Quincy Jones‘ Nachlass verkauft Katalog – inklusive Anteile an Michael-Jackson-Klassikern
HarbourView Equity Partners erwirbt Quincy Jones' Gesamtkatalog, darunter seine Anteile an drei Michael-Jackson-Alben sowie Kompositionen wie „Soul Bossa Nova“.
Die Familie von Quincy Jones hat mit HarbourView Equity Partners einen Übernahmedeal abgeschlossen, der große Teile seines legendären Katalogs umfasst – darunter seine Anteile an drei klassischen Michael-Jackson-Alben.
Der Deal deckt Jones‘ Rechte an Tonaufnahmen und Verlagsrechte ab, einschließlich seiner Beteiligung an den drei Jackson-Alben, die er produzierte („Off The Wall“, „Thriller“ und „Bad“), seiner eigenen wegweisenden Komposition „Soul Bossa Nova“ sowie George Bensons Hit „Give Me the Night“ von 1980. Ebenfalls enthalten sind Jones‘ Nebenrechte an weiteren Assets, etwa sein Anteil an „The Fresh Prince of Bel-Air“, bei dem er als Executive Producer tätig war.
„Unser Vater hat nicht einfach Hits geschrieben – er hat Plattformen aufgebaut, die Kultur in Musik, Film, Medien und Technologie geprägt haben“, sagt Quincy Jones III (QD3). „Er glaubte, dass Innovation ein kreatives Werkzeug ist, und hat das früh verinnerlicht – von seiner Mitgliedschaft im Beirat des MIT bis hin zu seinem Bestreben, die Grenzen des Geschichtenerzählens zu verschieben. Er hatte eine tiefe Leidenschaft dafür, künftige Generationen von Kreativen zu stärken, und sah Technologie und Innovation als Mittel zum Zweck – wenn sie ethisch eingesetzt werden.“
Ein Segen für HarbourView
„Er ist eine allgegenwärtige Kraft in kreativen Räumen“, sagt HarbourViews CEO Sherrese Clarke gegenüber ROLLING STONE. „Wir haben eine Reihe ikonischer Werke in unserem Portfolio, aber jemanden wie ihn hinzuzufügen – in Bezug auf unsere Aufgabe als Hüter und Bewahrer von Werkkanons für künftige Generationen – das fühlte sich wie ein Segen an.“ (HarbourView verwaltet auch Kataloge von Kelly Clarkson, Fleetwood Macs Christine McVie, T-Pain, Kane Brown, James Fauntleroy und weiteren Künstlern.)
„Wir haben natürlich gute wirtschaftliche Konditionen ausgehandelt. Und wir haben alles getan, was wir für die Familie tun sollten, und sie haben uns fair behandelt“, fährt Clarke fort. „Aber für mich ist es vor allem eine Ehre, die Verantwortung zu tragen, so eng mit dieser Familie zusammenzuarbeiten, um sein Vermächtnis hochzuhalten.“
Jones, der im November 2024 im Alter von 91 Jahren starb, war eine der produktivsten und bedeutendsten Persönlichkeiten der Musik des 20. Jahrhunderts. Über sieben Jahrzehnte hinweg arbeitete er als Trompeter, Komponist, Arrangeur, Produzent, Dirigent und Filmkomponist. Wie seine Tochter, die Schauspielerin Rashida Jones, in einem Statement formulierte: „Lange bevor irgendjemand über ‚Multi-Plattform‘ sprach, baute er bereits Brücken und verknüpfte Musik, Film, Fernsehen, Verlagswesen, Technologie und Kultur miteinander – und schuf dabei zeitlose Giganten wie ‚Thriller‘, ‚The Color Purple‘, ‚The Fresh Prince of Bel-Air‘ und ‚Vibe‘.“
Von Kanye bis Tupac
Die Katalogübernahme spiegelt diese Bandbreite und das Gewicht seines Schaffens wider. Sie umfasst etwa Jones‘ Songwriting-Anteil an Kanye Wests „Good Life“, da dieser Track ein Sample von Jacksons „P.Y.T.“ enthält, das Jones gemeinsam mit James Ingram schrieb. Ebenso ist Tupacs „How Do U Want It“ Teil des Deals, weil der Song Jones‘ Stück „Body Heat“ von 1974 samplet.
Ebenfalls enthalten sind die Titelmelodien, die Jones für das erfolgreiche Krimidrama „Ironside“ und die Kultsitcom „Sanford and Son“ komponierte. Clarke hob diese als eine der ungewöhnlicheren Facetten der Jones-Katalogübernahme hervor – und als Beleg dafür, wie sein Werk das kollektive Popkultur-Bewusstsein geprägt hat.
„Das Intro von ‚Sanford and Son‘ war ikonisch – damit bin ich aufgewachsen“, sagt sie und kann sich nicht zurückhalten, ein paar Takte der schwungvollen Saxofon-Melodie zu summen. „Ich erinnere mich vielleicht nicht an jede Episode, aber dieses Intro kenne ich. Es ist wunderbar, Teil dieses kulturellen Erbes zu sein.“
Jackson-Alben und Royalties
Was die drei Jackson-Alben betrifft: Jones dürfte an diesen Platten eine Grundroyalty von rund zehn Prozent verdient haben – eine nicht unerhebliche Summe, wenn man bedenkt, dass sie zusammen über 100 Millionen Exemplare weltweit verkauft wurden. (Normalerweise wären solche Zahlen in einem privaten Vertrag vergraben, doch ein Rechtsstreit zwischen Jones und dem Jackson-Nachlass über angeblich ausstehende Tantiemen in den 2010er-Jahren brachte einige Details ans Licht.) Die Feinheiten von Jones‘ Beteiligung an Jacksons Katalog hätten den Deal nicht weiter verkompliziert, sagt Clarke – der Jackson-Nachlass war an der Transaktion nicht beteiligt.
„Wir sind natürlich riesige Fans dieser Werke“, sagt sie. „In gewisser Hinsicht hat das den Deal sehr attraktiv gemacht – in vielerlei Hinsicht sogar. Und komplizierter wurde es dadurch nicht.“
Künftig werden HarbourView und der Jones-Nachlass gemeinsam an Projekten rund um den Katalog sowie Jones‘ Name, Bild und Persönlichkeitsrechte arbeiten, auch wenn Clarke keine konkreten Vorhaben ankündigen wollte. Fest steht: HarbourView veranstaltet am 13. März in Los Angeles, kurz vor der Oscar-Verleihung, eine Tribute-Veranstaltung zu Ehren von Jones.
Rashidas Versprechen ans Erbe
„Unser Vater war grenzenlos neugierig und seiner Zeit stets voraus“, sagt Rashida. „Was ihn außergewöhnlich machte, war seine Fähigkeit, um die Ecke zu denken und die richtigen Menschen, Ideen und Klänge zusammenzubringen, um immer wieder zeitlose Werke zu schaffen. Als seine Kinder liegt es an uns, nicht nur den Katalog zu schützen, sondern auch den Geist und die Liebe, die dahinterstecken.“