Bono ist Mega-Deal mit Apple und dem iTunes-Überfall heute peinlich


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Nächsten Dienstag (01. November) ist es soweit. Die bereits vielfach angekündigte, über 600 Seiten starke Biografie „Surrender: 40 Songs, One Story by Bono“ erscheint in Großbritannien. Ein schillerndes Leben in Texten und Zeichnungen.

Wie bei solchen Weltstar-Veröffentlichungen mittlerweile üblich, ist bereits einen Tag später die deutsche Übersetzung draußen (02. November). „Surrender ist ein literarisches Memoir in der Tradition der großen irischen Geschichten-Erzähler. Nach sieben Jahren Arbeit ist eine faszinierende, detailreiche Geschichte über seine Familie, Religion und sein Leben als Künstler, Musiker und Aktivist entstanden“, heißt es auf der Verlags-Website von DroemerKnaur.

Aus den längeren Auszügen, welche die Londoner Tageszeitung „Guardian“ bereits jetzt abdrucken durfte, lassen sich „Vibe“ und Tonalität des umfangreichen Werkes erschließen. Bonos Erinnerungen sind vielfach in Dialogform gehalten. Eine Plauderei mit US-Präsident Obama, der als flapsig als (Präsi-Nummer) „44“ bezeichnet wird, geht etwa so:

44: „Wie viele Amtszeiten kann man als Sänger von U2 maximal absolvieren; haha …?“

Ich: „Sagen wir so; jedes neue Album ist eine Wahl. Zwei beschissene Platten – und du bist raus.“

Schwerpunktmäßig widmet sich Bono den Anfängen der Kumpelband aus Dublin, dem phänomenalen Aufstieg, aber auch den großen Kontroversen, die U2 stets begleitet haben.

Etwa den Marketing-Stunt von Apple aus dem Jahr 2014, als ihr zehntes Album „Songs Of Innocence“ automatisch auf die Geräte von 500 Millionen iTunes-Nutzern heruntergeladen wurde. Für diesen (sicherlich fürstlich entlohnten) Sell-Out, der zu erheblichen Wallungen bei Fans und Kritik führte, übernimmt Bono die volle Verantwortung. Die Leute haben uns zurecht vorgeworfen, dass wir mit diesem Deal zu weit gegangen sind, so der 62-Jährige.

Bono schreibt auch über die langjährige Beziehung von U2 zu den Computerbauern aus dem kalifornischen Cupertino, die ihren Ursprung in einem Treffen der Band mit dem Mitbegründer von Apple, Steve Jobs, im Jahr 2004 hatte. Damals hatte sich der Gründer und CEO geweigert, die Band mit Apple-Aktien dafür zu bezahlen, dass ihre Musik in einer iPod-Werbung verwendet werden darf.

Ein Jahrzehnt später besuchte Bono dessen Nachfolger Tim Cook, der nach dem Tod von Jobs im Jahr 2011 dessen Chef-Posten übernommen hatte. Indirekt geht Bono in der folgenden Dialog-Aufzeichnung auch darauf ein, dass er in Geld-Angelegenheiten eher der clevere Zocker und weniger die Lichtgestalt aus vielerlei Charity-Aktionen ist. Bei seiner Visite entstand die Idee, ein kommendes U2-Album „zu verschenken“.

„’Sie wollen diese Musik kostenlos abgeben?’“, memorisiert Bono die Antwort von Cook. „Aber der Sinn von dem, was wir bei Apple zu tun versuchen, ist nicht, Musik kostenlos zu verschenken. Es geht darum, sicherzustellen, dass die Musiker bezahlt werden.’“

„’Nein‘, sagte ich, ‚ich glaube nicht, dass wir sie umsonst weggeben. Ich denke, ihr bezahlt uns dafür und gebt sie dann kostenlos weiter, als Geschenk an die Leute. Wäre das nicht wunderbar? … Ich denke, wir sollten es an alle verschenken. Ich meine, die Leute können ja selbst entscheiden, ob sie sich das Album anhören wollen.’“

In folgenden Part reflektiert Bono die Situation. „Sehen Sie, was gerade passiert ist? Man könnte es Hybris nennen. Oder Überheblichkeit. Kritiker könnten mir vorwerfen, dass ich den Bogen überspannt habe. Wahrscheinlich war es so!“