden im Ranking

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Charlie Brooker, Macher von „Black Mirror“, stellte in einem Interview die Frage in den Raum: „Wenn Technologie eine Droge ist, was sind dann die Nebenwirkungen?“ In den ersten drei Staffeln der britischen Serie wird eine entsprechende Zukunftsvision entworfen. Drohnen werden gehackt und greifen an, Roboter ersetzen Ehemänner, Cartoon-Figuren bewerben sich für ein Amt im Parlament, und es gibt Urteile in den Sozialen Netzwerken, die über unser Leben entscheiden (was nicht so weit entfernt wirkt).

Die aktuelle Season wurde nicht mehr für Endemol produziert, sondern von Netflix, mit mehr Starpower und sichtbar höheren Budgets. ROLLING STONE bringt alle 13 Episoden der bisherigen drei Staffeln in die Reihenfolge schlecht bis gut. Wie schlagen sich die neuen Steuermänner von Netflix?

Die Bewertungen beinhalten Spoiler.

13. Von allen gehasst“ – „Hated In The Nation“ (Staffel 3, Episode 6)

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„Von allen gehasst“ erscheint wie die „X-Files“, nur ohne Außerirdische – oder zumindest, wenn schon irdisch, dann wie „CSI“, nur eben mit zwei weiblichen Ermittlern. Secret Services, Mission-Control-Räume, hierarchische Situationen unter Anzugträgern – etwas zu geheimdienstlich wirkt diese Geschichte um zunächst unerklärliche Morde, die allen zustoßen, die in den Sozialen Netzwerken zu den unbeliebtesten Menschen gehören.

Wie hängen die Roboter-Bienen mit den Todesfällen zusammen? „Die echten Bienen sind ausgestorben“, sagt ein Forscher über die Insekten, deren fundamentale Aufgaben für das Ökosystem nun die Replikas übernehmen. „Gäbe es diese Drohnen nicht, wäre die Alternative eine Umweltkatastrophe.“

Die Episode sendet zwei Botschaften, die auf Biegen und Brechen miteinander verknüpft werden. Zunächst natürlich: Der Mensch zerstört die Natur, hat die Technik nicht im Griff, jetzt gibt’s die Quittung. Die Drohnen als Racheengel gegen Hassprediger aus dem Internet einzusetzen, verquirlt dann aber nicht nur die Genres Tier-Horror mit Grünen-Film – sondern rückt das sehr aktuelle Problem mit den erbärmlichen Netz-Trollen in den Hintergrund.

12. “Abgestürzt“ – „Nosedive“ (Staffel drei, Episode 1)

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Netflix vertreibt “Black Mirror” seit der aktuellen Staffel und präsentiert einen sehr teuer wirkenden, mit Stars besetzten Start: Alles leuchtet und glitzert, nicht in einer britischen, sondern in einer amerikanischen Stadt. Die Gesellschaft bewertet jeden Menschen – nicht nach ihrem Können, sondern nach ihrer Beliebtheit, auf einer Skala von 0 bis 5. Per Handy geben die Leute ihren Mitbürgern Noten. Wer aus der Reihe tanzt, landet schnell bei unter 4 und wird damit ausgeschlossen: von Reisemöglichkeiten, Krankenbetten, Jobs, Immobilien.

Die junge Lacie fällt durch eine Reihe von Missgeschicken durchs soziale Netz, ihre 4 ist im freien Fall Richtung Less Than Zero. Bryce Dallas Howard ist hier, wie in ihren meisten Filmen, nicht wirklich Sympathieträgerin; bei Cherry „Transparent“, „24“ Jones stellt sich die Frage, ob ein zu hoher Bekanntheitsgrad für sehr kleine Nebenrollen nicht eher schädlich ist – ihrer anarchistischen Truckerin mit dem Wert 1 komma nochwas wird fast zu viel Augenmerk geschenkt.

„Abgestürzt“ verläuft für „Black Mirror“-Verhältnisse ein wenig zu linear, der Ton ist eher optimistisch als parodistisch, und das Finale kommt mit Ansage. So wie „Von allen gehasst“ steht auch hier der Fluch sozialer Netzwerke im Vordergrund.

11. “Männer aus Stahl“ – „Men Against Fire” (Staffel 3, Episode 5)

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Schwer bewaffnete Hi-Tech-Soldaten durchpflügen terrestrische Landschaften auf der Suche nach „Kakerlaken“. Klingt zunächst wie Starship Troopers auf Erden-Mission, nur handelt es sich bei den “Insekten” um scheinbar genetisch mutierte, entstellte und aggressive Menschen. Als einer der Infanteristen nach einem Kampf seltsame Visionen entwickelt, beginnt er den Sinn seiner Streifzüge in Frage zu stellen.

Die Gesellschaftskritiken – Soldaten als Marionetten, wer ist „Kakerlake“, wann fängt das Menschsein an? – sind altvertraut. Es ist der Militär-Psychologe, der dem zweifelnden Soldaten hier die Prinzipien einer bösen Gesellschaft vorstellt, die an Konditionierung, Euthanasie und Mord am Schwächeren als „große Leistung“ glaubt. Etwas zu dick aufgetragen wirkt die Entscheidung, die „Kakerlaken“-Menschen mit osteuropäischen Dialekten und polnischen Namen auszustatten.

Es gab den Brexit, und die fremdenfeindlichen Übergriffe haben in Großbritannien zugenommen – aber deshalb gleich den Zaunpfahl nehmen? Leichte Ironie: Die Maske, die jeder Soldat aufsetzen muss, maskiert sie selbst – sie werden zu willfährigen Killern.

10. “San Junipero“ – „San Junipero“ (Staffel 3, Episode 4)

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Filmische Dramen über lesbische Liebende sind meist hochambitioniert und sehr ernst, und auch diese von Owen Harris inszenierte Folge bemüht sich um Verdichtung und Intensität (außerdem hat jeder Filmemacher den Ansporn nicht einfach nur Männerfantasien zu bedienen). Die Anziehung zwischen einem Mauerblümchen (Mackenzie Davis als eine Art Molly Ringwald in uncool) und Partylöwin (Gugu Mbatha-Raw) bleibt bis zum Ende bemerkenswert unergründlich.

Alle Fantasie-Welten – die ungleichen Zwei treffen sich 1987, 1991 und 2002 – erscheinen leicht überdekoriert; wie zuletzt nur in „Deutschland 1983“ wird Zeitkolorit vor allem dadurch bemüht darzustellen, indem möglichst viele Pop-Songs des jeweiligen Jahres angespielt werden: Die Hölle von 1987, von Belinda Carlisle über Robbie Nevil bis Living in a Box.

Es darf sich auch die Frage stellen, wie erfüllend als auch anerkannt „verbotene Liebe“ sein dürfte, wenn sie nur im Gedankenuniversum ausgelebt wird. „Hier macht das doch keinen Sinn, für immer leben“, sagt Kelly, und sie hat Recht.

9. “Die Waldo-Kandidatur“ – „The Waldo Moment“ (Staffel 2, Episode 3)

Black Mirror The Waldo Moment l-r: Liam Monroe (Tobias Menzies), Gwendolyn (Chloe Pirrie), Robert (Jack Monaghan) and Simon Finch (Louis Waymouth)

Die nach Meinung der meisten Kritiker schlechteste Episode ist kein Geniestreich, aber auch nicht missraten. Ihr Trumpf besteht in der Radikalisierung der „Black Mirror“-Philosophie: Eine Ausgangslage ist dann nicht mehr absurd, wenn die Protagonisten die Ausgangslage völlig ernst nehmen.

Ein Cartoon-Charakter droht die politischen Rivalen aus Labour und Tory auszustechen und Parlamentsmitglied zu werden, weil er wegen seiner obszönen und aggressiven Art, mit der er die Gegner attackiert, immer beliebter wird. Die Witzfigur heißt Waldo, nicht Trump, und die 2013 gedrehte Folge schien die aktuelle Situation in Amerika fast vorwegzunehmen.

Für Rezensenten und Fans damals ein leichter Overkill, aber die zunehmende Verzweiflung, mit der die britischen Politiker auf den animierten Bären reagieren, wirkt absolut glaubhaft.

8. “Mach, was wir sagen“ – „Shut up and Dance“ (Staffel 3, Episode 3)

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Ein Teenager (Alex Lawther) wird erpresst, weil die fremdgesteuerte Laptopkamera ihn beim Onanieren aufgezeichnet hat. Per SMS erhalten er und andere Kompromittierte Anweisungen um kriminelle Aufträge zu erledigen, sonst, drohen die Hacker, werde das Videomaterial ins Netz gestellt.

Was als eine Satire auf Menschen mit nachlässigem Sicherheitsverhalten im Internet beginnt, entwickelt sich im Laufe der Handlung zu einer schmerzvoll anzusehenden Geschichte über einen Heranwachsenden, der seinen Fehler längst bereut hat, aber aus der Nummer nicht mehr rauskommt. Die Szenen Lawthers mit seinem Partner in Crime, einem ebenfalls erpressten, betrügerischen Ehemann (toll wie immer: Jerome Flynn alias Ser „Game Of Thrones“ Bronn) sind spot on, der Banküberfall knallhart, und die Aufforderung zum Arena-Kampf ein Schocker.

Es ist der Twist, der aus einer großartigen Folge beinahe eine miese Angelegenheit macht: Teenager Kenny, der am Anfang mit nur wenigen Alltagsszenen zu einem guten, soliden Typen aufgebaut wurde, verspielt sich durch die Aufdeckung des Verbrechens, das er vor dem Computer begangen hat, alle Sympathien. Muss so sein, keine Frage. Aber dass wir uns schlecht fühlen, weil wir mit ihm gefiebert hatten, erscheint unfair – denn wir hatten ja keine Ahnung.

Die Frage, wann jemand für sein Vergehen ausreichend gesühnt hat, kann keiner beantworten: Hauptfigur nicht, Filmemacher nicht, wir nicht.

7. “Erlebnishunger“ – „Playtest“ (Staffel 3, Episode 2)

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Die einzige echte Horror-Episode aus dem „Black Mirror“-Kosmos: mit einer Geistervilla, Jumpscares und massiven Fäusten, die nach Mitternacht an die Haustür klopfen. Ein langhaariger Globetrotter mit unsicherer Elternbindung lässt sich auf ein Experiment ein, das alle Geek-Träume wahr werden lässt: Ihm wird ein Chip eingepflanzt, der die größten Ängste visualisiert (darunter Monsterspinnen und der Schulhofschläger von einst).

Toll geschnitten und ausgeleuchtet, als Genre-Werk überzeugend. Die traurige Wendung besteht darin, dass der Sonnyboy Cooper am Ende lernen wird, das auch die längste Weltreise nicht die Probleme zuhause löst. Mom macht ihm am Ende, ungewollt, einen Strich durch die Rechnung.

Plätze 6-1:

Netflix
David Dettmann/Netflix
Netflix
David Dettmann/Netflix
HAL SHINNIE
Netflix
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