30 Jahre „The Ghost Of Tom Joad“: Mit gegeltem Haar und müdem Blick

Es war vielleicht nicht der Springsteen, den wir damals wollten, aber ein verdammt guter war es trotzdem.

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Inspiriert von den beiden großen Johns (Steinbeck und Ford), aber auch von aktuellen Fotobänden und Zeitungsartikeln, hüllt der Arbeitersohn Bruce Springsteen in „The Ghost Of Tom Joad“ diejenigen in wärmende Würde, die sich diese selbst nur schwer bewahren können.

Die Tagelöhner im „Balboa Park“, mexikanische Immigranten („Sinaloa Cowboys“), Grenzpolizisten in Versuchung („The Line“), auch das kleine Gaunerpaar auf der Flucht („Highway 25“)

Natürlich musste die ganz auf den Erzähler Springsteen ausgerichtete Akustik-Szenerie von der Platte an „Nebraska“ erinnern – und 1995 womöglich auch jene enttäuschen, die nach „Greatest Hits“-Zugaben wie „Blood Brothers“ und „Secret Garden“ schon weitere E-Street-Großtaten erhofft hatten.

Viel Springsteen, wenig E-Street-Band

Doch nur der treue Husar Danny Federici und Bassist Gary Tallent dürfen mal mittun, während es Soozie Tyrells Geige und Marty Rifkins Pedal-Steel sind, die Songs wie dem düsteren Industrie-Abgesang „Youngstown“ und „Across The Border“ ihren wunderbar matten Glanz geben.

Doch meist ist sich Springsteen, in dieser Zeit mit gegelten Haaren und müdem Blick unterwegs, auf „The Ghost Of Tom Joad“ an Gitarre, Keyboard, Mundharmonika selbst genug.