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Udo Lindenberg Stärker als die Zeit

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Er ist wieder da. Er ist noch da. Er bleibt da. „Ich muss mal mit dir reden, mein alter Freund“, singt Udo Lindenberg in „Mein Body und ich“ an ­seinen Körper gerichtet, als wäre es ein Stück von Unheilig. Es gibt keine Kunstanstrengung mehr in diesem Lied, keine Nebelkerzen, keine Poesie. „Ich hab geraucht so wie ein Schlot/ Und gesoffen wie ein Loch/ Weißt du, was wir beide sind?/ Wir sind die Meister im Überleben.“ Gut, dass sie geredet haben.

Vielleicht sind es ein paar letzte Worte zu viel auf diesem Album – der Himmel kracht ein, die Sonne hört auf zu scheinen, sie verschwindet mit einem kleinen Koffer in der Hand in der Nebel­wand, und alles ist so was von groß. „Stärker als die Zeit“ ist Udos „Casablanca“, sein ­„Ewige ­Jugend“. Er singt gravitätische Balladen und Songs mittleren Tempos, das Piano schmalzt gemüt­voll, die Gitarren zerren getragen, alles ist Rückschau, Bilanz und Wehmut, man hat jede Melodie irgendwo schon gehört. In „Coole Socke“ bestätigt ein Kinderchor, dass aus diesem Stoff die Legenden gemacht sind. So cool, dahinter beginnt es zu schneien. Und jeder Tag ein Highway.

Natürlich kann man solche Texte gar nicht schreiben, geschweige denn singen. Nur Udo Lindenberg kann es. Er kann, wenn es sein muss, lyrisch durch die Hölle gehen, bekommt einen  linken Haken, muss da durch, steht am Abgrund, wird wie ein Phönix aus der Asche auferstehen. Geschrieben sieht es komisch aus: „Ich bin doch eigentlich Atheist/ Du hast mich heilig geküsst/ Du bist die Göttin, die mich aus meinen grünen Socken raushaut/ Göttin sei Dank.“ Aber in Udos Vortrag ist es ungefähr das Malerischste und  Poetischste, was man je gehört hat. Es ist jenseits des Schlagers, jenseits des Kitsches, jenseits des Geschmacks. Ein Trompetensolo gibt es auch. Und die Patenmelodie.

Ist was Seelisches, Alter.

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