Echo: Moritz Bleibtreu verteidigt Kollegah und Farid Bang

„Ich glaube an die künstlerische Freiheit. Es muss erstmal möglich sein, das zu sagen, was man möchte. Und dann darüber zu diskutieren“: In einem Interview hat Moritz Bleibtreu die Echo-Vergabe an Kollegah und Farid Bang verteidigt. Er nimmt die zwei Rapper indirekt in Schutz, da er die Echo-Jury bzw. die Kriterien der Auszeichnung kritisiert. „So lange man den Preis an den vergibt, der die meisten Platten verkauft, braucht man nichts sagen“, teilte der Schauspieler im Gespräch mit „Neon“ mit.

Bleibtreu ist auch der Auffassung, dass viele Menschen hierzulande den Battle-Rap, den Kollegah und Farid Bang zelebrieren, nicht verstünden. Über die Methode dieser Musik sagt er: „Da versucht man, sich stärker zu machen, als man ist und das auf möglichst lyrisch anspruchsvolle und humoristische Weise. Klar – das kann auch mal daneben gehen.“ Die im Fokus der Kritik stehende Zeile „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ müsse man „im Kontext betrachten.“

 

Bleibtreu erinnert im Interview an die Zeit, in der er groß wurde, oder an die harten politischen Meinungen derjenigen, die in den 1960ern und 1970ern aufgewachsen sind. Nur habe es damals keine Verbote gegeben. „Es ging um ein Gespräch und das findet aufgrund dieser sehr laut geführten Debatte nicht mehr statt. Das ist schade, denn damit verbaut man sich die Möglichkeit, künstlerisch extrem zu sein.“

Der 46-Jährige versucht die Debatte um Kollegah und Farid Bang in einen historischen Zusammenhang zu bringen. Demnach verstünde man ab einem bestimmten Alter nicht mehr, was neue Musik zum Ausdruck bringen will: „Man muss doch schnallen, dass die Jugend ihre Ausdrucksformen hat, an denen wir irgendwann nicht mehr dran sind. Das ist ein wiederkehrendes Prinzip: Der Hip Hop ist der Rock’n’Roll unserer Zeit. Das Neue ging damals den Eltern auf den Sack, und so ist es auch heute. Das wird nicht verstanden.“

Andreas Rentz Getty Images


Der King der Traurigkeit: Joy-Division-Sänger Ian Curtis

Er war der James Dean der „blank generation“, der Trostlosen aus den frühen Achtzigern, die keine Lust hatten auf den derben Bierbüchsen-Krawall der Punks: Ian Kevin Curtis aus der Region Greater Manchester; jener damals noch komplett maroden mittelenglischen Industriezone zwischen Mersey und Midlands, die sich seit dem Niedergang so ziemlich aller dortigen Industrien (von der Kohle bis zur Tuchweberei) im Zustand der Daueragonie befand. Zu seinen Lebzeiten blieb Curtis ein Indie-Maestro innerhalb einer kleinen Gegenkultur. Sein Selbstmord am 18. Mai 1980 erhöhte den depressiven Sänger schließlich zu einer legendären Gestalt der Popkultur. Die Platten „Unknown Pleasures“ (1979) und das tiefmelancholische…
Weiterlesen
Zur Startseite