Queen mit Adam Lambert: Die Angst des Nachfolgers vor dem ersten Auftritt


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Der neue Sänger oder die neue Sängerin einer etablierten Band zu werden, ist eine heikle Angelegenheit. Wird man doch stets an Erinnerungen gemessen. Ohne es zu wollen, konkurriert man gegen legendäre Studio-Aufnahmen und große Bühnen-Momente. Fans fragen sich, Wird dieser neue Mensch da oben alles zerstören, was ich je an meiner Lieblingsband gut gefunden habe?

Vorbehalte wie diese gab es bei vielen Formationen mit prominenten Personalwechseln. Doch bei einer so prägenden Figur wie bei Queen-Sänger und -Gallionsfigur Freddie Mercury war ein Ersatz lange Zeit schlicht undenkbar.

Adam Lambert hat es trotzdem gewagt. Nach einigen Warm-Up-Konzerten war es 2012 die riesige Aids-Benefiz-Gala in der ukrainischen Hauptstadt Kiew vor 350.000 Fans. Zehn Jahre ist das nun her. Grund genug, dass sich der Queen-eigene Video-Podcast „The Greatest“ (Folge 46) diesem Jahrestag widmet. Niemand geringes als Elton John übernahm damals den ersten Teil der Show.

Kein Wunder, dass der ehemalige „American-Idol“-Star Lambert ein flaues Gefühl in der Magengegend verspürte: „Mein Gott, hoffentlich war das eine gute Idee“, entfuhr es ihm, als er Entertainment-Superprofi Elton John von der Seitenlinie aus beobachtete. „Das muss der schrecklichste Moment für Adam gewesen sein“, erinnert sich Brian an den dramatischen Wechsel. Doch nach den ersten Songs habe er den Schalter umgelegt. „Er sah nicht mehr so aus, als ob es schrecklich für ihn wäre. Eher, als würde er so etwas jeden Tag machen.“

Auf der Bühne stimmte dann die viel beschworene Chemie. Und das, obwohl die Alt-Queener nur wenige Mal mit der „Auswechselstimme“ auf der Bühne standen. „In meinem Hinterkopf drehte sich ein Gedankenkarussell. Einerseits total aufregt, diese Lieder zu singen und absolut nicht zu wissen, wie diese ankommen werden.“

Für Brian May war es eine typische Maßnahme mit der Überschrift „jemanden ins kalte Wasser schmeißen“. Der Auftakt einer Tournee vor einer riesigen Menschenmenge. Keyboarder Spike Edney übernahm damals die Aufgabe der Bühnen-Nanny. „Spike saß an den Tasten und ich habe ich immer wieder angeschaut und Gesten gemacht: ‚Soll ich jetzt reinkommen? Wie lange dauert das Gitarrensolo? Bin ich jetzt dran?’“, so Lambert.

„Heute kann ich sagen, es hat Spaß gemacht und es war aufregend. Es war das, was ich am meisten daran liebe. Ein Adrenalin-Kick. Der Nervenkitzel, das möglicherweise etwas schwer schief gehen kann. Ich mag die Gefahr, die darin liegt.“