Wie Trumps Familie von seiner Präsidentschaft profitiert

Der US-Präsident hat seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus ein Vermögen angehäuft – und seine Söhne sowie andere Familienmitglieder stehen ihm dabei kaum nach.

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„FOUNDATION FUTURE INDUSTRIES ERHÄLT 24-MILLIONEN-DOLLAR-PENTAGON-VERTRAG“ – so prangte es Donnerstagmorgen als Laufschrift auf Fox Business Network. Moderatorin Maria Bartiromo leitete ihr Segment ein und erklärte, das Verteidigungstechnologie-Startup entwickle „autonome humanoide Roboter“, die Soldaten helfen sollen, „feindliche Stellungen sicherer zu überwinden.“

Bartiromos Gast? Eric Trump, Chief Strategy Adviser bei Foundation Future Industries – und nebenbei Sohn jenes Mannes, der die Regierung führt, die den achtstelligen Vertrag vergeben hat. Die Moderatorin gratulierte Trump und Foundation-Future-Gründer Sankaet Pathat – ebenfalls zu Gast – zu diesem lukrativen Abschluss. Kein Wort über den offensichtlichen Interessenkonflikt, den es bedeutet, wenn die Regierung des Präsidenten Millionen an Steuergeldern über Bundesaufträge in die eigene Familie lenkt. Dabei ist die Summe, die Foundation Future erhält, kaum mehr als ein Tropfen im Meer des Reichtums, den die Trump-Familie in den vergangenen 18 Monaten angehäuft hat, indem sie die Position ihres Patriarchen schamlos ausnutzt. Dass sie sich dabei verstecken müsste, scheint ihr nicht in den Sinn zu kommen.

Trump – im Verlauf der Sendung auch als Executive Vice President der Trump Organization vorgestellt – sagte Bartiromo, er sehe „grenzenlose Einsatzmöglichkeiten“ für die Roboter, und erwähnte einige der anderen Geschäftsfelder seiner Familie: Hotellerie, Golf und Krypto, um nur ein paar zu nennen.

Die Familie kassiert mit

Berichten zufolge hat der Präsident sein Nettovermögen seit der Rückkehr ins Weiße Haus um Milliarden gesteigert – doch nahezu jedes Mitglied seiner engsten Familie, ja sogar der weiteren Verwandtschaft, schaufelt Geld in die eigene Tasche. Dabei scheinen sie sich um mögliche ethische oder rechtliche Grenzen, die sie dabei niedertrampeln, herzlich wenig zu scheren. Ein kurzer Überblick:

Donald Trump Jr.

Der älteste Sohn des US-Präsidenten leitet gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Eric die Trump Organization, während sein Vater Regierungsgeschäfte mit Ländern abwickelt, in denen das Unternehmen tätig ist oder tätig werden will. Jimmy Carter hat seine Erdnussfarm bekanntlich in einen unabhängigen Trust überführt – Trump hingegen behält die Trump Organization in seinem Besitz, während seine Söhne das Ruder übernehmen.

Trump Jr. spielt eine tragende Rolle im Imperium seines Vaters: Er sitzt im Vorstand der Trump Media & Technology Group Corp. (TMTG), der Muttergesellschaft von Truth Social, und ist Gründungspartner von World Liberty Financial (WLF), einem Finanz- und Kryptounternehmen, das mehrheitlich der Trump-Familie gehört. Zu seinen Mitgründern zählen Bruder Eric sowie Alex und Zach Witkoff, die Söhne von Immobilienentwickler Steve Witkoff, den Trump zu seinem Sondergesandten für den Nahen Osten und de-facto-Konfliktbeauftragten ernannt hat.

Der Fonds hat sich rasch als Vehikel für zwielichtige Auslandsgeschäfte etabliert: Ein Deal mit dem emiratischen Scheich Tahnoon bin Zayed Al Nahyan wurde abgeschlossen, der auf ein Abkommen mit den USA über fortschrittliche KI-Chips hinarbeitet und Trumps Unterstützung anstrebt, um die Vereinigten Arabischen Emirate vor Sanktionen des Internationalen Gerichtshofs zu schützen. Tahnoon wurde im Weißen Haus hofiert, und sein Deal mit den Trump-Söhnen umfasste eine Investition von 500 Millionen Dollar sowie eine Partnerschaft im Wert von 2 Milliarden Dollar zwischen WLF und der internationalen Kryptobörse Binance – die in den USA verboten ist, nachdem ihr Verstöße gegen Geldwäschegesetze vorgeworfen wurden. Auch TRON-Blockchain-Schöpfer Justin Sun (dem gegenüber die SEC-Ermittlungen bezeichnenderweise eingestellt wurden) und Binance-Gründer Changpeng Zhao (der bezeichnenderweise eine Begnadigung durch den Präsidenten erhielt) stiegen bei WLF ein.

Krypto und noch mehr Krypto

WLF ist nicht das einzige Kryptoprojekt der Trump-Kinder. Im Jahr 2025 gründeten Trump Jr. und Eric Trump American Bitcoin, das laut „Forbes“ Juniors Nettovermögen um bis zu 80 Millionen Dollar steigert. Die Trump-Regierung ist den Forderungen und dem Lobbying großer Kryptounternehmen gegenüber ausgesprochen entgegenkommend: Präsident Trump erklärt regelmäßig, die USA zur „Kryptohauptstadt der Welt“ machen zu wollen, fährt einen extrem laxen Regulierungskurs für das umstrittene Finanzsystem, hat seinen eigenen Meme-Coin lanciert und Aufsichtsbemühungen von Behörden wie der US-amerikanischen Securities and Exchange Commission torpediert – während seine Familie ein Kryptoimperium aufbaut.

Als TMTG-Direktor beaufsichtigt er eine Partnerschaft mit Crypto.com, die einen plattforminternen Vorhersagemarkt auf Truth Social bringen soll. Gleichzeitig sitzt er im Beirat von Polymarket, dem weltweit größten Vorhersagemarkt. Wenig überraschend zögert die Trump-Regierung, Vorhersagemärkte zu regulieren, und hat Bemühungen der Commodity Futures Trading Commission untergraben, grassierendem Insiderhandel auf der Plattform einen Riegel vorzuschieben.

Trump Jr. ist außerdem Vorstandsmitglied bei PSQ Holdings, einem Anti-Woke-Finanztechnologieunternehmen, und Berater der börsennotierten Investitions- und Akquisitionsfirma New America Acquisition I Corp., die laut ihrer Website „Fusionen mit wachstumsstarken US-Unternehmen anstrebt, die in Bereichen wie Automatisierung, Dateninfrastruktur und Energiemodernisierung führend sind.“

Vermögen verzehnfacht

„Forbes“ schätzt, dass Donald Trump Juniors Nettovermögen von rund 30 Millionen auf 300 Millionen Dollar gestiegen ist.

Eric Trump

Er mag der zweitgeborene Sohn sein, doch beim angehäuften Reichtum lässt er alle Geschwister hinter sich: „Forbes“ schätzt, dass sich sein Nettovermögen seit der Wiederwahl seines Vaters auf 400 Millionen Dollar verzehnfacht hat.

Eric Trump ist bei zahlreichen Geschäftsvorhaben Partner seines Bruders – darunter seine Rolle als Executive Vice President der Trump Organization sowie als Gründer von World Liberty Financial und American Bitcoin.

Seine eigenständigen Geschäfte gehören zu den dreistesten Beispielen für Vetternwirtschaft der zweiten Trump-Amtszeit bisher. Anfang dieses Monats gab er bekannt, dass Foundation Future Industries – ein Verteidigungsrobotikunternehmen, in dessen Vorstand er sitzt und das er berät – einen 24-Millionen-Dollar-Auftrag des Verteidigungsministeriums erhalten hat. Das wirft unmittelbare Fragen zu einem Interessenkonflikt zwischen der Bundesregierung und der Familie des Präsidenten auf.

Eric Trump ist maßgeblich für das rasante Wachstum des Hotelgeschäfts der Trump-Familie verantwortlich – insbesondere im Nahen Osten und in Ländern, die die Gunst des Präsidenten suchen. Die Trump Organization kündigte weniger als einen Monat nach Trumps Wahlsieg 2024 den Bau eines Luxushochhauses in Dschidda, Saudi-Arabien, an; in Maskat, Oman, entsteht ein Luxusgolfplatz mit Wohnanlage. Die „Demnächst verfügbar“-Seite der Trump Organization verzeichnet Gewerbe-, Wohn-, Hotel- und Golfprojekte in Indien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Rumänien, Indonesien, den Malediven und Georgien.

Präsident Trump pflegt seit seiner ersten Amtszeit enge Beziehungen zu Saudi-Arabien – er spielte den Mord an „Washington Post“-Journalist und US-amerikanischem Einwohner Jamal Khashoggi herunter, der angeblich auf Befehl von Kronprinz Mohammed bin Salman verübt wurde. Der Präsident betrachtet das Königreich als einen seiner wichtigsten geopolitischen Verbündeten und empfing Bin Salman im November im Oval Office, wo er den Kronprinzen und die Hunderte von Milliarden Dollar, die Saudi-Arabien in den USA investiert, in höchsten Tönen lobte – während die Trump-Familie dort gleichzeitig Geschäfte aufbaut.

Reisen und Deals

Eric Trump soll seinen Vater nächsten Monat auf einer Diplomatenreise nach China begleiten, und es werden bereits Bedenken laut, dass der Sohn des Präsidenten schon bald einen weiteren lukrativen Deal verkünden wird, der auf dem Rücken der Präsidentschaft zustande gekommen ist.

Jared Kushner und Ivanka Trump

Ivanka Trump mag nach der ersten Amtszeit ihres Vaters versucht haben, sich unsichtbar zu machen – ihr Mann hingegen ist überall.

Jared Kushner, Sohn des in Ungnade gefallenen New Yorker Immobilienmoguls Charles Kushner und Schwiegersohn des Präsidenten, führt jede Menge Friedensverhandlungen im Nahen Osten – und kassiert dafür jede Menge Schecks von den beteiligten Parteien.

Kushners in Miami ansässige Investmentfirma Affinity Partners ist zur Anlaufstelle für massive Investitionen globaler Akteure geworden, obwohl Kushner als inoffizieller Verhandlungsführer in diplomatischen Gesprächen zum Irankrieg fungiert. Im Jahr 2024 erhielt seine Firma eine Investition von 2 Milliarden Dollar vom saudi-arabischen Public Investment Fund und verwaltet mittlerweile über 4,8 Milliarden Dollar an ausländischen Geldern.

Berichten zufolge hat er über 100 Millionen Dollar an Verwaltungsgebühren von den Saudis eingestrichen, die Trumps Kriegseintritt angeblich unterstützt haben. Während er Trumps Gaza-„Entwicklungsplan“ vorantreibt und als einer der Hauptverhandlungsführer in von Pakistan vermittelten Gesprächen agiert, die dem von seinem Schwiegervater angezettelten Krieg ein Ende setzen sollen, wirbt Affinity Partners gleichzeitig um zusätzliche Investitionen von über 5 Milliarden Dollar, großteils aus dem Nahen Osten.

Interessenkonflikte im Fokus

Der wichtigste Partner bei dem Deal ist Saudi-Arabien. In einem Brief an White-House-Stabschefin Susie Wiles äußerten die Ranking Members des House Oversight Committee und des Senate Finance Committee, Abgeordneter Robert Garcia (D-Calif.) und Senator Ron Wyden (D-Ore.), im vergangenen Monat die Sorge, Kushner könnte „Interessenkonflikten unterliegen, die die Sicherheit des amerikanischen Volkes gefährden könnten“.

Ivanka Trump ist Partnerin in der Investmentfirma ihres Mannes, Affinity Partners, scheint aber fest entschlossen, aus dem Rampenlicht ihres Vaters herauszubleiben.

Tiffany Trump und Michael Boulos

Tiffany Trump hat sich stets am Rand des Familienimperiums gehalten – doch das bedeutet nicht, dass sie und ihr Mann Michael Boulos bei Trump 2.0 leer ausgehen. Boulos, Sohn des libanesischen Transportunternehmers und Diplomaten Massad Boulos, heiratete Tiffany Trump 2022 – und wurde danach schlagartig erfolgreicher. Boulos kassierte eine Provision aus dem Verkauf einer Superjacht an Jared Kushner und Ivanka Trump, während er für seinen Cousin, einen Jachtmakler, arbeitete. Spätere Berichte enthüllten, dass die Jacht nicht fertiggestellt worden war, verbunden mit dem Vorwurf, die Maklerfirma habe Kushner um mehrere Millionen Dollar übervorteilt und versucht, den wahren Wert des Schiffes zu verschleiern.

Boulos wird derzeit von Demokraten im House Oversight Committee untersucht, weil er einem saudischen Geschäftsmann angeblich 100.000 Dollar für eine Vorstellung und Fotos mit Trump bei seiner eigenen Hochzeit mit Tiffany berechnet haben soll.

Boulos‘ Vater ist derzeit als Senior Adviser für arabische und nahöstliche Angelegenheiten bei Trump tätig, was Bedenken aufwirft, dass die Geschäfte des jüngeren Boulos genutzt werden könnten, um Zugang zu diplomatischen Kanälen zu erlangen.

Melania Trump

Melania Trump sorgte vergangenes Jahr für Schlagzeilen, als Amazon bekanntgab, satte 40 Millionen Dollar für die Rechte an einer autorisierten Dokumentation über Trump zu zahlen – was viele als Teil von Jeff Bezos‘ Bemühen werteten, sich beim Präsidenten nach dessen Wiederwahl einzuschmeicheln. Der Amazon-Milliardär dinierte kurz nach dem Wahlsieg 2024 mit Trump in Mar-a-Lago, spendete in den Inaugurationsfonds und kündigte an, seine Zeitung „The Washington Post“ – seit Langem eine Zielscheibe in Trumps Feldzug gegen die freie Presse – werde ihren redaktionellen Kurs auf „freie Märkte und persönliche Freiheiten“ ausrichten.

Melania Trump bewarb ihre Dokumentation, während sie im Februar befreite israelische Geiseln im Weißen Haus empfing.

Barron Trump

Trumps jüngstes Kind – gerade einmal 20 Jahre alt – ist Ende 2025 auf ein geschätztes Vermögen von 150 Millionen Dollar gekommen. Der Großteil dieses Wertes stammt aus seiner Investitionsbeteiligung an World Liberty Financial, der Finanzfirma, die von seinen beiden älteren Halbbrüdern geführt wird. Barron hält außerdem einen erheblichen Anteil am „Stablecoin“ von World Liberty Financial, USD1, der eine Marktkapitalisierung von insgesamt 2,6 Milliarden Dollar aufweist.

Nikki McCann Ramirez schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil