The Breeders All Nerve

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Zehn Jahre sind seit ihrem letzten Album vergangen. Davor und danach: Drogenprobleme, Zank und Neubesetzungen. 2013 rauften sich die Breeders dann für eine Tour in Originalbesetzung zusammen, um das 20-jährige Jubiläum ihres Meilensteins „Last Splash“ zu feiern. Seitdem haben die Zwillingsschwestern Kim und Kelley Deal, Josephine Wiggs und Drummer Jim Macpherson immer wieder an neuen Songs gearbeitet, bis es endlich für ein Album reichte. „All Nerve“ bringt all das zurück, wofür man die Pixies-Spin-off-/Nachfolgeband in den Neunzigern geliebt hat: die kantigen Gitarrenriffs, die mit der sanften Stimme von Kim Deal kontrastieren, die Tempowechsel, die Laut-leise-Dynamik, die mokante Frauenpower. Nur ein Hit wie „Cannonball“ fehlt, der Hang zur verzerrten, süffisanten Pop-Harmonie.

Wie ein Abklatsch ihrer selbst klingen die Breeders selten, zweimal, um genau zu sein: auf der Single „Wait In The Car“ und im Titelsong. Allein wenn sie sich einem Vorbild nähern, erweisen sie sich als zu respektvoll. So hätte „Archangel’s Thunderbird“, aufgenommen mit Steve Albini in Chicago, im Original (1970) von Amon Düül II, eine freiere Interpretation sicher gut getan. „Spacewoman“ aber und das düstere, treibende „MetaGoth“ sowie insbesondere zwei Stücke am Ende des Albums: „Skinhead #2“ und „Blues At The Acropolis“, besinnen sich auf alte Stärken, ohne ins Selbstzitat abzugleiten. Hier zeigen sich Kim Deal & Co. von einer verletzlichen Seite, der die Dunkelheit und der Schmerz nicht fremd sind. Kraftvoll und selbstbewusst wirken sie jederzeit.

Die Breeders haben ihren Sound nicht neu erfunden oder groß weiterentwickelt, und der Pop-Appeal, der sie einst in die Charts brachte, ist ihnen ein Stück weit abhandengekommen. Das hält sie indes nicht davon ab, gute Musik zu machen. Weniger eingängig zwar, dafür wagemutiger. Und zu erzählen haben sie immer noch eine Menge, angeschlagen, doch ohne Reue: „I may be high, I may hide and run out at you/ You don’t know how much I miss you.“ (4AD/Beggars)

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