Die Katholiken in Trumps engstem Umfeld sehen keinen Ausweg

Trumps Attacken auf Papst Leo XIV. stellen J.D. Vance und andere vor eine unmögliche Wahl.

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Wenn Vizepräsident J.D. Vance im Juni sein Buch „Communion“ veröffentlicht – 304 Seiten darüber, wie sein neu entdeckter katholischer Glaube sein Leben verändert hat –, wird er das als zweithöchster Amtsträger einer Regierung tun, die sich im offenen Konflikt mit dem ersten amerikanischen Papst befindet.

Am Sonntag, nur wenige Wochen nachdem Vance sein neues Buch angekündigt hatte, tat Trump etwas, das in der Geschichte der amerikanischen Präsidentschaft ohne Beispiel ist: In einem langen Truth-Social-Post schoss der Präsident gegen Papst Leo XIV. und bezeichnete ihn als „schrecklich“, „schwach“ und schlecht für die Kirche. „Ich will keinen Papst, der den Präsidenten der Vereinigten Staaten kritisiert“, schrieb er und fügte hinzu: „Wenn ich nicht im Weißen Haus wäre, wäre Leo nicht im Vatikan.“ Zwei Stunden später postete Trump ein KI-generiertes Bild, das ihn offenbar als Jesus Christus darstellt – eine Deutung, die das Weiße Haus seitdem zurückgewiesen hat.

An Bord des Papstflugzeugs nach Algier antwortete Leo am Montag laut dem National Catholic Register: „Ich habe keine Angst vor der Trump-Regierung oder davor, die Botschaft des Evangeliums laut zu verkünden. Das ist es, wozu ich berufen bin, wozu die Kirche berufen ist.“

Trumps Angriff spaltet die Basis

Der Gegenwind aus Trumps eigener Anhängerschaft auf die Posts des Präsidenten war heftig und unmittelbar. Doch Trumps Breitseite hatte weitreichendere Folgen als bloße Online-Empörung. Sie legte einen strukturellen Widerspruch im Herzen des amerikanisch-konservativen Katholizismus offen: die alte, nie aufgelöste Spannung zwischen der Hingabe an Gott und der Hingabe an die Macht – und die Unmöglichkeit, am Ende beiden zu dienen.

Damit hat Trump eine theologische Falle gestellt, der kein politisches Manöver entkommt – und in der nun die mächtigsten Katholiken seiner eigenen Regierung sitzen. Um ihr volles Gewicht zu ermessen, genügt ein Blick auf Trumps inneren Zirkel, dessen Mitglieder sich vor einem unmöglichen Dilemma zwischen theologischer Überzeugung und politischer Loyalität sehen.

Beim nationalen katholischen Gebetsfrühstück im vergangenen Jahr führte J.D. Vance die Teilnehmer im Gebet für den erkrankten Papst Franziskus und bezeichnete sich selbst als „Baby-Katholiken“. Doch seit seiner Taufe in einem Dominikanerpriorat in Cincinnati im Jahr 2019 – dem Abschluss jahrelanger Auseinandersetzung mit Augustinus, Girard und der Moralphilosophie der Kirche – ist Vance zu einer der öffentlich präsentesten katholischen Figuren im amerikanischen politischen Leben geworden.

Vance und der Papst

Es gibt eine Version von Vance – jene, die in den Seiten von „The Lamp“, einem katholischen Literaturmagazin, in einem Essay aus dem Jahr 2020 mit dem Titel „How I Joined the Resistance“ existiert –, die von dem, was sich in dieser Woche ereignet hat, entsetzt gewesen wäre. Dieser Vance schrieb über ein nächtliches Gespräch an einer Hotelbar mit einem konservativen katholischen Intellektuellen, der den Papst kritisiert hatte: „Meine zunehmende Überzeugung ist, dass zu viele amerikanische Katholiken es versäumt haben, dem Papsttum den gebührenden Respekt zu erweisen und den Papst als politische Figur zu behandeln, die sie nach Belieben kritisieren oder loben.“

Sechs Jahre später ist Vance genau einer dieser Katholiken – er hat den „gebührenden Respekt vor dem Papsttum“ längst gegen eine Unverfrorenheit eingetauscht, zu der nur die Trump-Regierung fähig zu sein scheint.

Im vergangenen Jahr warf Vance in einem Interview mit CBS News‘ „Face the Nation“ der US-Bischofskonferenz vor, ihr „Geschäftsmodell“ über humanitäre Gesichtspunkte zu stellen, nachdem die USCCB eine Erklärung veröffentlicht hatte, die die verschärfte Einwanderungspolitik der Trump-Regierung verurteilte. Kardinal Timothy Dolan von New York nannte den Vorwurf „verleumderisch“ und „unwahr“, und Vance hat sich inzwischen entschuldigt.

Vance geht noch weiter

Seit Trumps Posts am Sonntagabend ist Vance noch einen Schritt weitergegangen: Bei Fox News erklärte er, „es wäre am besten, wenn der Vatikan sich auf Fragen der Moral beschränken würde“, und der Präsident der Vereinigten Staaten solle die amerikanische Innenpolitik „bestimmen“. Bei einer Turning-Point-USA-Veranstaltung in Georgia am Dienstag sagte er, der Papst solle „vorsichtig sein, wenn er über theologische Fragen spricht“.

Eine Haltung, die ihn nun gemeinsam mit anderen hochrangigen katholischen Amtsträgern der Regierung im Gleichschritt mit Trump in die schwerste US-Vatikan-Krise der modernen Geschichte führt.

Das Schrifttum von Außenminister Marco Rubio ist doktrinär ausgefeilter als das von Vance. In seinen Memoiren „An American Son“ von 2012 schrieb er über seine Rückkehr zum katholischen Glauben als Erwachsener: „Ich sehnte mich buchstäblich nach dem Allerheiligsten Sakrament, der Heiligen Kommunion – dem sakramentalen Berührungspunkt zwischen dem Katholiken und der Liturgie des Himmels.“ Bei einer Pressekonferenz im Außenministerium im vergangenen Mai lieferte er das wohl theologisch expliziteste Bekenntnis zur päpstlichen Autorität, das je ein amtierender amerikanischer Amtsträger abgegeben hat.

Rubios theologischer Spagat

„Ich glaube, dass der Papst der Nachfolger Petri ist, eingesetzt durch die apostolische Sukzession und das Wirken des Heiligen Geistes durch die Kardinäle. Er ist der Fels, und auf diesem Fels hat er die Kirche gebaut.“

Drei Tage bevor Trumps Online-Kommentare für Empörung sorgten, hielt Rubio vor katholischen Gelehrten eine Rede, in der er argumentierte, Amerika verkörpere „die Erneuerung eines tieferen zivilisatorischen Erbes, das in der christlichen Moralordnung verwurzelt ist“, und erklärte, wer auf die Geschichte Amerikas blicke, sehe „das Antlitz Gottes“.

Doch Rubio pflegt seit Langem eine sorgfältige Trennung der Sphären und greift mitunter auf das ideologische Hintertürchen zurück, der Papst sei „unfehlbar in Glaubens- und Sittenfragen, nicht in Politik, Wissenschaft oder Wirtschaft“. Das Dilemma für Rubio: Er formuliert die Lehre der apostolischen Sukzession mit Präzision und Überzeugung, versucht aber gleichzeitig, die moralische Autorität des Papstes von seinen eigenen politischen Entscheidungen abzuschotten.

Trotz der Behauptungen des Weißen Hauses, der Papst betrete politisches Terrain, haben sich Leos Äußerungen präzise innerhalb der Grenzen von Krieg, Menschenwürde und der Ethik der Gewalt bewegt – also innerhalb dessen, was die katholische Kirche stets als Glaubens- und Sittenfragen definiert hat. Rubios sorgfältiger Balanceakt funktioniert nicht gegenüber einem Papst, der sich nicht auseinanderdividieren lässt.

Homan und die Kirche

Rubio hat sich zu Trumps Angriffen auf Papst Leo bislang nicht geäußert. Andere in Trumps Umfeld haben weniger Zurückhaltung gezeigt.

Grenzbeauftragter Tom Homan, wohl der grobschlächtigste und offen konfrontativste Amtsträger der Regierung gegenüber der päpstlichen Autorität, ist ein geborener Katholik, der laut dem Magazin „Commonweal“ eine Pfarrei des Augustinerordens besuchte – desselben Ordens, der den späteren Papst Leo XIV. zur gleichen Zeit an der Villanova University ausbildete. Homan und Leo wurden gewissermaßen von demselben Orden, in derselben Epoche, in derselben geistlichen Tradition geprägt. Dennoch hat Homan es sich zur Gewohnheit gemacht, seinen eigenen Katholizismus als Legitimation zu beanspruchen, um die päpstliche Autorität in Frage zu stellen.

Als der verstorbene Papst Franziskus Massenabschiebungen im Januar letzten Jahres als „eine Schande“ bezeichnete, antwortete Homan laut „The Hill“ vom Pressebriefingroom des Weißen Hauses aus:

„Ich habe harte Worte für den Papst. Das sage ich als lebenslanger Katholik. Ich wurde als Katholik getauft, habe als Katholik die erste Kommunion empfangen, wurde als Katholik gefirmt. Er sollte die katholische Kirche in Ordnung bringen und sich auf seine Arbeit konzentrieren und die Grenzkontrolle uns überlassen.“

Im Februar bot Homan an, den Papst persönlich in die Feinheiten der Einwanderungspolitik einzuweihen: „Ich würde mich gerne hinsetzen und es ihm erklären. Der katholische Glaube unterstützt immer die Strafverfolgung. Immer. Und er sollte das auch tun“, und fügte hinzu: „Sie sollten lieber die katholische Kirche reparieren, denn die hat ihre eigenen Probleme.“

Schweigen im inneren Zirkel

In dieser Woche sagte Homan gegenüber Reportern zu Leo und der Kirche: „Ich wünschte, sie würden sich aus der Einwanderungspolitik heraushalten. Sie wissen nicht, wovon sie reden.“

Andere Katholiken in Trumps Umfeld – darunter Elbridge Colby, Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Pressesprecherin des Weißen Hauses Karoline Leavitt, Verkehrsminister Sean Duffy und Brian Burch, der US-Botschafter beim Heiligen Stuhl und langjährige Präsident von CatholicVote – haben sich allesamt zum Zerwürfnis Trumps mit dem Papst nicht geäußert.

Es wäre ein Fehler, das, was sich in den vergangenen 18 Monaten zwischen dem Vatikan und dem Weißen Haus abgespielt hat, als eine Reihe von Ausrutschern oder Fauxpas zu lesen. Im Windschatten Trumps mussten die Katholiken in seiner Regierung wählen zwischen ihrem Papst und einem Präsidenten, dessen Agenda ein Affront gegen die „Botschaft des Evangeliums“ ist, zu deren Verkündigung Papst Leo sagt, er und die Kirche seien berufen.

Jahrzehntelang diente die Berufung auf päpstliche und magisteriale Autorität konservativen Katholiken als verlässliches Instrument politischer Disziplinierung – als Mechanismus, um klare Trennlinien zwischen authentischen Katholiken und sogenannten „Cafeteria-Katholiken“ zu ziehen. Jetzt ist er auf sie selbst gerichtet, und die Frage, die Trump in aller Öffentlichkeit aufgeworfen hat, ist eine, die der amerikanisch-konservative Katholizismus nie sauber beantworten musste: Was passiert, wenn der eigene theologische Rahmen zum Instrument wird, mit dem die eigene politische Identität demontiert wird?

Das Schweigen von Trumps katholischem inneren Zirkel war so umfassend, dass es dem Parlamentspräsidenten Mike Johnson – einem Baptisten – überlassen blieb, die expliziteste Verteidigung der Regierung zu liefern.

Johnson und die Gerechte-Krieg-Theorie

Auf einer Pressekonferenz am Donnerstag legte Johnson nahe, Papst Leo verstehe „etwas namens Gerechte-Krieg-Doktrin“ nicht vollständig – womit er den uralten theologischen Rahmen zur Ethik der Kriegsführung in der christlichen Theologie meinte. Leo ist jedoch ein Augustinermönch, der zwölf Jahre lang als Generalprior des Augustinerordens amtierte – als weltweites Oberhaupt des eigenen Ordens des heiligen Augustinus. Die Gerechte-Krieg-Theorie wurde von eben diesem Augustinus entwickelt.

„Ein Papst oder ein religiöser Führer kann sagen, was er will“, erklärte Johnson am Donnerstag bei einem Pressebriefing, „aber wenn man sich in politische Gewässer begibt, sollte man offensichtlich mit einer politischen Reaktion rechnen. Und ich denke, der Papst hat davon etwas abbekommen.“

Papst Leo befand sich derweil in einer Kathedrale in Bamenda, Kamerun, und sprach zu einer vom Krieg zerrissenen Gemeinde. Auch er machte noch einmal deutlich, dass er Trumps Kritik nicht fürchtet, und schrieb am Donnerstagmorgen auf X: „Wehe denen, die Religion und den Namen Gottes selbst für ihre eigenen militärischen, wirtschaftlichen und politischen Zwecke missbrauchen und das Heilige in Dunkelheit und Schmutz ziehen.“

Alex Ashley schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil