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Bryan Adams: „Rapsongs scheinen den Humor gepachtet zu haben“


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Superhits wie „Summer Of ’69“ oder „(Everything I Do) I Do It For You“ schreibt Bryan Adams heute vielleicht nicht mehr, aber es ist noch genügend Energie und Spaß übrig. Auch jetzt, nachdem er gerade zwei Corona-Infektionen überstanden hat.

Die wichtigste Frage zuerst: Wie geht es Ihnen?

Es war ziemlich fies, aber jetzt geht es mir absolut gut, danke. Das Schlimmste war eigentlich, dass ich zwei Wochen isoliert in einem Hotel sitzen musste.

Ihr neues Album „So Happy It Hurts“ klingt wie ein Gegenmittel zu diesen eher freudlosen Zeiten. Ist das Absicht?

Bewusst mache ich das nicht, es ist während des Lockdowns einfach so passiert. Angefangen habe ich mit dem Album, indem ich die Ideen zusammengesammelt habe, die ich auf Quittungen und Bierdeckeln in Jackentaschen gesteckt hatte. Das Aufnehmen war schließlich etwas schwierig – ohne meine Band. Keith Scott hat seine Gitarrensoli übers Internet dazugespielt, während ich mit meinem Tontechniker die 30 Tracks gebaut habe, aus denen wir dann ein Dutzend ausgewählt haben. Das hat sogar irgendwie Spaß gemacht.

Wie gut können Sie Ihre eigenen Songs beurteilen? Wer hilft Ihnen dabei?

Meistens liege ich schon relativ richtig. Mutt Lang ist natürlich seit vielen Jahren ein guter Berater, genau wie Jim Vallance, der ja schon seit den 70er-Jahren mit mir zusammenarbeitet. Wie die das schon so lange mit mir aushalten, weiß ich wirklich nicht! Ich habe einige wunderbare Menschen in meinem Leben – darunter auch Gretchen Peters, die fast so viele Schimpfwörter kennt wie ich und deren Poesie mir immer wieder Tränen in die Augen treibt.

Lastet der Druck früherer Hits auf Ihnen?

Ach, ich mache einfach, was ich mache, umgebe mich mit angenehmen Leuten und lache über alles. Das ist die beste Medizin, wenn alles ein bisschen fad wird. Dann ficht einen auch das Alter nicht mehr an. Wer über sich selbst lachen kann, wird niemals aufhören, sich zu amüsieren.

Sind Liebeslieder das Schwierigste?

Manchmal ja, weil schon alles gesagt ist. Aber es kommt ja nicht immer darauf an, was man sagt, sondern wie man es sagt. Im Grunde läuft es immer auf dasselbe hinaus: Es ist leicht, Songs zu schreiben. Es ist nur verdammt schwer, gute Songs zu schreiben.

Einer der neuen Songs heißt „I Ain’t Worth Shit Without You“. Gab es da keine Einwände wegen möglicher Probleme mit konservativen Radiosendern?

Da muss ich jetzt schon wieder lachen! Vor allem weil ich tatsächlich sogar darüber nachgedacht habe, den Song ins Deutsche übersetzen zu lassen. „Ich bin nur’n Scheiß wert ohne dich“ war eine Möglichkeit, „Ich bin im Arsch ohne dich“ eine andere. Ich weiß nicht, welche Übersetzung besser ist, diese Idee ist also noch nicht ausgereift. Lustig ist auch der Song „Kick Ass“, nicht nur weil John Cleese als Erzähler dabei ist. Scheint kein sehr populäres Format mehr zu sein, der Feel-goodkick-ass-Rocksong.

Vermissen Sie ihn?

Rapsongs scheinen heutzutage den Humor gepachtet zu haben. Manche von denen sind sehr gewagt, wie „WAP (Wet-Ass Pussy)“ von Cardi B, der hat mich umgehauen. Einige brillante Zeilen und sehr witzig. But don’t worry, I won’t be writing a song about willies!

Sehen Sie einen Rockstar-Singer- Songwriter, der in Ihre Fußstapfen treten könnte? Ed Sheeran vielleicht?

Keine Ahnung, aber Eds Online-Gefolgschaft würde ich sofort nehmen! Ich mag diese Band The War On Drugs, einige von deren Songs hätte ich auch sehr gern gesungen.

Hatten Sie jemals Schreibblockaden oder keine Lust mehr?

Niemals. Im Gegenteil, wenn Frust aufkam, habe ich meine Kreativität einfach auf etwas anderes umgelenkt – wie das Fotografieren zum Beispiel. Und dann bin ich zur Musik zurückgekehrt, wenn die Inspiration wieder da war und ich etwas hatte, worüber ich schreiben konnte. Meistens ist das erst mal ein Songtitel oder eine Zeile, die mir einfällt. Oder es kommt eine Pandemie und man sitzt sowieso den ganzen Tag herum und hat nichts Besseres zu tun, als zu überlegen, was man demnächst macht.

In „These Are The Moments That Make Up My Life“ denken Sie über Ihr bisheriges Leben nach. Wie persönlich ist das?

Mit am besten am Songschreiben ist ja, dass man seine eigene Wahrheit aufschreiben kann – und natürlich gibt man da zwangsläufig viel von sich preis. Dieser Song ist ja ein ziemlicher Stream of Consciousness, und es ist doch nun mal so: Die kleinen Dinge im Leben sind das Geheimnis des Glücks, nicht die großen.

Welche Träume sind noch offen?

Tag für Tag: So beobachtet man seine Träume am besten.

Sind Sie im Großen und Ganzen zufrieden mit Ihrem bisherigen Werk?

I’m so happy it hurts!