Die 60 besten Soundtracks aller Zeiten
Die beste Filmmusik aus den letzten 70 Jahren - mit „Spiel mir das Lied zum Tod“, „Tanz der Vampire“, „Blade Runner“, „The Virgin Suicides“, „Herr der Ringe“ und „Under The Skin“.
Dune – Der Wüstenplanet (1984)

Toto
Auf dem Höhepunkt ihrer Popularität, nach Singles wie „Africa“ und „Rosanna“, probierten sich die Schlagerrocker für David Lynchs Verfilmung von Frank Herberts Fantasy-Saga an Klassik. Ihre Wüstenoper reflektierte die Wucht von Maurice Jarres „Lawrence von Arabien“, und Brian Eno steuerte mit seinem „Prophecy Theme“ einen Ambient-Track bei, flirrend wie die Hitze über Arrakis.
Zurück in die Zukunft (1985)

Alan Silvestri
Die Nominierung bekam er für Schmalz („Forrest Gump“), die Kohle für Comic-Quatsch („The Avengers“). Seine rebellische Musik aber entstand in den Achtzigern. Robert Zemeckis Sci-Fi-Komödie hatte nicht nur Huey Lewis’ Songs, sondern auch, entschuldigen Sie das Wortspiel, ein Silvestri-Feuerwerk des aufbrausenden, panisch agierenden Stop-and-Go-Orchesters. Klassisches Screwball-Material.
Legende (1985)

Jerry Goldsmith
Die Amerikaner mussten im Kino den Planetariums-Ambient von Tangerine Dream ertragen, die Europäer kamen in den Genuss von Goldsmiths Orchester-Fantasie, in der er Elfen und Einhörner mit seinen bezauberndsten Melodien ausstattete. Es ist Kitsch, aber schönster Kitsch. Der Einsatz von Synthis erfolgte spärlich – und eben nie, um ein Orchester zu ersetzen, sondern um es zu ergänzen.
Rain Man (1988)

Hans Zimmer
Heute fährt Hans „Loudness“ Zimmer Orchester auf, bei seinem ersten großen Hollywood-Auftrag aber sagte er: „Die Musik darf nicht imposanter sein als die Charaktere.“ Für die Tragikomödie über einen Autisten komponierte er eine kleine Keyboardmelodie, gepaart mit Steel Drums, Bongos und Panflöte. So zurückhaltend würde der gebürtige Hesse nie mehr sein – so prägnant auch nicht.
Batman (1989)

Prince
Es ist die bis heute letzte Soundtrack-Auftragsarbeit, die ein Megastar annehmen würde, ohne selbst im Film mitzuspielen. In der Comicfigur des Gemini, für die Musikvideos kreiert, vereinte Prince seine zwei Seiten, die Ekstase des Jokers („Partyman“) und den Pessimismus des Batman („The Future“). „Batdance“ ist ein Sample-Kunstwerk aus Heavy Metal, Funk und Filmzitaten.
Twin Peaks – Der Film (1992)

Angelo Badalamenti
Für die TV-Serie zelebrierte David Lynchs Komponist Seifenoper-Dramatik voller Klischees. Der weit düstere Kinofilm bot dann jene Klänge, zu denen Meuchelei und Vergewaltigungen sich entfalten. Der hypnotisch-diabolische Blues des „Pink Room“ überwältigt bis heute. Einzig das Filmende, bei dem Laura Palmer zur „Voice Of Love“ in den Himmel fährt, bietet bittersüßen Trost.
Judgement Night (1993)

Various Artists
Rap-Rock war Mitte der 90er-Jahre das neue Ding und „Judgement Night“ leistete Vorarbeit – ein Score, der bekannter ist als der Film. Er bot aufwühlende Paarungen (Teenage Fanclub/De La Soul, Slayer/Ice-T, Sonic Youth/Cypress Hill, Helmet/House Of Pain, Faith No More/Boo-Ya T.R.I.B.E.), die besser gealtert sind als Nachzüglerbands à la Limp Bizkit, die zwanghaft beide Genres in sich vereinen wollen.
Die Truman Show (1998)

Burkhard von Dallwitz/Philip Glass
In Peter Weirs Mediensatire über einen Versicherungsangestellten (Jim Carrey), der nicht weiß, dass sein ganzes Leben für eine Fernsehshow inszeniert wird, verantwortete Dallwitz jene positiven Motive, in denen Truman den Ausbruch aus der künstlichen Welt wagt; Minimal-Music-Pionier Glass illustriert am Piano todtraurige Momente, in denen der Held alleine ist.
The Virgin Suicides (1999)

Air
Das Pop-Duo lässt die Fusion-Ära der Siebziger aufleben, Pink Floyd und Goblin im Sinn. Orgeln und Sirenengesang, tiefrot und samtig, passgenau für Sofia Coppolas Verfilmung von Jeffrey Eugenides’ Roman über Schwestern, die nach und nach Selbstmord begehen. Eine Fingerübung für AIR, die Hommage an ein Musikzeitalter, das vergessen schien – und möglicherweise ihre beste Platte.
Der Herr der Ringe – die Gefährten (2001)

Howard Shore
Für Klassik-Soundtracks waren die Nullerjahre ein Katastrophenjahrzehnt, aber am Beispiel der Tolkien-Trilogie Peter Jacksons zeigte sich, wie sehr ein Komponist davon profitiert, wenn er Monate, nicht Wochen an Zeit für seine Arbeit erhält. Ob Gandalf oder Sauron, Aragorn oder Sam: Fast jede Figur erhält ihr eigenes Motiv. Der Score ist bei den Schlachten bombastisch, bei den Einzelschicksalen intim.
Million Dollar Baby (2004)

Clint Eastwood
„They’re Amateurs“ und „Lethal Dose“ heißen zwei Stücke, die Eastwood für sein Drama komponierte: Als Trainer begleitet er eine Boxerin vom Aufstieg bis zu ihrem Tod, bei dem er Sterbehilfe leistet. Mit Streichquartett, Klavier und Akustikgitarre schuf Eastwood Jazz-Miniaturen, die einem selbst dann Tränen in die Augen treiben, wenn man den Film nicht kennt.
Birth (2004)

Alexandre Desplat
Wie auch der „Godfather Waltz“ aus Nino Rotas „Pate“-Soundtrack illustriert der melancholisch-schwankende „Birth“-Walzer das fragile Befinden seiner Figuren. In Jonathan Glazers Drama erhält eine Witwe Besuch von einem Jungen, der sich als Wiedergeburt ihres Mannes ausgibt. „Birth“ war der erste große Auftrag für Desplat, danach verlegte sich der Franzose auf affektierte Streicher und Wes-Anderson-Klamauk.
Drive (2011)

Cliff Martinez
Martinez ist in der „Rock and Roll Hall of Fame“ vertreten – er trommelte einst bei den Red Hot Chili Peppers. Für Nicolas Winding Refns Thriller komponierte der inzwischen 63-Jährige einen elektronischen Score, in dem sich Venice-Beach-Glitzer mit Hochgeschwindigkeits-Beats abwechseln. Der Vintage-Sound klingt so, als wäre er 1987 aufgenommen worden.
Under The Skin (2013)

Mica Levi
In Jonathan Glazers Sci-Fi-Film landet ein Alien (Scarlett Johansson) auf der Erde und tötet – mitleidlos, aber neugierig – Männer, Frauen, Menschen mit Behinderung. Die Britin Levi übersetzte das in Töne, die komplett entmenschlicht klingen, aber mit Basis-Equipment aufgenommen wurden. Wie Insekten flirrende Streicher, nervös machende Trommelschläge, zusammengestoßene Mikrofone.