New Edition gewann den Rock-Hall-Fan-Vote – und wird trotzdem nicht aufgenommen

New Edition holte beim Fan-Vote der Rock & Roll Hall of Fame über eine Million Stimmen – und scheiterte dennoch an der Aufnahme. Warum das so ist.

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2013 wurde Rush, nach jahrelanger Berechtigung und ohne eine einzige vorherige Nominierung, endlich für die Rock & Roll Hall of Fame nominiert und aufgenommen. Fans hatten jahrzehntelang für ihre Aufnahme in die Institution gekämpft, und es war nur passend, dass die Band diese Ehre in demselben Jahr erhielt, in dem die Rock Hall den „Fan Vote“ einführte. Rush dominierte diese erste Abstimmung mit beeindruckendem Vorsprung und holte knapp 25 Prozent der Stimmen – weit vor den Zweitplatzierten Deep Purple (rund 16 Prozent) und Heart (rund 12 Prozent).

Rushs Dominanz beim Fan-Vote war allerdings eher eine Begleiterscheinung ihrer Rock-Hall-Aufnahme als deren Ursache. Im Laufe der Jahre hat der Sieger des Fan-Votes zwar häufig einen Platz in der Hall ergattert – aber eben nicht immer, wie auch dieses Jahr wieder zu beobachten ist. New Edition, die wegweisende R&B- und Pop-Gruppe aus Boston mit Hits wie „Candy Girl“, „Cool It Now“ und „Can You Stand the Rain“, räumte beim Fan-Vote in diesem Jahr ab und sammelte über eine Million Stimmen – schaffte es aber letztlich nicht in die Auswahl.

Der Grund dafür ist denkbar simpel: Der Online-Fan-Vote zählt nur als eine einzige Stimme. New Edition kann den Fan-Vote mit über einer Million Stimmen haushoch gewinnen – doch das entspricht in der Gesamtwertung exakt einer Stimme von mehr als 1.200 Mitgliedern des Rock-Hall-Wahlgremiums. (Das ist das zweite Jahr in Folge, in dem der Fan-Vote-Sieger nicht aufgenommen wurde – nach Phish 2025 – und erst das dritte Mal überhaupt.)

Warum der Fan-Vote nur begrenzt zählt

In einem Interview mit „Billboard“ sprach John Sykes, Vorsitzender der Rock & Roll Hall of Fame Foundation, im vergangenen Jahr über die Rolle des Fan-Votes im Nominierungs- und Aufnahmeprozess. Die Ergebnisse würden stets an das Nominierungskomitee weitergegeben, sagte er – doch es gebe einen Grund, warum der Vote nicht mehr Gewicht bekomme als jede andere Stimme.

„Es ist eine tolle Möglichkeit, die Öffentlichkeit einzubinden. Aber es gibt durchaus Künstler, die es verdient hätten, aber keine starke Fangemeinde oder aktive Unterstützergruppe haben – und wir wollen nicht, dass ein Fan-Club seinen Liebling in die Rock & Roll Hall of Fame hineinlobbyt“, sagte er.

Das heißt nicht, dass der Fan-Vote keinerlei Aussagekraft hätte. Frühere Gewinner waren oft Künstler, bei denen das Gefühl vorherrschte, ihre Aufnahme sei längst überfällig – selbst wenn es sich um ihre erste Nominierung handelte. Neben Rush wären da Kiss 2014, Stevie Ray Vaughan and Double Trouble 2015 und Tina Turner 2021 zu nennen.

Kein Votum, kein Urteil

Aber der Fan-Vote ist auch kein Beweis für eine Ungerechtigkeit. Und im Zeitalter massenhafter digitaler Manipulation ist er ohnehin kein Maßstab, über den sich potenzielle Aufnahme-Kandidaten den Kopf zerbrechen müssten. Vergangene Woche etwa warf der Wu-Tang-Clan-Rapper Method Man unbegründete Vorwürfe in den Raum, Bots hätten die Abstimmung unterwandert, und schrieb: „Das ist nicht fair gegenüber den Nominierten oder den echten Wählern… Aber wie dem auch sei: Glückwunsch an alle Nominierten und viel Erfolg!“

Method Man löschte den Post anschließend wieder, und der Wu-Tang Clan landete beim Fan-Vote auf Platz acht. Ins Rock & Roll Hall of Fame werden sie trotzdem noch in diesem Jahr aufgenommen.

Auch wenn New-Edition-Fans über das diesjährige Ergebnis enttäuscht sein mögen – ihr Sieg beim Fan-Vote deutet darauf hin, dass die Band ihre Rock-Hall-Würdigung früher oder später bekommen dürfte. 2020 gewann die Dave Matthews Band den Fan-Vote mit über einer Million Stimmen, während Pat Benatar mit rund 882.000 Stimmen auf Platz zwei landete. Zwei Jahre später wurde Benatar bei ihrer zweiten Nominierung in die Hall aufgenommen, die Dave Matthews Band folgte 2024.

Jon Blistein schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil