Missbrauchsprozess beginnt: R. Kelly in Chicago erneut vor Gericht


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Die Staatsanwaltschaft von Chicago erhebt erneut schwere Vorwürfe gegen R. Kelly. Der 55-Jährige soll unter anderem kinderpornographisches Material hergestellt haben. Insgesamt ist er in 13 Punkten angeklagt. Ihm drohen Jahrzehnte in Haft – zusätzlich zu den 30 Jahren, zu denen er bereits verurteilt wurde.

Staatsanwalt Jason Julien kam in seinem Eröffnungsplädoyer schnell auf den Punkt. „Der Angeklagte Robert Kelly hatte Sex mit mehreren Kindern. Er machte Videobänder von sich selbst beim Sex mit kleinen Kindern“, soll er laut dem TV-Sender „CNN“ gesagt haben. Er gab auch bekannt, dass eines der mutmaßlichen Opfer aussagen wird.

Bereits 2008 angeklagt

2002 wurde ein Video bekannt, in dem R. Kelly eine Minderjährige sexuell missbrauchte und auf sie uriniert haben soll. Die damals 14-Jährige soll nun aussagen. Auch ihre Eltern sollen während des Prozesses zu Wort kommen. R. Kelly wurde wegen des Videos bereits 2008 wegen Kinderpornographie angeklagt. Aber nicht verurteilt. Zwei Mitarbeiter Kellys, Derrel McDavid und Milton Brown, sollen dafür verantwortlich sein. Sie sollen Opfer und Zeugen bezahlt haben, um eine Aussage zu verhindern. Mit Erfolg. Die 14-Jährige trat 2008 nicht vor Gericht. R. Kelly wird darum auch Behinderung der Justiz vorgeworfen.

R. Kelly ist „nicht perfekt“

Das Team des Musikers attackiert das mutmaßliche Opfer bereits. „In den letzten 22 Jahren hat sie unerbittlich bestritten, dass sie es in diesem Video war. Bevor es zu strafrechtlichen Ermittlungen kam, hat sie es bestritten“, behauptete Jennifer Bonjean, die R. Kelly vertritt.

Ihr Klient sei „nicht perfekt“ und „auf dem Weg zur Berühmtheit gestolpert“, gab sie laut amerikanischen Medien bekannt. Ihre Bitte an die Jury: „Wenn die Regierung ihn als Monster darstellen will, ist es wichtig, dass Sie sich daran erinnern, dass wir über einen Menschen sprechen.“

30 Jahre stehen schon fest

Der Prozess soll etwa vier Wochen dauern. Bei einer Verurteilung drohen R. Kelly erneut Jahrzehnte in Haft. Im Juni wurde der 55-Jährige bereits in New York zu 30 Jahren Haft verurteilt.