Rewind Today 1973: Paul McCartney & Wings veröffentlichen ‚Band On The Run‘


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Ausgerechnet Paul McCartney, der musikalisch versierteste Beatle, hatte nach dem Ende der Band zunächst die größten Schwierigkeiten beim musikalischen Neuanfang. Er war verliebt in die Idee der Fab Four, wollte und konnte nicht loslassen und war zugleich derjenige, der durch seine Klage gegen den verhassten Manager Allen Klein und seine ehemaligen Bandkollegen die Trennung besiegelte. Er verfiel in tiefe Depressionen, verschanzte sich mit seiner Familie in einer verfallenen Hütte in Schottland und tat es dem anderen großen Genie des Pop – Brian Wilson – gleich, indem er die Tage im Bett verbrachte. Doch irgendwann sprang der kreative Motor wieder an, der die Beatles in den letzten Jahren am Laufen gehalten hatte.

Die Kritiker sahen in McCartney allerdings den Übeltäter, der der größten Band der Welt den Todesstoß versetzt hatte, und ließen kein gutes Haar an seinen Alleingängen. Dabei war „McCartney“ mutig, „Ram“ genialisch und das erste raue Werk mit seiner neu gegründeten Band Wings, „Wild Life“, durchaus charmant. Doch jedes dieser Alben verkaufte jeweils weniger als sein Vorgänger. Lennon, Harrison und kurzzeitig sogar Starr schienen den Mann für die großen Melodien und einschmeichelnden Balladen kommerziell zu überflügeln.

Da zog McCartney die Notbremse, brach seine emanzipatorischen Experimente ab, um den öffentlichen Erwartungen an den unbekümmerten, leichtfüßigen, romantischen Beatle Paul zu entsprechen und sich selbst zu beweisen, dass er dazu noch in der Lage war. Das ursprünglich als Doppelalbum geplante zweite Wings-Album, „Red Rose Speedway“, strich er auf eine konzise LP zusammen, und schickte den Schmachtfetzen „My Love“ als Vorhut.

Wings live im Hammersmith Odeon, London, 1973.
Wings live im Hammersmith Odeon, London, 1973.

Der Erfolg gab ihm Recht. Der von George Martin produzierte, bombastische James-Bond-Song „Live And Let Die“ versöhnte ihn kurz darauf schließlich auch mit den Kritikern. McCartney schien wieder in der Spur zu sein, die Wings hatten sich etabliert.

Zweifel am afrikanischen Abenteuer

Das nächste Album sollte der große Wurf werden. Aufnehmen wollte McCartney es im nigerianischen Lagos – „tagsüber am Strand liegen, abends ein bisschen Musik machen“. Eine seiner typischen naiven Hippie-Ideen – Militärdiktatur, Cholera-Epidemie und der westafrikanische Monsun kamen ihm nicht in den Sinn. Gitarrist Henry McCullough und Schlagzeuger Denny Seiwell, die beide schon länger nach einem Grund für einen Ausstieg suchten, weil McCartney sie finanziell äußerst knapp hielt, nahmen den gefährlichen Trip zum Anlass, die Band zu verlassen.

Erica Echenberg Redferns


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