Coachella: Jack White feuert kurzfristig angesetztes Hit-Feuerwerk ab
Der Gitarrenheld kehrt in die Wüste zurück und liefert eine karriereübergreifende Retrospektive ab.
Frisch von einem ausgelassenen (und herrlich komischen!) Auftritt bei „Saturday Night Live“ zog Jack White in die Wüste, um beim Coachella 2026 ein gewohnt energiegeladenes Set abzuliefern – als kurzfristige Ergänzung, die der jüngsten Festival-Tradition folgt, Superstar-Veteranen überraschend früh am Tag auf die Bühne zu schicken.
White – der beim Coachella bereits mehrfach als Headliner aufgetreten ist, solo wie auch mit diversen anderen Projekten, darunter The Raconteurs, The Dead Weather und einem karriereprägenden frühen Auftritt mit den White Stripes – betrat die Bühne in seinem charakteristischen schwarzen Outfit (zu Beginn sogar noch mit dunkler Sonnenbrille, die er aber schnell ablegte). Er drosch die Menge mit zuckenden Gitarrenriffs durch ein kurzes Instrumental, bevor er mit einem wuchtigen „That’s How I’m Feeling“ vom 2024er Album „No Name“ in die Show startete.
Falls jemand im Publikum befürchtet hatte, White könnte sich nicht durch seinen Backkatalog wühlen, wurden diese Zweifel sofort zerstreut: Er und seine vierköpfige Band schlugen direkt in „Fell in Love With a Girl“ ein, den Durchbruchshit vom White-Stripes-Album „White Blood Cells“. Unmittelbar darauf folgte ein weiterer White-Stripes-Klassiker: „Dead Leaves and the Dirty Ground“, während White zwischen jedem mitreißenden Riff unmöglich klingende Soli herausschredderte.
Das Set umfasste außerdem beide neuen Songs, die White bei „SNL“ präsentiert hatte – „G.O.D. and the Broken Bones“ und „Derecho Demonico“ (vermutlich vom noch nicht angekündigten neuen Album) – sowie den Raconteurs-Radiohit „Steady, as She Goes“. Abseits der Songs war der eigentliche Grund, sich ins Mojave-Zelt zu drängen, das Erlebnis, einem der großen Gitarrenhelden beim Wüten und Klagen zuzuschauen: mit unerwarteten Breaks und mitreißenden Vocals, die gleichzeitig lässig und durch und durch kathartisch wirkten.
„Seven Nation Army“ als Krönung
Der unbestrittene Höhepunkt folgte natürlich, als die Band mit dem Abschlussstück „Seven Nation Army“ loslegte und die gesamte Menge dazu brachte, das ewige „Whoa-a-oh-oh-oh-oh, oh“ gemeinsam mit White zu skandieren.
Der Podcast „60 Songs That Explain The 90s: The 2000s“ hat „Seven Nation Army“ kürzlich als Song beschrieben, der in einer zeitlosen, schwerelosen Zone existiert – fast schon durch Osmose in die Köpfe gedrungen. Genau so fühlte es sich hier an: Das Publikum schwebte kollektiv durch jeden Mitsing-Moment und jeden peitschenden Gitarrenriff. Gerade angesichts der Zerrissenheit, die die Musikwelt derzeit prägt, war das eine dringend benötigte Dosis Zusammengehörigkeit – einer jener seltenen Momente beim Coachella, in dem alle das Gefühl hatten, Teil eines Ganzen zu sein, statt Hauptdarsteller in ihrer eigenen kleinen Welt.