Die Erfindung des Wohlfühlsounds: Wie Soft-Rock in den 70ern die Welt eroberte

Nenn es „Yachtrock“, „Summer of Smooth“ oder einfach Soft-Rock. Ein kontroverses Genre der Siebziger, das gleichzeitig Millionenhits und Verachtung hervorgebracht hat. Rocker (und später die Punks) haben den perfekt produzierten Wohlfühlsound gehasst. Aber heute gibt es Dutzende junger Bands, die die fließenden Westcoast-Harmonien in die Jetztzeit tragen. Aber wo kommt er her?

Zum Ende des Jahrzehnts war Gitarrist Waddy Wachtel davon überzeugt, allen Untiefen der menschlichen Psyche begegnet zu sein. Er war pünktlich zu morgendlichen Sessions erschienen, nur um dort einen desolaten, bereits volltrunkenen Warren Zevon anzutreffen. Er wurde Zeuge, wie Jerry Brown, damals kalifornischer Gouverneur und Boyfriend von Linda Ronstadt, aus einem Zimmer voll kiffender Rocker stolperte. Er kam nach einem Carole-King-Konzert von der Bühne, um in eine Schlägerei mit Kings Lebensgefährten verwickelt zu werden. Doch auf die Psycho-Macken, die James Taylor an den Tag legte, war selbst Wachtel nicht vorbereitet.

Peaceful easy feeling

Wenn jemand das „peaceful easy feeling“ der 70er-Jahre personifizierte, dann war es Taylor -der Prototyp des ernsthaften Singer/Songwriters, der mit introvertierten Balladen und seinem bescheidenen Bühnengebaren den Zeitgeist verkörperte. Natürlich schwärmte die Damenwelt von „Sweet Baby James“ und diesem sensiblen Mannsbild auf dem Cover, doch selbst die Männer konnten sich mit Taylors unaufdringlicher Maskulinität identifizieren. Und die amerikanischen Radiostationen überschlugen sich dabei, Hits wie „Handy Man“ und „You’ve Got A Friend“ in den Äther zu jagen.

Aber wie Wachtel auf seiner ersten Taylor-Tournee 1979 erfahren musste, verbarg sich hinter der liebenswerten Fassade eine andere, weitaus problematischere Person. Taylor kämpfte mit Alkohol und harten Drogen. Seine Ehe mit Carly Simon stand auf der Kippe. Ihr zweijähriger Sohn Ben wurde von ständigen Fieberanfällen heimgesucht. Das erste Warnsignal registrierte Wachtel bereits vor der Tournee. Die Musiker hatten sich in einer texanischen Bar versammelt, um auf die anstehende Tour anzustoßen. Als Taylor zu einem Toast ansetzen wollte, kippte er erst einmal zwei randvolle Martinis. „,Oh oh oh‘, dachte ich.,Das sieht nicht gut aus.'“



Song des Tages: „Hotel California“ von den Eagles

„Hotel California“ handle von Heroinsucht, wurde gemunkelt. Oder von dem Haus in San Francisco, in dem der Teufel angebetet wurde. Aber Don Henley hatte Prosaischeres im Sinn. „Wir waren alle Mittelschicht-Kids aus dem Mittleren Westen“, sagte er. „,Hotel California‘ war unsere Interpretation vom High Life in Los Angeles.“ (Was Heroin oder Satan ja nicht unbedingt ausschließt.) Demo übers Telefon vorgespielt Bei den Aufnahmen wurde es problematisch, als die Band in Miami Don Felders Twelve-String-Intro und das zweistimmige Gitarrensolo fürs Finale nicht mehr hinkriegte. Panisch rief Felder schließlich seine Haushälterin in Los Angeles an und ließ sie die Kassetten in seinem Heimstudio…
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