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Paul Kalkbrenner: Techno für die Massen

Er zelebriert die neue deutsche Techno-Kultur in Detroit, Wien, Barcelona und Paris: Paul Kalkbrenner ist Vielflieger und Flugzeug-Enthusiast – was sich gut trifft, denn er ist immerzu auf Reisen.  Juni hatte die Ein-Mann-Diskothek zwei erstaunliche Heimspiele: An zwei Abenden trat Kalkbrenner vor je 17 000 Zuhörern in der Berliner Wuhlheide auf. Ein schwarz verhängtes Mischpult, Laptop, Sampler, Sequencer, Synthesizer – er versteht sich nicht als DJ alter Schule, sondern als Musiker, der auf seinen Gerätschaften spielt, während auf dem Videowand-Triptychon pittoreske Bilder laufen: Pegel, Wasserpflanzen, Farben, Formen, Dreiklangsdimensionen. Das Publikum feiert einen Star, der nicht singt, und Hits, die man nicht mitgrölen kann.

Vor drei Jahren war Kalkbrenner mit dem Film „Berlin Calling“ bekannt geworden, in dem er einen, jawohl: DJ spielte. Als Kind musste der Leipziger zur gehassten Musikschule trotten, allein mit seiner Trompete. „Das war schlimm. Letztens habe ich es aber mal aus Jux wieder probiert, kriegte keinen Ton mehr heraus.“ Als Global Player des Techno-Business gestattet sich der 34-Jährige manche Schrulligkeit: „Ich kaufe keine Musik, höre auch keine Musik. Ich habe noch nicht mal eine Anlage zu Hause.“ Sein neues Album trägt den Titel „Icke wieder“. „Das ist keine neue Musik – und schon gar nicht die des nächsten Jahrtausends. Das ist einfach Pauls Techno, in Album-Form gepresst.“ Die Tracks heißen infantil-derb „Jestrüpp“, „Kleines Bubu“, „Sagte der Bär“ und „Kruppzeug“.

Als die Sonne über der Wuhlheide unterging, schaute Paul Kalkbrenner zufrieden auf die Menge. Er hätte auch ein drittes Mal auftreten können.

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