Politische Spannungen: China sagt Auftritte japanischer Künstler ab
Hintergrund sind wachsende Spannungen um Taiwan und deutliche Kritik aus Tokio.
China sagt aufgrund diplomatischer Spannungen Konzerte japanischer Künstler, Auftritte japanischer Comedians und Premieren japanischer Filme ab.
Der Jazzbassist Yoshio Suzuki wurde am 20. November in Peking noch während seines Soundchecks von Zivilpolizisten unterbrochen. „Nach weniger als einer Minute kam der Besitzer des Veranstaltungsortes zu mir und sagte, die Polizei habe ihm mitgeteilt, dass alle Konzerte mit Japanern abgesagt seien – und dass es keine gebe“, sagte der seit 13 Jahren in der Volksrepublik lebende deutsche Konzertveranstalter Christian Petersen-Clausen gegenüber Reuters. Der 80-jährige Bassist und sein Quintett hatten ein monatelanges Prüfverfahren durchlaufen, um ihre Visa für die Auftritte zu erhalten. „Sie waren total begeistert, nach China zu kommen“, sagte Petersen-Clausen. Nun sei die Band „am Boden zerstört.“
Japans Ministerpräsidentin auf Konfrontationskurs
Der Hintergrund: Anfang November hatte die neue japanische Ministerpräsidentin Sanae Takaichi vor dem Parlament in Tokio erklärt, eine militärische Eskalation des Konflikts um Taiwan durch China, etwa durch den Einsatz von Kriegsschiffen, könne auch Japan in seiner Existenz bedrohen. Für den Fall eines solchen „Worst-Case-Szenarios“ schloss die Regierungschefin den Einsatz japanischer Soldaten nicht aus und verwies auf das Recht des Landes zur „kollektiven Selbstverteidigung“, das seit 2015 gesetzlich festgeschrieben ist.
China zeigt sich verärgert – und japanische Künstler bekommen es zu spüren
Wie „Deutsche Welle“ berichtete, sorgten diese Äußerungen für größte Empörung in China. Der Inhalt der Aussagen der japanischen Ministerpräsidentin Sanae Takaichi zu Taiwan sei „äußerst bösartig“ und habe das chinesische Volk verärgert, sagte Chinas Außenamtssprecherin Mao Ning in Peking. Die Äußerungen würden „die politische Grundlage der chinesisch-japanischen Beziehungen grundlegend beschädigen“. Chinas Regierung fordere, dass Japan die Äußerungen zurücknehme, so die Sprecherin.
Einfuhrverbote und kulturelle Boykotts
Die Reaktion Pekings begann mit wirtschaftlichen Maßnahmen wie einem Boykott von Reisen nach Japan und einem Einfuhrverbot für japanische Meeresfrüchte. Nun weitet die Regierung die Boykotts laut „Spiegel“ auf kulturelle Veranstaltungen aus: In der Woche vom 20. November wurden etwa ein Dutzend Konzerte in größeren chinesischen Städten gestrichen. Wie „Spiegel“ berichtete, wurden Musiklokale am 20. und 21. November zudem von den Behörden gewarnt, dass auch die restlichen für 2025 geplanten Konzerte mit japanischen Musikern abgesagt werden könnten.
Am Abend des 19. November fiel auch ein geplantes Konzert der Sängerin Kokia in Peking den Absagen zum Opfer, wie aus zahlreichen Beschwerden von Fans in sozialen Medien hervorging. Videos zeigten eine verärgerte Menge vor dem Veranstaltungsort. „Gebt uns unser Geld zurück!“, forderten Fans nach „Spiegel“-Angaben.
Absagen von Filmpremieren
Auch Auftritte japanischer Comedians und Premieren japanischer Filmproduktionen wurden abgesagt, wie die „South China Morning Post“ berichtet.
Reisewarnungen und Aufrufe zur Vorsicht
Die diplomatischen Spannungen zwischen China und Taiwan scheinen auf Regierungsebene indessen anzuhalten. Wie „Deutsche Welle“ berichtete, hatte China vor wenigen Tagen vor Reisen nach Japan gewarnt. Japan reagierte und rief seine Staatsbürger dazu auf, sich in China vorsichtig zu verhalten. Auf der Website der japanischen Botschaft in Peking heißt es: „Achten Sie auf Ihre Umgebung und meiden Sie so gut wie möglich Plätze, auf denen sich große Menschenmengen versammeln.“
Die diplomatische Vertretung rief japanische Staatsangehörige laut „Deutsche Welle“ zudem auf, „die lokalen Gepflogenheiten zu respektieren“ und im Umgang mit Einheimischen auf ihre Worte und ihr Verhalten zu achten. „Wenn Sie eine Person oder Gruppe sehen, die Ihnen verdächtig erscheint, halten Sie sich fern und verlassen Sie den Ort unverzüglich“, heißt es weiter.