FCC ordnet vorgezogene Lizenzprüfung von Disneys ABC-Sendern an – mitten im Streit mit Jimmy Kimmel
Nachdem Trump und Melania Kimmel wegen eines Witzes feuern lassen wollten, muss Mutterkonzern Disney die Lizenzen für acht Sender neu beantragen.
Einen Tag nachdem Donald Trump und Melania Trump öffentlich gefordert hatten, ABC solle Jimmy Kimmel wegen eines Witzes entlassen, hat die Federal Communications Commission Disneys acht sendereigene ABC-Stationen angewiesen, ihre Lizenzverlängerungsanträge innerhalb von 30 Tagen neu einzureichen – wie Semafor zuerst berichtete.
Nach dem bisherigen Zeitplan wären die Unterlagen frühestens 2028 fällig gewesen. Die FCC begründete die Anordnung als Schritt in einer ein Jahr alten Untersuchung zu Disneys Diversity-, Equity- und Inclusion-Praktiken sowie zu mutmaßlichen Verstößen gegen das Diskriminierungsverbot. Ein Disney-Sprecher erklärte, das Unternehmen werde seinen Ruf „auf dem ordentlichen Rechtsweg“ verteidigen.
Am 23. April hatte Kimmel in seiner Show eine Parodie auf das White House Correspondents‘ Dinner ausgestrahlt, in der er sagte, Melania Trump strahle „wie eine werdende Witwe“ – ein ziemlich unverhohlener Seitenhieb auf das Alter des 79-jährigen Präsidenten. Zwei Tage später eröffnete ein 31-jähriger Kalifornier namens Cole Tomas Allen das Feuer in der Nähe des Sicherheitscheckpoints beim echten Korrespondentendinner. Bundesstaatsanwälte klagten Allen wegen versuchten Attentats auf den Präsidenten an.
Trumps Forderung auf Truth Social
Am Montag forderten beide Trumps Disneys Konsequenzen gegenüber Kimmel. „Jimmy Kimmel sollte von Disney und ABC sofort gefeuert werden“, schrieb der Präsident auf Truth Social und bezeichnete den Witz als „verabscheuungswürdigen Aufruf zur Gewalt“.
Anna M. Gomez, die einzige demokratische Kommissarin der FCC, nannte den Schritt der Behörde eine Vergeltungsmaßnahme. „Das ist beispiellos, rechtswidrig und wird ins Leere laufen“, sagte sie laut CNN in einer Erklärung. „Dieser politische Taschenspielertrick wird nicht verfangen. Unternehmen sollten ihn direkt anfechten. Der erste Zusatzartikel zur Verfassung steht auf ihrer Seite.“
Behördenchef Brendan Carr, ein Trump-Vertrauter, nutzt die Durchsetzungsbefugnisse der FCC seit einem Jahr, um Sender unter Druck zu setzen, deren Programm dem Weißen Haus missfällt. Im September 2025, nachdem Kimmel über die politische Zugehörigkeit des Mannes gewitzelt hatte, der des Mordes an Charlie Kirk beschuldigt wird, warnte Carr, die FCC habe „Mittel“ zur Verfügung. „Wir können das auf die einfache oder auf die harte Tour machen“, sagte er.
ABC zog Kimmel kurz aus dem Programm
ABC nahm Kimmels Show daraufhin innerhalb weniger Stunden aus dem Programm. Nexstar und Sinclair, zwei Senderketten mit offenen Regulierungsverfahren vor der Regierung, strichen die Sendung vorsorglich aus ihrem Angebot. Nach massiven Zuschauerprotesten kehrte die Show sechs Tage später zurück.
Im März, nachdem der Präsident über die Medienberichterstattung zum Krieg mit dem Iran geklagt hatte, schrieb Carr auf X, Sender, die „Falschmeldungen und Nachrichtenverzerrungen“ verbreiteten, hätten „jetzt die Gelegenheit, den Kurs zu korrigieren, bevor ihre Lizenzverlängerungen anstehen“. Carrs Äußerungen stießen auf erheblichen Widerstand – auch aus den eigenen Reihen. Senator Ron Johnson, ein Trump-Verbündeter, sagte Fox News, er teile den Ansatz des FCC-Vorsitzenden nicht. „Ich bin ein großer Verfechter des ersten Zusatzartikels“, so Johnson. „Ich mag keine schwere Hand des Staates, egal wer sie schwingt.“
Wie der Anwalt für öffentliches Interesse Andrew Jay Schwartzman CNN im vergangenen Jahr erklärte, hat seit den 1980er Jahren kein großer Sender mehr seine Lizenz verloren – damals wurde einer wegen Bestechung entzogen. Seitdem hätten nur kleine Radiosender ihre Zulassungen verloren, fügte er hinzu, und zwar wegen „strafbarer Handlungen oder schwerwiegender Falschdarstellungen“.
Kimmel verteidigt seinen Witz
In seiner Montagssendung verteidigte Kimmel den Witz und lehnte eine Entschuldigung ab. „Ich glaube, ein guter Anfang, um die Rhetorik zu mäßigen“, sagte Kimmel, „wäre ein Gespräch mit Ihrem Mann darüber.“ Seinen Kommentar bezeichnete er als „einen sehr harmlosen Witz über die Tatsache, dass er fast 80 ist und sie jünger ist als ich“. Er fügte hinzu, es sei „nach keiner Definition der Welt ein Aufruf zum Attentat“ gewesen.
Kimmel lässt sich von Trumps Druckkampagnen schon lange nicht beirren. In seinem ROLLING-STONE-Interview 2025 sagte er, er finde es „lustig“, wenn Trump sich bei Disney über ihn beschwere. „Ich mag es, wenn er zugibt, dass ich ihn nerve“, sagte Kimmel. „Wenn er uns ignorieren würde, wäre es nicht halb so viel Spaß.“