Spotify-Boykott: Neil Young geht es wohl nicht nur um Politik


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Neil Youngs Versuch, Spotify unter Druck zu setzen, ist allem Anschein nach erfolgreich. Weitere Musikerinnen und Musiker haben sich seinem Protest angeschlossen, der offene Brief des Musikers zeigte auch an der Börse Wirkung. Der Streaming-Gigant verlor durch die Aktion Milliarden an Aktienwert.

Eigentlich ging es Young nach eigenen Angaben darum, Spotify dazu zu bewegen, den beliebten Podcast des Comedians und Influencers Joe Rogan aus dem Angebot zu nehmen. Der Kommentator hatte mehrfach gegen die Corona-Politik gewettert und auch Stimmen Raum gegeben, die den Aufruf zum Impfen mit dem Holocaust verglichen.

Neil Young verspricht kostenlose Amazon-Abos an

Doch nun hat der Songwriter nachgelegt und einen Konkurrenten von Spotify gestärkt, der weiterhin alle Songs Youngs im Angebot hat: Amazon.

„Amazon ist ganz vorne dabei, Hi-Res-Audio der breiten Masse zugänglich zu machen, und es der ideale Ort, um meinen gesamten Katalog in der höchsten verfügbaren Qualität zu genießen“, schrieb er via Neil Young Archives auf Twitter. „Danke auch an Apple Music (I LOVE APPLE) und Qobuz für die Unterstützung meiner High-Res-Musik.“ Zusätzlich kündigte der 76-Jährige an, viermonatige Abos für Amazon Musik kostenlos zu verteilen.

Bislang hatte Young seinen Boykott von Spotify, das als Teil seines Premium-Angebots noch keine Hi-Res-Inhalte anbietet, vor allem mit der für ihn unhaltbaren Unterstützung des Podcasts von Joe Rogan begründet. „Sie können entweder Rogan oder Young haben. Nicht beide“, schrieb er in seinem offenen Brief auf seiner Website.

Bekannt ist, dass sich Young seit Jahren für die bestmögliche Klangvermittlung einsetzt. In der Vergangenheit hatte er sogar (erfolglos) einen eigenen Musikabspieler mitsamt Musikdienst (Pono) ins Leben gerufen, der sich diesem Ziel verschrieb. Inzwischen gibt es das komplette Werk des Musikers auf seiner eigenen Seite gegen eine Gebühr in bestmöglicher Klangqualität zu hören.

Angriff auf Spotifys Geschäftsmodell

Möglicherweise möchte Neil Young über den Umweg politischer Aufmerksamkeit – ein Anliegen, das durchaus authentisch sein mag und für sich steht, aber eben auch von anderen Motiven geleitet sein kann – auch erreichen, dass Spotify an Marktmacht einbüßt oder gar sein Geschäftsmodell ändert.

Das würde zumindest erklären, warum er ausgerechnet Amazon lautstark bewirbt, das bisher noch nicht damit aufgefallen ist, Musikerinnen und Musiker für Streams deutlich besser zu entlohnen. Tidal erwähnt Young interessanterweise nicht, obwohl es nachweislich pro Stream mehr Geld an Künstlerinnen und Künstler ausschüttet und ebenfalls ein Hi-Res-Modell im Angebot hat.

Neben Spotify meldete sich übrigens auch der verfemte Joe Rogan zu Wort und outete sich als Fan seines derzeit berühmtesten Kritikers. Zum Abgang von Young und anderen bei Spotify sagte er: „Es tut mir sehr leid, dass sie das so sehen. Ich will das ganz sicher nicht. Ich bin ein Neil-Young-Fan, ich war schon immer ein Neil-Young-Fan.“