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Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Die Wahrheit über Edward Mahoney

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Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Die Wahrheit über Edward Mahoney

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Folge 89

Viele Leute sind ja der irrigen Meinung, dass Menschen, die sich hauptberuflich mit Musik beschäftigen, alles kennen, was je unter dem Deckmantel der populären Tonaneinanderreihung hergestellt wurde. Zumindest in meinem Fall ist das nicht so. Ich kenne viele Sachen gar nicht. Es gibt zahlreiche blinde Flecken. Ich kenne beispielsweise gar nichts von Emerson, Lake & Palmer. Ist einfach so. Auch von Frank Zappa kenne ich nahezu nichts, dafür kenne ich ganz viel von Gilbert Bécaud und Wolfgang Ambros. Man mag das als Missverhältnis begreifen.

Ich kenne auch nichts von Eddie Money. Dabei ist der Musiker mit dem anbetungswürdigen Namen in nahezu jeder Ein-Euro-Kiste auf dem Flohmarkt zu finden. Also nicht er, aber seine Platten. Das war blöd jetzt, pardon. Eddie Moneys Platten sehen aus, wie Platten in den späten Siebzigern eben so aussahen: Eigentlich steht Money immer mit halblangen Haaren in irgendwelchen Fotostudios rum. Seine Musik klingt ziemlich genau so, wie seine Cover aussehen: Es handelt sich um grundsoliden, soulinformierten Poprock, wie ihn später etwa ein Huey Lewis darbot. Auch wenn das alles für die Zielgruppe meiner Kolumne womöglich ausgesprochen unverlockend klingt, habe ich mich für Sie, liebe Leser, auf den Weg gemacht, um alles Wissenswerte über Eddie Money ans Licht zu zerren: Ich bin dreieinhalb Wochen durch die größten Musikarchive der Welt gereist und habe im Schein fahler Musikbibliothekslampen bis zum Morgenrauchen recherchiert. Ich möchte die Ergebnisse meiner Recherchen im Folgenden für Sie verdichten.

Beinahe wäre Eddie Money Polizist geworden

Eddie Money heißt eigentlich Edward Joseph Mahoney. Verständlich, dass man sich in so einem Fall in Eddie Money umbenennt. Hätte ich auch getan. Um ein Haar wäre Eddie Money Polizist geworden, anders als Sting, der ja tatsächlich Lehrer war, aber nie Polizist, noch nicht einmal um ein Haar. Wolfgang Ambros sang mal: „Du bist ein Polizist/Und ich frag mich, warum du’s bist.“ Fiel mir gerade ein. Der amerikanische Promoter Bill Graham sagte mal über Money: „Eddie Money has it all … Not only can he sing, write, and play, but he is a natural performer.“ Graham muss es wissen, er war schließlich mal Eddie Moneys Manager.

Seinen ersten Hit hatte Money 1978 mit „Baby Hold On“, bis Mitte der Achtziger war er regelmäßig Gast in den amerikanischen Charts. Es folgte das Übliche: Drogen, Abstürze und Comebacks. Money ist bis heute aktiv, manchmal singt auch seine Tochter mit, die ihrem vom vielen Herumspringen ausgelaugten Dad schon als Säugling Wassergläser auf die Bühne brachte. Besagte Tochter heißt übrigens Jesse Money und spielt laut Wikipedia Tambourin und Kuhglocke. Ob Eddie eines Tages an Jesses Zimmertür klopfte und ihr in einem US-Spielfilm-tauglichen Dad-Tochter-Gespräch nahelegte, doch auch seinen Künstlernachnamen anzunehmen?

„Ich kaufe mir lieber Platten von Gilbert Bécaud oder Wolfgang Ambros“

Ob ich je eine Eddie-Money-Platte kaufen werde, weiß ich nicht. Sicher, ein Euro ist nicht viel, aber ich kaufe mir lieber Platten von Gilbert Bécaud oder Wolfgang Ambros, auch wenn ich viele schon dreimal habe. Die besten Wolfgang-Ambros-Platten sind meines Erachtens „Es lebe der Zentralfriedhof“, „Eigenheiten“ und „Selbstbewusst“. Ich habe Ambros mal am Telefon interviewt, er war recht grantig und nahm während des Gesprächs andauernd an der Haustür Pakete an. Wolfgang Ambros ist ein Held für mich, gar keine Frage. Die besten seiner Lieder haben einen ans Herz fassenden Ton, den die parallel operierenden Deutschrocker nur selten trafen.

Gilbert Bécaud, der andere Musiker, von dem ich alles dreifach kaufe, hieß eigentlich François Gilbert Léopold Silly. Édith Piaf, Frank Sinatra, Elvis Presley und Marlene Dietrich sangen seine Lieder. Am schönsten sang er sie aber selbst, mit diesem aufgekratzten Organ, das wohl auch mitverantwortlich für seinen Spitznamen, „Monsieur 100.000 Volt“, war. Wer glücklich werden will, der erstehe rasch eine Best-of-Zusammenstellung des Mannes. Zu Zappa fällt mir dagegen gar nichts ein. Dafür sehe ich gerade, dass es eine Platte gibt, die ich tatsächlich viermal besitze: „Easy Pieces“ von Lloyd Cole.

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