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Die Streifenpolizei - der Podcast für Film & Serien vom Rolling Stone & Musikexpress
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Review: „Twin Peaks“, Staffel 3, Folge 12: Audrey is back – aber wer zum Teufel ist Tina?

Das ist passiert

FBI-Agentin Tamara Preston (Chrysta Belle) wird von FBI-Vizedirektor Gordon Cole (David Lynch) und Albert Rosenfield (Miguel Ferrer) in die Geheimnisse der blauen Rose eingeweiht und bei einem Glas feinen Rotweins selbst zum Teil der Gruppe gemacht, die ursprünglich zur Erforschung von UFOs gegründet wurde. Derweil wird Diane (Laura Dern), die im Kontakt mit dem bösen Cooper steht, von Albert weiter überwacht. So erfährt er, dass dieser inzwischen von Dougie Wind bekommen hat. Und dass Cooper Twin Peaks im Visier hat.

Sarah Palmer (Grace Zabriskie), die Mutter von Laura Palma, füllt im Supermarkt ihren Vorrat an Hochprozentigem auf (im Wert von 133 Dollar!), doch an der Kasse  wird sie von einigen Bündeln Beef Jerky aus Truthahnfleisch dermaßen verunsichert, dass sie einen eigenartigen Anfall bekommt. Hat die Seherin erneut eine Vision? Sie spricht von dunklen Männern, die kommen werden (die Woodmen?). Später wird sie noch von Hawk (Michael Horse) bei sich zuhause besucht. Doch während der gute Hawk sich um ihr Wohlergehen sorgt und seine Hilfe anbietet, bleibt Sarah eher abweisend. Immerhin scheint sie sich von ihrer Panik erholt zu haben.

Kooperation

Ben Horne (Richard Beymer) erfährt von Sheriff Frank Truman (Robert Forster), dass sein Enkel Richard (Eamon Ferren) einen Jungen zu Tode gefahren hat und gleichzeitig noch versuchen wollte, die einzige Zeugin Miriam (Sarah Jean Long) zu töten. Der Familienpatriarch reagiert ehrlich erschüttert und verspricht, die Kosten für die medizinische Behandlung des Opfers zu übernehmen. Zugleich hält Ben auch den Schlüssel zu Coopers altem Hotelzimmer bereit (Raum 315), den Truman seinem Bruder übergeben soll. Natürlich kein Zufall für den Gesetzeshüter – er erwähnt, dass noch einmal die Akte Laura Palmer/Agent Dale Cooper geöffnet wurde.

Audrey Horne (Sherilyn Fenn) möchte unbedingt ins Roadhouse, um dort nach ihrem verschollenen Liebhaber Billy zu suchen. Deswegen macht sie ihrem Ehemann, dem kleinwüchsigen, ein wenig an Truman Capote erinnernden Charlie (Clark Middleton), Vorhaltungen. Der ist gerade mit Arbeit beschäftigt – und hat überhaupt keine Lust, sich noch etwas überzustreifen, um jene Person zu suchen, mit der seine Gattin eine Affäre hatte.

Wirklich überrascht scheint er deswegen auch nicht zu sein. Schließlich erwähnt Audrey eine gewisse Tina, die Charlie sogleich anruft. Ein Chuck (von dem wir bisher nichts wissen) erwähnte zuvor, dass sie die letzte Person war, die Billy gesehen hat. Das Gespräch zwischen Charlie und Tina verläuft allerdings anders als erwartet. Irgendwie hat Tina etwas erfahren, doch es wird nicht klar, was. Das treibt wiederum Audrey sichtbar zur Weißglut.

„Hawk…“

Noch immer schwebt der Ventilator, jenes Bild des Grauens, das sich über das Palmer-Haus gelegt hat, auf beunruhigende Weise, als Hawk Sarah Palmer einen Besuch abstattet.

„He’s A Fine Man!“

Nachdem sich in Folge 11 so etwas wie eine kohärente Logik, sogar eine gewisse dramaturgische Struktur und schließlich etwas Kirschkuchen-Flair eingeschlichen hatte, beweist die 12. Episode von „Twin Peaks: The Return“, dass eben keine Folge wie die andere funktioniert. Die Hauptgeschichten treten ein wenig auf der Stelle, dafür gibt es viele ultrakurze Szenen, die vollkommen aus dem Zusammenhang gegriffen scheinen. Dougie (Kyle MacLachlan) spielt mit seinem Sohn Baseball und trifft natürlich den Ball nicht. So wenige Spielzeit stand für die wohl kontroverseste Figur der neuen Season schon lange nicht mehr zur Verfügung. Manche genervte Fans wird es freuen.

Dafür werden sie sich nicht umsonst fragen, warum Dr. Jacoby noch einmal seine „Gold Shit-Digging Shovels“ bewerben und wieder allerlei wirres Zeugs reden darf. Vollkommen offen bleibt auch die Schlussszene in der Bang Bang Bar: Zwei Frauen, die wir bisher noch nicht kennengelernt haben, unterhalten sich über einen Typen, bis ein leicht verwirrter Kerl namens Trick (Scott Coffey) sich zu ihnen gesellt und davon erzählt, dass er angefahren wurde. Er genehmigt sich erst einmal ein Bier. Dazu gibt es noch einmal Musik von den Chromatics („Saturday“), doch das gerät nach der sehr schönen Badalamenti-Klavier-Sequenz in der letzten Folge etwas  zu schematisch und unbedeutend.

„That’s Why I’m Fucking Billy!“

Audrey is back! Auf diesen Moment warten wir im Grunde seit dem Beginn der neuen Staffel. Schon in Folge 9 gab es ja mit den roten Schuhen einer Dame, die Dougie fasziniert beobachtete, eine erste Anspielung auf die zuweilen laszive Horne-Tochter. Doch der harsche Auftritt, den Audrey nun hinlegt, hat so gar nichts Erotisches, Verführerisches oder gar Anmutiges. Stattdessen gibt es einen fiesen, nicht ganz nachvollziehbaren Ehestreit mit ihrem Gatten Charlie. Der scheint eigentlich nicht viel wissen zu wollen von seiner Frau. Überhaupt wirken beide, als wäre dies nicht ihre erste Auseinandersetzung. Und die Gleichgültigkeit, mit der er hinnimmt, dass sie mit einem anderen Mann Sex hat, ist erschreckend. Er scheint es wohl gewohnt zu sein.

Aber ist das unsere Audrey, wie wir sie in den ersten beiden Staffeln kennen und lieben gelernt haben? Das muss erst einmal verdaut werden. Bisher dachten wir auch, dass der gewalttätige Richard  Audreys Sohn sein müsse, doch von ihm ist in dem Gespräch nicht einmal ansatzweise die Rede. Dann kommt es zu den Gesprächen über Tina, Chuck und Paul – und all das bleibt entsetzlich offen. In der siebten Folge wurde der Name schon einmal erwähnt. Eine Figur (gespielt von David Lynchs Sohn Riley) kam ins Double R Diner und suchte nach einem gewissen Billy. Diese Storyline wird wohl in den kommenden Folgen noch Gewicht bekommen. Oder bleibt all das nur ein Nebenkriegsschauplatz?

„Keep your blood“

Und wieder tritt die gute Seele von Twin Peaks auf: Carl Rodd (Harry Dean Stanton) gibt einem armen, älteren Mann, der an Krücken geht, ein paar Dollar, damit dieser nicht noch einmal sein eigenes Blut verkaufen muss, um ein Mittagessen zu bekommen.

„That boy has never been right“

Es ist bisher der eindrucksvollste Auftritt, den Ben Horne (Richard Beymer) in der neuen Staffel hingelegt hat: Kopfschüttelnd nimmt er zur Kenntnis, was Hawk ihm über seinen mörderischen Enkel Richard auftischt. Mit ihm hat er schon lange keinen Kontakt mehr, weil der immerzu Geld forderte. Für den immer noch gewieften Geschäftsmann, der nach wie vor fast sein ganzes Leben hinter seinem Schreibtisch verbringt, natürlich ein No-Go. Zudem weist er uns darauf hin, dass Richard nie einen Vater hatte. Ist er einer Affäre Audreys entsprungen? Schließlich erzählt Ben noch von seiner Jugendliebe für ein anständiges Fahrrad. Eine jener Anekdoten, für die Ben auch schon in den ersten Staffeln der Serie jedes bedeutende Gespräch hinter sich lassen konnte.

„Let’s Rock“

Albert (Miguel Ferrer), Cole (David Lynch) und Tammy (Chrysta Belle)) prosten sich zunächst gegenseitig in einer Lounge mit Wein zu („To The Bureau!“). Dann erfährt die FBI-Agentin, dass sie ab sofort zum inner circle der mysteriösen Blue-Rose-Gang gehört. Das Strahlen in ihren Augen lässt sich mit Worten nicht beschreiben. Obwohl Chrysta Belle im Netz von vielen Die-Hard-Fans für ihr ungewöhnliches Auftreten und ihre Marionettenhaftigkeit attackiert wird, ist sie eine große Bereicherung für die Serie und reiht sich mit ihrem bewusst ungelenken, spontanen Spiel ein in das Figuren-Arsenal der geheimnisvollen, aber zugleich offensiv naiven Lynch-Frauen.

Ihr gegenüber steht Diane, die kühle, grimmige Steigbügelhalterin für den bösen Cooper. Als ihr klar gemacht wird, dass nun weiter gemeisame Sache in der Ermittlung gemacht werden soll, sagt sie kurzerhand mit einer knallharten, aber auch unfreiwillig komischen Geste: „Let’s Rock“. Natürlich kein unschuldiger „Twin Peaks“-Ausruf, denn es waren einst die ersten Worte, die wir vom „Man From Another Place“ (Michael J. Anderson) zu hören bekamen.

„Très Chic“

Die lustigste Szene in der Folge, die wohl eher zu den unausgegorensten der neuen Season gezählt werden muss, ist jene, in der Albert Rosenfield (Miguel Ferrer) FBI-Vize Gordon Cole (David Lynch) etwas wichtiges über Diane mitteilen will. Doch der schwerhörige Lebemann hat eine fesche Französin auf seinem Zimmer (Lynchs kleine Reminiszenz an seinen Kurzfilm „The Cowboy And The Frenchman“ von 1988) und versucht sie mit einigen Komplimenten zu überreden, den Raum für das Vieraugengespräch zu verlassen. Sie stimmt zwar zu, vorübergehend an der Bar Platz zu nehmen, doch zuvor rückt sie erst einmal ihr Kleid zurück, lächelt, poliert ihre Wimpern, lächelt, kontrolliert ihre langen Beine (immer noch schön), lächelt.

Und Cole genießt jede Sekunde ihres französischen Abgangs. Passend dazu gibt es natürlich einen dunkelschimmernden Bordeaux (Cole: „It’s a good one!“). Als sich Albert leicht beleidigt zeigt, dass dies alles so lange dauert, schaut ihn Cole mit einem geradezu entwaffnenden Lächeln an und sagt dann finster: „I really worry about you“. Vielleicht sollte hier noch einmal erwähnt werden, was für einen wunderschönen, würdevollen Auftritt Miguel Ferrer – der im Januar verstorben ist – in „Twin Peaks: The Return“ spendiert bekommen hat. Zu sagen braucht er eigentlich nicht viel – allein sein Augen- und Mienenspiel verrät alles.

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