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„Bohemian Rhapsody“: Mercury-Darsteller Rami Malek im Interview – „Freddie war zu einem schwierigen Leben verdammt“

Der junge Mercury wurde während seiner Arbeit als Kofferpacker am Londoner Flughafen Heathrow als „Paki“ beschimpft, wegen seiner ausländischen Herkunft verunglimpft. Ihre Eltern sind Ägypter, die in die USA einwanderten. Haben Sie selbst Rassismus-Erfahrungen erleiden müssen?
Rami Malek: Es war mir ein Anliegen, Rassismus nicht zu verschweigen. Ich wollte sogar unbedingt, dass Herkunft und Akzeptanz-Probleme Thema im Film sind. Ich sprach deshalb mit den Produzenten und Drehbuchautoren von „Bohemian Rhapsody“. Freddie wuchs in zwei Welten auf, dem Zuhause und dem Draußen. Ich kann mich in ihn hineinversetzen. In unseren vier Wänden sprachen meine Eltern Arabisch, Englisch war nur meine zweite Sprache. Es gab Zeiten, in denen ich mich leider selbst als defizitär empfand, weil ich ins Amerikanische erst hineinwachsen musste.

Es gibt unterschiedliche Auffassungen darüber, ob Mercury seine Herkunft, die Eltern kamen aus Sansibar, verschweigen wollte.
Er hatte wohl keine Probleme mit seinem Elternhaus. Aber er kämpfte mit seinen Wurzeln. Er wuchs in Sansibar-Stadt auf, dann wurde er nach Indien buchstäblich verschifft um dort in einem Internat zu leben. Dann ging es zurück nach Sansibar, mitten hinein in eine politische Revolution – und die Eltern flüchten mit dem Teenager Freddie nach England, wo alle über seinen echten Namen staunten: Farrokh Bulsara. Nun war er in einem fremden Zuhause, in dem Mutter und Vater weiterhin ihre Religion praktizieren … it’s a fish out of water feeling.

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Dazu kam die Ablehnung Bisexueller.
Seine sexuelle Identität wurde stigmatisiert. Seine Bühnenpersönlichkeit war auch deshalb so kühn und explosiv, weil er sich im Privaten lange nicht ausleben konnte oder wollte. Diese Verwandlung war für mich die große Story, die es zu erzählen gibt. Dann erst sollten die Hits an sich geschildert werden, wie „We Will Rock You“. Im Großbritannien der 1960er aufzuwachsen, als Bisexueller … Mercury wurde zu einem schwierigen Leben geradezu verdammt. Es war die Musik, mit der er seine Sorgen transzendierte. Dass Freddie sein Leben dann zeitweise in vollen Zügen genießen konnte, war wie ein Wunder.

Rami Malek

Wie haben Sie im Vorfeld von Trollen betriebene Tatsachenbehauptung erlebt, dass „Bohemian Rhapsody“ die Bisexualität Mercurys aussparen würde?
Sie sehen selbst, es gibt darin Liebesszenen mit Männern. Mir war wichtig, dass der Film das Thema sehr elegant in der Handlung verankern würde, dass es gar nicht nötig sein müsste, ein „Geheimnis“ zu „entlocken“. Unsere Darstellungen sind auch alles andere als schlüpfrig. Wir empfanden es als wichtig, Freddies majestätischer Präsenz ein Denkmal zu setzen, und zu dieser Präsenz gehört auch seine Sexualität.

Stünde Mercury vor kleineren Problemen, hätte er seine Karriere nicht in den frühen 1970ern, sondern in der heutigen Zeit begonnen?
Auf jeden Fall hätte er heute genauso im Rampenlicht gestanden wie damals. Freddie war revolutionär. Er wäre es im Mittelalter gewesen, im 17. Jahrhundert, heute oder in der Zukunft. Seinen Spirit hat kein anderer Künstler. Er ist ein magisches Wesen, he sticks out like a sore thumb. Jemand wie er muss auch Vorbild sein für alle, die nach ihm kommen. Der Film spielt in der Vergangenheit, aber Typen wie ihn brauchen wir heute.

Es ging Freddie nie darum, schlauer zu sein als sein Publikum

In den 1980ern zelebrierte er den Clubbing-Look, mit Leder und Schnauzbart. Und er hatte damit auch Erfolg bei strammen Heteros.
Absolut! Im Grunde trug er eine subversive Botschaft in sich: So sehen auch die Leute in den Clubs aus, in die ihr euch nicht traut. Womöglich haben viele heterosexuelle Fans sein Aussehen auch nicht dechiffrieren können. Dabei ging es ihm nie darum, schlauer zu sein als sein Publikum. „We are the Champions“ ist nicht exklusiv gemeint, sondern richtet sich wirklich an alle: Ich bin okay, ihr seid okay.

Mercury vereinte Theatralik und Würde, kreierte Posen wie kein anderer Rocksänger. Hatten Sie die Befürchtung, Ihre Darstellung zu übertreiben?
Es war eine Herausforderung, denn von aufwändigen, extrovertierten Rollen fühle ich mich nicht unbedingt angezogen. Ich mag eher das methodisch-nachdenkliche Spiel. So wie Freddie einen bereits vollen Raum zu betreten und den mit seiner Energie komplett neu einzunehmen – das musste ich erst proben. Mein Kollege Tom Hollander, der in „Bohemian Rhapsody“ den Manager „Miami“ Beach verkörpert, fragte „Bist Du immer so laut?“. Für mich ein Kompliment, ich war also in der Rolle angekommen. Aber natürlich hinterfrage ich Bemerkungen auch danach, ob ich es vielleicht übertrieben habe. Es gibt da diese Szene im Büro des Labelchefs Ray Foster, als ich zu dem Song „Bohemian Rhapsody“ quasi dirigiere – die improvisierte ich am Set.

Wie beurteilten die Produzenten Brian May und Roger Taylor ihre Interpretation. Gaben sie Ihnen Tipps?
Roger gefiel die Einstellung, als die Band den Song „Bohemian Rhapsody“ aufnahm, und Freddie Brian an der Gitarre immer wieder aufforderte, am Instrument zu arbeiten: „Push The Button“, „Push The Button“ – und Brian natürlich entgegnete: „Ich weiß schon selbst, was ich tun muss!“. Roger sagte: „Das war soooo typisch an Freddie!“

Sie hatten zu Beginn Ihrer Karriere auch mit Vorurteilen zu kämpfen: In der Serie „24“ spielten sie einen Terroristen, später, in Märchenfilmen wie „Nachts im Museum“, den Ägypterkönig.
Irgendwann wollte ich keine Rolle mehr annehmen, in der meine Herkunft negativ oder auch nur verklärt zum Ausdruck kommen könnte. Das schränkte für mich zunächst die Angebote ein. Dann kam „Mr. Robot“ …

… die Serie um einen Hacker, für die sie den Emmy als „Bester Hauptdarsteller“ bekommen haben …
… und alles hat sich für mich verändert. Noch fünf Jahre zuvor wäre ich nie als Hauptdarsteller in irgendeiner Serie besetzt worden. Meine Rolle als Hacker hatte keinerlei Bezug zu meiner Herkunft oder meinem Aussehen. Insgesamt bemerke ich Fortschritte in Hollywood, was die Vermeidung von Stereotypen angeht. Aber die haben noch einen langen Weg vor sich. Für mich kann ich nur sagen: Wenn ich schon Freddie Mercury spielen kann, dann ist die schlimme Zeit des Typecasting für mich hoffentlich vorbei. Ehrlich gesagt hätte ich früher vielleicht selbst nicht mal gedacht, dass ich für einen Film in seine Haut hätte schlüpfen können.

Christopher Polk/NBC

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