Kritik: „Scream 7“, Fans: 0

Hat je ein Horrorfilm-Franchise seine Fans so sehr verachtet – und sich gleichzeitig so schamlos bei ihnen eingeschleimt – wie „Scream“?

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Wie jeder Fan des Scream-Franchise weiß, gehört es zur Tradition, jeden Film mit einer in sich geschlossenen Eröffnungssequenz zu beginnen. „Scream 7“ macht da keine Ausnahme. Warum auch? Horrorfilm-Reihen leben von Vertrautheit – gerade weit genug verändert, um Überdruss abzuwenden, aber ähnlich genug, um dieselben Thrill-Buttons zu drücken. Das Einzige, was sich geändert hat: Der Titel verwendet wieder arabische statt römische Ziffern. Man erwartet Ghostface, den Slasher-Ikonen mit der legendären Maske, der vor dem Abspann ein paar Unglückliche um die Ecke bringt. Den Leuten geben, was sie wollen.

Diesmal ist es ein Pärchen Anfang zwanzig, gespielt von Jimmy Tatro aus „American Vandal“ und Michelle Randolph aus „Landman“, das in einer Air BnB absteigt. Aber nicht irgendeine Air BnB – diese ist ein Nachbau des alten Prescott-Hauses, konzipiert als immersives Erlebnis für True-Crime-Touristen. Schaut euch die Küche an, wo Amber Freeman einst in Flammen aufging. Geht durchs Wohnzimmer, und ihr seht, wo Stu Macher eine unglückliche Begegnung mit einem Fernseher und der Schwerkraft hatte.

Die Unterkunft ist vollgepflastert mit Postern der „Stab“-Filme, dem Cinematic-Universe-im-Cinematic-Universe, das die „echten“ Massaker im fiktiven Städtchen Woodsboro dramatisiert. Nehmt den Hörer ab, und eine schaurige Stimme fragt, ob ihr auch Horrorfilme mögt – bevor sie euer Slasher-Trivia-Wissen testet. Nicht vergessen: Gästebuch unterschreiben und Selfie mit dem animatronischen Ghostface machen!

Es ist kein Spoiler zu sagen, dass die Sache für unsere Wegwerf-Helden kein gutes Ende nimmt; ein oder zwei Opfer braucht es immer, damit die eigentliche Geschichte in Gang kommt. Neve Campbells Sidney Prescott, nach einer einmaligen Filmpause zurück, wird bald wieder Anrufe von jemandem mit dieser unverwechselbaren Stimme bekommen. Die Maske taucht wieder auf, Teenager ignorieren Warnzeichen bis es zu spät ist, und Leichen häufen sich. Courteney Cox als verbissene Reporterin und Sinnbild medialer Skrupellosigkeit Gale Weathers ist natürlich wieder zur Stelle, dazu eine Reihe wiederkehrender Charaktere, Fanfavoriten und bekannter Gesichter aus allen sechs Vorgängerfilmen. Ghostface bleibt Ghostface.

Ein Haus als Spiegel

Aber zurück zu dieser Eröffnungssequenz. Das immersive Mietobjekt ist halb Touristenfalle, halb Museum; ähnlich wie das Theater im Finale von „Scream VI“ (2023), das vollgestopft war mit Gegenständen aus den Woodsboro-Morden, die echte Kinozuschauer gleichzeitig als Requisiten aus den „Scream“-Filmen kennen und die nun als Mordwaffen – oder zur Selbstverteidigung gegen den Killer – dienen, ist der Spiegelkabinett-Vibe hier stark. Aber es dauert nicht lange, bis man erkennt, was diese Air BnB wirklich ist. Sie ist nicht nur ein Seitenhieb auf den gesamten True-Crime-Entertainment-Komplex. Das Haus ist vielmehr ein Spiegelbild von „Scream 7“ selbst.

Dieses neueste Kapitel hat kein Interesse daran, euch eine Geschichte zu erzählen oder der Mythologie der Reihe irgendetwas Wesentliches hinzuzufügen – außer Dutzenden frischer Pretzel-Logic-Plottwists. Es will schlicht Fans von ihrem Geld trennen und sie in eine weitere billige Hommage an das Franchise selbst locken. Das falsche Woodsboro-Haus existiert in einem „Scream“-Film, der sich anfühlt wie ein Simulacrum eines „Scream“-Films. Oder, um es weniger prätentiös und weniger Baudrillard’sch auszudrücken: Das ist ein verdammter Betrug.

Hat je eine Horrorfilm-Reihe ihre Fans so passiv-aggressiv verachtet und sich gleichzeitig so unverfroren bei ihnen eingeschleimt wie die „Scream“-Filme? Als Wes Cravens Original-„Scream“ 1996 in die Kinos kam, lagen wir weit genug vom Goldenen Zeitalter der Slasher Flicks entfernt, um diese Grindhouse-Klassiker wirklich zu vermissen – und waren tief genug in der Videotheken-Schule sozialisiert, um die Referenzen zu verstehen. Und doch musste man „Psycho“ nicht gesehen haben, den Rosetta Stone des Cinéma du Stab, um aufzuschreien, als der Film seinen A-List-Star kaum ins erste Drittel hinein abservierte.

Die Genreregeln und Standardkonventionen – nicht in den Keller gehen, es gibt immer ein Final Girl usw. – wurden von Überlebenden ebenso genutzt wie vom Killer im Genrefilm, den man gerade sah. Je mehr Sequels sich anhäuften, desto häufiger wurden die Ghostfaces als Variationen von Menschen demaskiert, die Horrorfilme nicht klug, sondern zu sehr liebten. Ja, Rache für ermordete Liebste war ebenfalls ein wiederkehrendes Motiv. Aber zählt mal nach, wie oft jemand die Maske im Namen von toxischem Fandom aufsetzte. Wir warten.

Williamson kehrt zurück

Drehbuchautor und Reihen-Schöpfer Kevin Williamson wusste, was er tat, als er auf augenzwinkernde, mit dem Ellenbogen anstoßende Meta-Kommentare setzte und einem Regisseur Raum gab, der von Anfang an dabei war und echtes Handwerk und echte Sorgfalt einbrachte. „Scream“ ist nicht umsonst ein erstklassiger Klassiker. Und wie so viele Franchises vor ihm jagte eine endlose Folge nummerierter Sequels dem leichten Geld und schwindenden Erträgen hinterher.

Was könnte beim Thema Slasher-Hommage eigentlich passender sein, als ein großartiges Grundkonzept mit unzähligen finalen Kapiteln und neuen Anfängen totzuschlagen? Es wundert uns eigentlich, dass man noch nicht ins All geflogen ist oder Ghostface mit Chucky hat zusammenarbeiten lassen.

Dass Williamson zurück ist und diesmal als Co-Autor und Regisseur in Personalunion fungiert, müsste eigentlich ein Grund zur Freude sein. Ist es nicht. Dass diese Fortsetzung überhaupt gedreht wurde, ist natürlich schon für sich ein kleines Wunder. Aber der Spaß, der Schrecken und das Gefühl, unter Gleichgesinnten zu sein, die Slasher 101 fließend sprechen und die Witze verstehen – das alles wurde hier ausgeblutet. Der Schurke ist technisch gesehen wieder Ghostface, aber der eigentliche Killer ist die Nostalgie, die diesmal zu etwas Unheilbarem metastasiert ist. Natürlich sollte ein schlechter „Scream“-Film nicht für die Sünden einer ganzen Branche sterben müssen – und dennoch darf man in diesem Fall getrost sowohl den Spieler als auch das Spiel hassen.

Man muss sagen: Campbell weiß, warum sie hier ist und welche Funktion Sidney Prescott zu erfüllen hat – vor allem als der Killer in ihrer neuen Heimat auftaucht, dem beschaulichen Kleinstadtidyll Pine Grove, und beginnt, hinter ihrer Tochter Tatum her zu sein (Isabel May, vor allem bekannt aus dem „Yellowstone“-Spin-off „1883“; man kann Paramount, dem Verleiher des Films, nicht vorwerfen, die Vorteile von Synergieeffekten nicht zu kennen). Ihre Szenen mit Joel McHale, der Sidneys Cop-Ehemann Mark spielt, haben durchaus knisterndes Potential – bevor die Stechereien, die Ausweideien und die „Fangoria“-tauglichen Gorefests so richtig losgehen.

Franchise auf Autopilot

Sie respektiert das Erbe. Cox spielt verlässlich gegen das, was gerade passiert, vor allem sobald sie und Campbell ein Team bilden. Andere Veteranen, allen voran Mason Gooding und Jasmin Savoy Brown, die ihr Geschwister-Doppelact reprisen, verdienen ihre Gagen. Viele der „Scream“-Neuzugänge ähneln vergangenen „Scream“-Darstellern auf verblüffende Weise; man könnte schwören, May sei tatsächlich eine jüngere Hayden Panettiere, die in Teil vier und sechs die Überlebende und spätere FBI-Agentin Kirby Reed spielte.

Es gibt ein paar kreative Kills mit den Hochseilen einer Theaterproduktion und einem Zapfhahn sowie die üblichen Rezitationen von Horrorfilm-Regeln und Verweise auf andere Horrorfilme, andere „Scream“-Einträge und viele andere Dinge, die man viel lieber sehen würde. Über die vorhersehbaren Klischees in Horrorfilmen zu reden ist mittlerweile selbst zum Klischee geworden. Mehrere Geist(esgeschwister) aus Sidneys Vergangenheit tauchen für Cameos auf – dank einer äußerst praktischen Plotüberraschung mit KI-Beteiligung. Nein, im Ernst – es ist noch schlimmer und noch mehr „Wirklich-jetzt?“ als es klingt. Nahezu jeder bisherige „Scream“-Film hat ganz neue Äste in den Familienstammbäumen der Charaktere enthüllt, und dieser macht keine Ausnahme. Ganz wie Ghostface selbst macht „Scream 7“ im Grunde nur noch Dienst nach Vorschrift.

Das Traurige dabei ist: Als sich das Franchise mit dem längst überfälligen fünften Teil neu erfand – also dem „Scream“ von 2022 – gab es eine echte Frischbluttransfusion, die nahelegte, dass diese Throwback-Reihe aus den Neunzigern, die unsere Liebe zur Horrorhochzeit der Siebziger und Achtziger als Fundament nutzte, in der Ära der „Requels“ und des ermächtigten Fandoms aufblühen könnte. Dieses siebte Kapitel scheint unsere Zuneigung zur Geschichte des „Scream“-Teams schlicht auszubeuten und darauf zu setzen, dass Hardcore-Fans sich alles ansehen, solange der Name draufsteht. „Ich dachte, es wäre cool, wenn wir erst mal hier sind“, sagt Michelle Randolphs widerwillige Air-BnB-Besucherin in der Eröffnungssequenz. „Aber irgendwie ist es kitschig.“ Sprich es aus, Schwester. Du hast keine Ahnung. Da möchte man den Mund weit aufreißen und – ihr wisst schon was – vor Wut schreien.

David Fear schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil