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Timothy Ferris im Gespräch

Interview zur „Voyager Golden Record“: Rock’n’Roll für Aliens

Timothy Ferris, 72, ist Wissenschafts-Autor, Journalist und emeritierter Professor an der Universität von Kalifornien, Berkeley. Als ehemaliger ROLLING-STONE-Redakteur wurde er 1977 beauftragt, die Voyager Golden Record zusammenzustellen: Jene zwei identischen Schallplatten, die vor 40 Jahren mit den beiden Voyager-Sonden ins All geschickt wurden, und die Musik, Sprache und Geräusche der Erde enthalten – und irgendwann hoffentlich von Außerirdischen entdeckt werden.

Voyager 1 und Voyager 2 haben inzwischen die Planeten unseres Sonnensystems passiert und entfernen sich mit 17 Kilometern pro Sekunde von der Sonne – nichts, was der Mensch je ins All schoss, kam bislang weiter als die knapp eine Tonne schweren Weltraumsonden. Seit 2012 durchkreuzt Voyager 1 den so genannten interstellaren Raum, das sternferne Gebiet noch innerhalb unserer Galaxie, Voyager 2 hat es im November dieses Jahres erreicht. Sonde eins ist jedoch schon 20,5 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt, Voyager 2 rund 17 Milliarden Kilometer. Und noch immer, bis voraussichtlich 2025, erreichen deren Daten die Erde. Hier gibt es eine aktuelle Übersicht der Flugbahn.

Zum 40. Jubiläum des Starts wurde 2017 die Voyager Golden Record erstmals für die Menschheit aufgelegt, als Dreifach-LP in einem Boxset, produziert und gestaltet von “Boing Boing“-Redakteur David Pescovitz, Timothy Dailey von „Amoeba Music“ und dem Coverdesigner Lawrence Azerrad. Timothy Ferris überblickte den Neu-Transfer der Master-Bänder. Das Set wurde für den Grammy nominiert – für das „Best Boxed Or Special Limited Edition Package.“

Ein Gespräch über Mixtapes für Aliens, Rock’n’Roll als Testament der Menschheit und warum die Beatles nichts ins All durften.

Timothy Ferris

ROLLING STONE: Die 90 Minuten lange Schallplatte enthält neben Sprachbegrüßungen und Geräuschen der Erde auch 26 Musikstücke aus verschiedenen Kulturen. Warum hatten Sie für einen Beitrag Amerikas gerade Chuck Berry ausgesucht?
Ferris: Wir wollten nichts auswählen, das nur „typisch Rock’n’Roll“ war, mir ging es um Exzellenz und Vielfalt, und das innerhalb nur eines Lieds. „Johnny B. Goode“ erfüllt dieses Kriterium. Berry war im Gegensatz zu Hit-Musikern seiner Zeit nicht nur Interpret, sondern auch Songwriter. Fast alles, was wir heute als Rock bezeichnen, wurde von ihm erfunden.

Cal Zecca


Michael Stipes erstes Interview nach der Trennung von R.E.M.

Seit September 2011 hat man nicht viel gehört von Michael Stipe. Gesehen hat man ihn schon: bei Patti-Smith-Konzerten, in Berliner Galerien und Bars, bei der New Yorker Fashion Week und einmal auch in einem Raum mit seinen ehemaligen Kollegen – ausgerechnet in Athens/Georgia, wo 1980 die Weltkarriere von R.E.M. begann. Im November 2013 sprangen Bassist Mike Mills und Schlagzeuger Bill Berry im kleinen 40 Watt Club auf die Bühne, um mit Gitarrist Peter Buck „(Don’t Go Back To) Rockville“ zu spielen. Stipe stand etwas abseits im Publikum und sah zu. Das Verlangen mitzumachen hatte er nicht. Selbst enge Vertraute der…
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