MAGA glaubt: Ein Republikaner kann in L.A. nur durch Betrug verlieren
Fox-News-Auftritte zählen bekanntlich nicht als Stimmen – das musste Spencer Pratt jetzt auf die harte Tour lernen.
„Fox News“-Zuschauer und Rechtsaußen-Süchtige in den sozialen Medien sind geradezu fassungslos: Spencer Pratt – der MAGA-nahe Ex-Reality-TV-Star – ist auf dem besten Weg, aus der Vorwahl zum Bürgermeisteramt von Los Angeles zu fliegen. Das, obwohl er wochenlang als sichere Bank galt. Derzeit liegt er hinter Amtsinhaberin Karen Bass und Stadträtin Nithya Raman – und nur die beiden Erstplatzierten kommen weiter.
Konservative Medien und ihre Kommentatoren haben die vergangenen Wochen damit verbracht, die Leute davon zu überzeugen, Pratt – bekannt aus „The Hills“ und jahrelang Stammgast in der Boulevardpresse – sei ein unaufhaltsamer Favorit für die Bürgermeisterwahl. Pustekuchen. In Kaliforniens offenem Vorwahlsystem treten alle Kandidaten unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit gemeinsam an, die beiden Bestplatzierten ziehen in die Stichwahl ein. Umfragen zeigten durchgehend ein enges Rennen zwischen Pratt und Raman um den zweiten Platz – mit zuletzt wachsendem Vorsprung für Raman. Am Wochenende zog sie an Pratt vorbei, während die Stimmauszählung weiterläuft.
Und wer nicht gewinnen kann, wirft dem Gegner eben Mogeln vor.
Langsame Auszählung, schnelle Verschwörungen
Kalifornien ist berüchtigt für seine schleppende Stimmenauszählung. Zwar brauchen die meisten US-Bundesstaaten Wochen, bis offizielle, zertifizierte Ergebnisse vorliegen – doch die meisten können in der Wahlnacht bereits einen Sieger ausrufen. In Kalifornien, wo Briefwahl und Abgabe am Wahltag selbst erlaubt sind, kann selbst das eine gefühlte Ewigkeit dauern. In einem ohnehin tiefblauen Staat neigen diese späten Brief- und Einwurfwähler stark zu den Demokraten. Für Republikaner – und für Pratt persönlich – ist der Absturz ihres Kandidaten auf Platz drei dennoch ein untrügliches Zeichen für Manipulation.
Der Wahlleugner in Chief, Präsident Donald Trump, schrieb am Montag auf Truth Social, das sei „auf keine Weise möglich. Manipulierte Wahl!“
„Unmöglich, dass Spencer Pratt die L.A.-Stichwahl verloren hat, nach dem großen Vorsprung, den er hatte. 3.-Welt-Nation. Manipulierte Wahlen! Jetzt werden sie sich an dem großartigen Steve Hilton zu schaffen machen. Ergebnisse gibt es möglicherweise erst in ZWEI WOCHEN, laut Behörden“, schrieb Trump in einem weiteren Post – eine Anspielung auf den republikanischen Gouverneurskandidaten Steve Hilton, der in der Vorwahl derzeit auf Platz zwei hinter Demokrat Xavier Becerra liegt.
Trump verlässt Interview, Pratt deutet auf Obdachlose
Am Wochenende war Trump aus einem Interview mit NBCs „Meet the Press“ gestürmt, nachdem Moderatorin Kristen Welker ihn hartnäckig nach Belegen für seine Behauptung fragte, die Wahl 2020 sei gegen ihn manipuliert worden. Seine jahrelange, durch nichts belegte Überzeugung, Joe Biden in einem Erdrutschsieg geschlagen zu haben, hat dazu geführt, dass Republikaner bei eigenen Wahlniederlagen reflexartig Betrug wittern – Pratt bildet da keine Ausnahme.
„Eine Nettoveränderung von mehr als 43.000 Stimmen seit Dienstag“, schrieb Pratt am Sonntagabend auf X. „43.000, hm? Wo habe ich diese Zahl schon mal gesehen?“ Dazu postete er einen Screenshot eines Nachrichtenartikels, demzufolge in Los Angeles auf jede beliebige Nacht gerechnet rund 43.000 Menschen obdachlos sind. Was Pratt damit sagen will, bleibt unklar – und im Übrigen haben auch Obdachlose das Wahlrecht, sofern sie die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen.
Elon Musk, der Trumps Wahlkampf 2024 mit Millionen unterstützt hatte, ließ eine Salve von Posts los, in denen er die Gültigkeit der Wahl in Frage stellte – obwohl diese noch nicht einmal offiziell für Raman ausgerufen wurde. „Der Grund, warum Ausweispflicht bei Wahlen in Kalifornien (und New York) verboten ist, besteht darin, groß angelegten Betrug zu ermöglichen. Wenn man keine Ausweispflicht mit Briefwahl kombiniert, wird Betrug de facto legalisiert“, schrieb er. Dabei ist Ausweispflicht in Kalifornien gar nicht „verboten“. Erstwähler müssen ihre Identität über eine Reihe offizieller staatlicher Ausweisdokumente oder Wohnsitznachweise belegen. Für systemischen Wahlbetrug bei irgendwelchen Bundes- oder Staatswahlen gibt es keinerlei belastbare Belege.
Empörung von Leuten, die gar nicht in L.A. wohnen
Der rechte Content Creator Benny Johnson, der in Florida lebt, schrieb, „nach fünf Tagen statistisch unmöglicher Stimmenpakete“ habe Nithya Raman Spencer Pratt überholt. „Das Justizministerium muss weiter ermitteln. Das darf in Amerika nicht weiter so gehen. Kaliforniens Wahlsystem aus der Dritten Welt gehört abgeschafft.“
Andrew Kolvet, Sprecher von Turning Point USA, beschrieb Raman als „eine Frau ohne jede Bekanntheit, ohne Rückenwind aus der Bevölkerung und ohne Wiedererkennungswert, die bei der Briefwahl in Los Angeles absolut abgeräumt hat“.
„Gratis-Tipp: Wenn ihr nicht wollt, dass wir Betrug vermuten, macht es vielleicht ein bisschen weniger offensichtlich“, fügte er hinzu.
Raman ist kein unbeschriebenes Blatt
Raman ist seit 2019 eine feste Größe in der Lokalpolitik von Los Angeles und gilt in ihrer Stadt als erfahrene Wahlkämpferin. Die empörten Rechten – von denen viele weder in Los Angeles wohnen noch dort wählen – haben offenbar Pratts viral gegangene KI-Schrottanzeigen und seine Fox-News-Auftritte mit einem echten Begeisterungssturm für ihren Wunschkandidaten verwechselt.
Die eigentliche Geschichte dieser Bürgermeisterwahl ist eine andere: Statt eines ungefährdeten Durchmarschs von Amtsinhaberin Karen Bass haben zwei Herausforderer ihr jeweils beachtliche Wähleranteile abgejagt. Jetzt droht ihr ein ernstes Duell gegen eine linkere Stadträtin – statt der praktisch sicheren Wiederwahl, die ihr geblüht hätte, wenn Pratt ins Finale eingezogen wäre.
Aber wo auch immer die Demokratische Partei ihre Wunder-Wahlmanipulations-Kanone versteckt hält – man sollte meinen, sie würden sie lieber in echten Swing States einsetzen als im tiefblauen Kalifornien.