Suede „Autofiction“


BMG (VÖ: 16.9.)


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Hier ist die Zeit, in der das Wünschen wieder hilft … Mit ihrem neunten Werk haben Suede etwas geschaffen, das, auf ihre „alten Tage“, tatsächlich als „ihr Punk-Album“ in die Annalen eingehen wird. „Autofiction“ darf aufgrund der Kompromisslosigkeit und Direktheit mit „Postcards From A Young Man“ von den Manic Street Preachers verglichen werden. „Zurück zu den Anfängen“ trifft es aber nur teilweise, denn hier findet sich kein „The Drowners“ und kein „Animal Nitrate“, kein Song, der zu einem Britpop-Battle antreten möchte. Das hier gab es tatsächlich noch nie von Suede!

Raw Power!

Vielmehr fühlt man sich an Joy Division erinnert, an die frühen 80er- statt an die 90er-Jahre, an einen roten Faden, den die Editors und Interpol verfolgen und fortsetzen. Und immer wieder glaubt man „I Wanna Be Your Dog“ von den Stooges herauszuhören. Der Ansatz mag jedoch derselbe sein wie damals: Ein paar mehr bzw. heute weniger junge Männer sind hungrig nach neuer Musik, wollen lärmen und dabei nicht gebändigt werden. Dass Brett Anderson, Mat Osman, Simon Gilbert, Richard Oakes und Neil Codling nach all der Zeit immer noch „das Feuer“ spüren, nachdem sie sich ein bisschen in Trilogien und experimentellen Phasen zu verlieren schienen, kann man ihnen nicht hoch genug anrechnen.

Anderson rief die vierte Bandphase mit einem Zitat des Philosophen Thomas Hobbes aus dem 17. Jahrhundert aus, nach dem diese „fies, brutal und kurz“ ausfallen sollte. Dazu passt, dass Suede versuchten, die elf neuen Songs so live wie nur möglich einzuspielen, was man vor allem bei „She Still Leads Me On“ spürt, dem intensivsten Suede-Song, bei dem man sich wundert, dass er bisher nicht existiert hatte. Selbst der moderate Augenblick auf „Autofiction“, wenn Suede mit „The Only Way I Can Love You“ ihrem bekannten Hymnenfaible frönen, begeistert mit der allgemeinen Wucht dieses Albums. Raw Power! Genießen Sie es, liebe Leserinnen und Leser! So wird es nie wieder sein.


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