Keith Jarretts „Köln Concert“: Fliegen mit gestutztem Flügel

Das leben verläuft meist in Brüchen, aber die Menschen lieben es, wenn es fließt. Jazz-Pianist Keith Jarrett gab sich vor ziemlich genau 40 Jahren in der Kölner Oper 66 Minuten und 5 Sekunden lang dem Fluss der Töne hin, so hemmungslos und frei wie davor und danach nie wieder. „The Köln Concert“ ist mit bis heute rund vier Millionen verkauften Exemplaren eines der erfolgreichsten Jazz-Alben überhaupt. Jarrett selbst hat sich nur ein einziges Mal überhaupt zu dem Konzert geäußert, er hält es nicht für eine seiner Sternstunden. Ihm fehlten der innere Kampf und die Zerrissenheit, hat er einmal gesagt. Er spricht nicht gern über diesen legendären Abend.

Ganz anders Vera Brandes. Sie veranstaltete das Konzert am 24. Januar 1975. „Wenn man an so etwas Großem beteiligt war, muss man darüber sprechen“, sagt Brandes, die heute ein Forschungsinstitut für Musikmedizin in Salzburg leitet. Damals war sie gerade mal 18 Jahre alt. Ihr erstes Konzert hatte die spätere Label-Gründerin und Produzentin bereits zwei Jahre zuvor organisiert: Über eine Freundin ihrer Großmutter bekam das Mädchen aus bildungsbürgerlichem Elternhaus Kontakt zum Jazz-Journalisten Manfred Miller. Der nahm sie mit auf die Berliner Jazztage, sie lernte Manfred Eicher, Chef des exquisiten ECM-Labels,  kennen, verlor sich in der Musik von Ralph Towner, wollte ihn nach Köln holen. Es gelang ihr sogar, den WDR für einen Mitschnitt zu begeistern. „Ich war Schülerin!“, ruft Vera Brandes aus, verwundert über die eigene Geschichte. Nur: Wer sollte die 1000 Euro für die Halle vorstrecken? Die Oma ließ sich erweichen und gab Vera Brandes’ Mutter mit auf den Weg: „Wenn es ein Erfolg wird, hast du ein kleines Genie zu Hause. Wenn nicht, dann macht sie das nie wieder.“

Das Towner-Konzert wurde ein Erfolg, und zwei Jahre später buchte sie Keith Jarrett. Auf Zuruf. Weil er auf Tour noch freie Slots hatte. Um die Kölner Oper zu bekommen, machte er sogar eine Ausnahme und willigte ein, ohne einen day off dazwischen anzureisen.



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