Bob Dylan: Warum er den Literaturnobelpreis verdient hat

All die Jahre hat man auf diesen Tag im Oktober hingefiebert, an dem der Nobelpreis für Literatur verliehen wird, weil man dachte, er könnte dieses Mal aber wirklich an Bob Dylan gehen. Und nun, da man nicht mehr damit gerechnet hat, beim Mittagessen sitzt und sich überlegt, nun doch mal einen Gedichtband von Adonis zu kaufen, wenn er in diesem Jahr endlich und zu Recht geehrt wird, steht um 13 Uhr plötzlich das Telefon nicht mehr still. Bob Dylan wird den Nobelpreis für Literatur bekommen – für seine, wie die Akademie formuliert „neuen poetischen Ausdrucksformen innerhalb der großen amerikanischen Song-Tradition“.

Und in diesem Halbsatz steckt tatsächlich schon viel drin, was Dylan ausmacht. Die Tradition, das Neue und der Ausdruck. Es ist kein Zufall, dass das vor allem in Musikzeitschriften wie dem ROLLING STONE öfter bemühte Adjektiv „dylanesk“ nicht nur eine bestimmte Art des Textens bezeichnet – ein vor allem in seinen Songs Mitte der Sechziger oft surreal anmutender Stream of conciousness –, sondern auch eine Art des Vortrags.

Der britische Tenor Ian Bostridge hat etwa mal durchaus mit Respekt und Bewunderung über Dylans Fähigkeit geschrieben, Melodien zu dehnen und zu biegen, ohne ihnen zu viel Beachtung zu schenken. Die Stimme ist bei Dylan Instrument, aber sie ist noch mehr. Sie ist eine Maske, die er aufsetzte, um schon als 20-Jähriger beim Vortrag traditioneller Blues- und Folksongs wie ein alter Mann zu klingen und sich somit in die amerikanische Songtradition einzuschreiben, bei der er sich auch in seinen eigenen Songs oft bedient hat. Der Nobelpreis geht somit nicht nur an den Songdichter und Sänger Dylan, sondern auch an die mündliche Tradition, in der er steht.

Doch die Einflüsse in seinem Werk sind vielfältig, reichen von der Bibel bis zur Beat-Poetry, von der Antike bis zum Gangsterfilm. Entscheidend ist die Art und Weise, wie Dylan all das in seinen Songs und noch viel mehr in seinem Vortrag zusammenbindet und damit etwas Neues erschafft, in dem das Alte immer durchscheint. Für seine Generation und die nachfolgenden wurde aus dem Jugendphänomen Pop durch seine Texte das sinnstiftende Element schlechthin. So wie Elvis Presley den Körper befreit habe, habe Dylan den Geist befreit, erklärte später der Dylan-Schüler Bruce Springsteen.

Antworten im Unbewussten

„These songs of mine I think of them as mystery plays, the kind Shakespeare saw when he was growing up“, erklärte Dylan selbst gewohnt rätselhaft, als er von der amerikanischen MusiCares Foundation 2015 eine Auszeichnung für sein Lebenswerk erhielt. Natürlich nicht als Dichter, sondern als Musiker.

Letztendlich hat Dylan hinter der Maske seiner Stimme wie ein Schauspieler der italienischen Commedia dell’Arte die großen Themen des Lebens durchgespielt und sie so zur Kunst erhoben, er gab den Rebellen, den Künstler, den Suchenden, den Liebenden, den Gläubigen und den Apokalyptiker, und im Zentrum seiner Kunst stand immer die große Frage nach dem, was den Menschen ausmacht.

Die Antworten fand und findet Bob Dylan vor allem in alten Liedern, die von Mysterien und Mythen, Fantasien und dem dunklen Unbewussten handeln. Diesen Schatz geborgen, mit neuem Leben gefüllt und in die Gegenwart getragen zu haben, ist sein größter Verdienst.


„Suspiria“-Regisseur Luca Guadagnino will Bob Dylans „Blood on the Tracks“ verfilmen

Nachdem Bob Dylan eine weitere Bootleg-Serie angekündigt hat – diesmal zum 1975 erschienenen Longplayer „Blood on the Tracks“ –, soll in Zukunft ein weiteres Projekt um das epische Werk des Künstlers erscheinen. So will Luca Guadagnino das Album in eine Filmadaption verarbeiten. Der „Suspiria“-Regisseur erklärte gegenüber dem „New Yorker“-Magazin, dass ein Produzent von „Call Me By Your Name“ die darstellerischen Rechte an der Platte erstanden und ihn gebeten hätte, diese in einen Film zu verwandeln. Guadagnino soll unter der Bedingung eingewilligt haben, dass Richard LaGravernese das Drehbuch schreibt. Der Regisseur hatte den Autor zuvor nie getroffen. Adaption für „Blood on the…
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