„Night of the Living Dead 1990“: Der Misserfolg ist eine Schande

Tom Savinis „Night of the Living Dead“-Remake überzeugt mit düsterer Atmosphäre und klugen Allegorien trotz anfänglicher Kritik

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Diese „Nacht der lebenden Toten“ hat Barbara überlebt, das ist ein Unterschied des 1990er-Remakes zum Original. Davon abgesehen bietet Tom Savinis Regiedebüt überwiegend eine Nacherzählung des Romero-Meisterwerks.

Man muss sich nach den chaotischen Zombiekomödien der 1980er also darauf einlassen können, erneut einen Film zu sehen, in dem sehr langsame Untote ein Haus einkreisen; auf einen Film, in dem wieder einmal erklärt werden muss, warum Verstorbene auferstehen und die Lebenden fressen; sowie die anfängliche Leugnung dieser Monstrosität.

Die Produktion übernahm George A. Romero selbst: Da sein Original einen Public-Domain-Status hat, wollte er es seiner Crew (und auch sich) ermöglichen, aus dem berühmten Titel endlich Kapital zu schlagen. Wie er sagt, hätte an der Urfassung keiner etwas verdient.

Savinis Interpretation und neue Allegorien

Der Vorwurf der Redundanz nagte schwer an Tom Savini, der nun, von ihm selbst betreut, eine Uncut-Edition vorlegt (plus Audiokommentar, dazu Interviews mit u.a. Produzent John Russo). Die Neugestaltung der Charaktere beinhaltete weitere Überraschungen. In der 68er-Version überlebt der Schwarze Ben als Einziger die Zombie-Attacke, aber wird von Rednecks hingerichtet – eine zynische Parabel auf die Revolten der niedergeschlagenen Protestbewegungen.

Nun stirbt Ben durch eine unbemerkte Zombieinfektion, was Savini als Allegorie auf das Aids-Virus verstanden wissen will. Es ist die plausible Veränderung eines im Ursprungswerk höchst bedeutsamen Endes.

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Dazu bietet sein Film – Savini war Kriegsfotograf und Selfmade-Maskenbildner – ein furchterregend ausgeleuchtetes Zombie-Mädchen sowie eine clevere Variation des legendären Friedhofsprologs. Tragisch, dass diese „Nacht“ als Dead-on-Arrival-Remake abgetan wurde. Tom Savini würde es bei dieser Regie-Arbeit belassen. (Plaion Pictures)