AC/DC High Voltage


EPIC / SONY


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Riding on a highway, going to a show, stopping on the byways, playing rock’n’roll…“ Verarscht oder verprügelt werden, stoned und/oder spitz sein, immer unterwegs und niemals nüchtern – gleich mit dem ersten Song auf ihrem ersten Album brachten AC/DC ihr ganzes Leben so auf den Punkt, dass es einen schmerzt. Und das liegt ausnahmsweise mit an Angus Youngs Gitarre. „High Voltage“ (1975 Australien, 1976 die Welt) beginnt mit „It’s A Long Way To The Top (If You Wanna Rock’n’Roll)“ und geht noch besser weiter mit der Tripper-Hymne „The Jack“, dem Gröl-Evergreen „T.N.T.“ und mit „Can I Sit Next To You Girl“, das Bon Scott so unfassbar schmutzig singt, dass zumindest ich schon als Kind Angst davor hatte, dass sich so einer mal neben mich setzt.

Die Band spielte so simpel wie effektiv – sie rockte wie keine andere und hatte anfangs doch noch oft den Blues. Der US-ROLLING STONE nannte das Debüt, das in Australien schon zwei Jahre vorher erschienen war, damals ein „all-time Iow“ in der Kategorie Hardrock. Wie sehr sie irrten. Im selben Jahr legten AC/DC mit „Dirty Deeds Done Dirty Cheap“ (4,0 Sterne) nach, das die üblichen Albernheiten enthielt („Big Balls“, naja), die schon typischen Rocker und eine Ballade, die noch jahrzehnte später erwachsene Männer zum Weinen bringen sollte: „Ride On“, bis heute unerreicht. Als hätte die Band geahnt, dass sie nicht viel Zeit hat, legte sie jährlich weitere Klassiker nach: „Let There Be Rock“, „Powerage“ 3,0) und natürlich „Highway To Hell“ (3,5), das den Ruf der Band als Antichristen zementierte. Dabei wollten sie nur ein bisschen Spaß haben – ein bisschen zu viel. Am 20. Februar 1980 starb Bon Scott, aber nicht wirklich: Auf jedem Metal-Festival erinnern Dutzende T-Shirts an den Sänger.

AC/DC hielten sich nicht lange mit der Frage auf, ob sie Schluss machen sollten. Sie heuerten Brian Johnson an, der live zwar meistens nach ein paar Songs heiser ist, im Studio aber immerhin einigermaßen mithalten kann. Wenige Monate nach Scotts Tod erschien „Back In Black“ (3,5), mit „Hells Bells“, „You Shook Me All Night Long“ und dem Titelsong allemal die Millionen wert, die AC/DC damit verdienten. Auf „For Those About To Rock“ (3,0) ging es fröhlich in die immer gleiche Richtung weiter warum auch den Sound, den AC/DC mit ihrem Produzenten „Mutt“ Lange gefunden hatten, verändern? So viele Fans, so viel Freude. Und damals war es noch ein Kompliment, wenn man behauptete, alle AC/DC-Songs klängen gleich. Die 80er und 90er Jahre, sie brachten nicht mehr viel Erstaunliches – einen Aufwasch, der als Soundtrack getarnt wurde („Who Made Who“ ein Live-Album und mehrere Studio-Alben, die nie die Intensität der Konzerte erreichten – egal, ob Johnson gerade singen kann oder nicht. Im Herbst soll es eine neue Platte geben. Ob sie klingt wie alle anderen? Darauf kann man sich verlassen.


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