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Nick Cave begründet seine Abneigung gegen die „Cancel Culture“


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„Cancel Culture“ ist ein Phänomen, das besonders durch das Internet immer mehr an Bedeutung gewinnt. Im Zuge dessen werden problematische Äußerungen oder Verhaltensweisen von Prominenten kritisiert und die betroffene Person dann „gecancelled“, was so viel heißt wie, dass diese Person künftig nicht mehr unterstützt wird. Nick Cave hat sich nun dazu geäußert und eine klare Meinung geäußert.

In einer neuen Ausgabe seiner „Red Hand Files“ nahm der 62-Jährige mit einem eigenen Statement Stellung.

Barmherzigkeit statt „Cancel Culture“

Anfang des Jahres schrieb er bereits in einer Ausgabe, dass er seine als problematisch bezeichneten älteren Texte nicht ändern würde, nur weil „eine ständig angepisste Gruppe [an Menschen]“ dagegen sei. In der neuesten Ausgabe geht er noch einmal konkreter darauf ein, wie wenig er von „Cancel Culture“ hält. Er ist der Meinung, dass Barmherzigkeit für den Austausch von Ideen notwendig ist und dass dies gepflegt werden sollte, doch dass „Cancel Culture“ „der Gegensatz von Barmherzigkeit sei.“

Cave weiter: „Politische Korrektheit hat sich zur unglücklichsten Religion der Welt entwickelt. Ihr einst ehrenhafter Versuch, unsere Gesellschaft gerechter zu gestalten, verkörpert nun all die schlimmsten Aspekte, die die Religion zu bieten hat (und nichts von ihrer Schönheit) – moralische Gewissheit und Selbstgerechtigkeit, die selbst der Fähigkeit zur Erlösung beraubt ist. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes zu einem Amoklauf der schlechten Religion geworden.“

„Die Weigerung der „Cancel Culture“, sich auf unbequeme Ideen einzulassen, hat eine erstickende Wirkung auf die kreative Seele einer Gesellschaft. Mitgefühl ist die primäre Erfahrung – das Herzenserlebnis – aus der das Genie und die Großzügigkeit der Fantasie hervorgehen. Kreativität ist ein Akt der Liebe, der an unsere grundlegendsten Überzeugungen anstoßen kann und dabei neue Sichtweisen auf die Welt hervorbringt. Das ist sowohl die Funktion als auch die Größe von Kunst und Ideen. Eine Kraft, die ihren Sinn in der Aufhebung dieser schwierigen Ideen findet, behindert den kreativen Geist einer Gesellschaft und greift die komplexe und vielfältige Natur ihrer Kultur an.“

Doch dies sei genau der Punkt, an dem wir als Gesellschaft stehen würden, so Cave. „Wir sind eine Kultur im Übergang, und es mag sein, dass wir auf eine gleichberechtigtere Gesellschaft zusteuern – ich weiß es nicht -, aber welche wesentlichen Werte werden wir dabei verlieren?“


Nick Caves „Idiot Prayer“ kommt in die Kinos – und erscheint als Live-Album

+++ Dieser Artikel erschien zuerst auf musikexpress.de +++ Am 23. Juli konnten Fans bei einem ganz besonderen Livestream-Event dabei sein: Nick Cave präsentierte seine im Juni aufgenommene Show im Alexandra Palace in London. Vor Ort gab es kein Publikum – nur Cave, sein Flügel, ein kleines Team rund um Kameramann Robbie Ryan („Marriage Story“, „American Honey“) und eine fast schon gespenstische Stimmung. Wer sich ein Ticket für das Online-Konzert gekauft hatte, konnte die Show nur zu der zuvor genannten Zeit sehen. Der Stream war nach Beendigung des Gigs nicht mehr verfügbar und zwischendrin konnte auch nicht vor- oder zurückgespult werden.…
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