„Gestohlen“: Sean Combs attackiert Netflix wegen privater Aufnahmen
Explosive Vorwürfe: Sean Combs wirft Netflix und 50 Cent „Diebstahl" privater Anwalts-Gespräche vor. Was steckt hinter der brisanten Doku? Jetzt lesen.
Sean „Diddy“ Combs geht gegen Netflix und 50 Cent vor. Der Musikmogul wirft ihnen vor, in ihrer kommenden Dokumentation nie veröffentlichtes Filmmaterial aus den Tagen vor seiner Verhaftung im September 2024 verwendet zu haben. Das Material sei „gestohlen“ und „nie zur Veröffentlichung autorisiert“ worden.
In einem Trailer, der am Vorabend der Premiere von „Sean Combs: The Reckoning“ am Dienstag, 2. Dezember, veröffentlicht wurde, ist Combs in einem Hotelzimmer in Manhattan zu sehen. Er berät sich per Telefonkonferenz mit seinen Anwälten. „Wir müssen jemanden finden, der mit uns arbeitet“, sagt ein sichtlich nervöser Combs und wippt mit dem Knie. „Jemanden, der sich mit den dreckigsten Geschäften auskennt. Wir verlieren!“
Die Aufnahmen entstanden am 10. September 2024 – nur sechs Tage bevor Beamte in Zivil Combs in der Lobby eben dieses Hotels festnahmen. Die Anklagepunkte: Menschenhandel zum Zweck der Prostitution, Verschwörung zum organisierten Verbrechen und Beförderung zur Ausübung der Prostitution. Combs wurde im Juli nach einem achtwöchigen Prozess von den schwereren Anklagepunkten freigesprochen. Derzeit verbüßt er eine 50-monatige Haftstrafe, nachdem er in zwei Fällen der Beförderung zur Ausübung der Prostitution schuldig gesprochen wurde.
Netflix-Deal scheiterte an kreativer Kontrolle
Damals erwog Combs laut New York Times, eine eigene Dokumentation zu produzieren. Er führte sogar Gespräche mit Netflix über das Projekt, doch die Parteien konnten sich nicht darüber einigen, wie viel kreative Kontrolle Combs haben würde.
Dass genau dieses Material nun in der Dokumentation auftaucht, empört Combs‘ Team. Sein Sprecher Juda Engelmayer bezeichnet das Projekt als „beschämendes Machwerk“. Netflix zeige „wenig Respekt für Mr. Combs‘ rechtliche Ansprüche und künstlerische Integrität“, erklärt Engelmayer gegenüber Rolling Stone. Es handele sich um „private Momente, darunter Gespräche mit seinen Anwälten, die eindeutig nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren“.
„Mr. Combs sammelt seit Jahrzehnten, seit er 19 Jahre alt ist, Filmmaterial, um seine eigene Geschichte auf seine eigene Weise zu erzählen“, ergänzt Engelmayer. „Es ist fundamental unfair, ganz zu schweigen von illegal, dass Netflix sich diese Arbeit aneignet. Netflix ist offensichtlich verzweifelt bemüht, jede einzelne Minute von Mr. Combs‘ Leben zu sensationalisieren, ohne Rücksicht auf die Wahrheit, nur um von einem nicht enden wollenden Medienrummel zu profitieren.“
50 Cent als Executive Producer sorgt für zusätzlichen Ärger
Engelmayer kritisiert auch die Beteiligung von 50 Cent, bürgerlich Curtis Jackson, als Executive Producer der vierteiligen Dokumentation. Die beiden Männer sind seit Langem Rivalen. Jackson hat sich in den sozialen Medien offen über Combs‘ Niedergang lustig gemacht. Engelmayer wirft Jackson vor, er habe „einen persönlichen Rachefeldzug gegen Mr. Combs“ und habe „seine Karriere darauf aufgebaut, ihn zu verleumden und zu diffamieren“.
„Sean Combs: The Reckoning“ enthält Interviews mit mehreren Männern und Frauen aus Combs‘ Umfeld während des Aufstiegs des Bad-Boy-Gründers. Darunter sind die ehemaligen Künstler Aubrey O’Day, Mark Curry und Kalenna Harper, die frühe Anklägerin wegen sexueller Übergriffe Joi Dickerson-Neal, die ehemalige Mitarbeiterin Capricorn Clark sowie zwei Geschworene, die Combs von den Vorwürfen des Menschenhandels freisprachen.
„Es geht nicht nur um die Geschichte von Sean Combs oder die Geschichte von Cassie oder die Geschichte irgendeines Opfers oder die Vorwürfe gegen ihn oder den Prozess“, erklärt Regisseurin Alexandria Stapleton in einer Pressemitteilung. „Letztendlich ist diese Geschichte ein Spiegel, der uns als Öffentlichkeit reflektiert und zeigt, was wir aussagen, wenn wir unsere Prominenten auf ein so hohes Podest stellen. Ich hoffe, diese Dokumentation ist ein Weckruf dafür, wie wir Menschen idolisieren, und ein Reminder, dass jeder ein Mensch ist.“