Trump gibt zu, FIFA bedrängt zu haben, damit ein Geburtsortsbürger spielen darf

USMNT-Stürmer Folarin Balogun, ein Geburtsortsbürger, war für das Spiel gegen Belgien gesperrt – bis Trump persönlich eingriff.

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Donald Trump hat zugegeben, FIFA-Funktionäre persönlich unter Druck gesetzt zu haben, um eine Einspielsperre für Folarin Balogun aufzuheben. Der amerikanische Stürmer hatte beim WM-Achtelfinale gegen Bosnien-Herzegowina vergangene Woche eine umstrittene Rote Karte erhalten.

„Ich habe um eine Überprüfung gebeten, weil ich nicht dachte, dass es ein Foul war“, sagte Trump am Montag vor Journalisten.

Die FIFA-Regularien verbieten ausdrücklich staatliche Einflussnahme zugunsten von Spielern oder Verbänden. Laut einem Bericht von „Politico“ vom Sonntag machten Handelsminister Howard Lutnick und Andrew Giuliani – Sohn von Rudy Giuliani und Exekutivdirektor der White-House-Task-Force zur FIFA-Weltmeisterschaft – sofort die höchsten Ebenen der amerikanischen Regierung mobil, um die Rote Karte anzufechten. Trump soll FIFA-Präsident Gianni Infantino direkt angerufen und um eine Überprüfung der Entscheidung gebeten haben, während Lutnick und Giuliani vorschlugen, White-House-Anwälte in das vermeintliche Einspruchsverfahren einzubinden.

Sperre aufgehoben, Empörung groß

Am Sonntag wurde Baloguns Einspielsperre gegen eine einjährige Bewährungsstrafe eingetauscht. Die Feldentscheidung des Schiedsrichters, Balogun die Rote Karte zu zeigen, blieb hingegen bestehen. Das Weiße Haus schien Trumps vermeintliche Rolle bei diesem Ergebnis noch zu feiern und teilte einen Post von Lutnick, der den Begriff „Trump Card“ in den sozialen Medien ins Spiel brachte.

Belgien und internationale Fußballverbände reagierten mit offener Empörung. Während die FIFA öffentlich darauf bestand, die Entscheidung sei nach einer unabhängigen Prüfung durch einen 18-köpfigen Disziplinarausschuss gefallen, warf Belgien dem Verband vor, das offizielle Verfahren nahezu vollständig ausgehebelt zu haben. In einer Erklärung vom Montag kündigte der Königliche Belgische Fußballverband (RBFA) an, die Entscheidung anfechten zu wollen, und beschuldigte die FIFA, den Verband bei der Forderung nach detaillierten Informationen über das Einspruchsverfahren und die Begründung der Entscheidung hingehalten zu haben.

„Als einzige Antwort schickte die FIFA dem RBFA einen Brief, in dem sie mitteilte, diese Korrespondenz als Einspruch zu werten, einen Richter ernannt zu haben und dass der RBFA nur wenige Stunden Zeit habe, diesen Einspruch zu vervollständigen. Keinerlei Informationen wurden von der FIFA bereitgestellt“, schrieb der RBFA. „Damit ein Einspruch zulässig ist, müssen laut den eigenen Statuten der FIFA zunächst die begründete Entscheidung an den Einspruchsführer übermittelt werden. Während der RBFA lediglich legitime Erklärungen einforderte, kreierte die FIFA selbst einen Einspruch und sorgte umgehend dafür, dass dieser für unzulässig erklärt wurde.“

UEFA spricht von roter Linie

Die UEFA – die unter anderem die Champions League und die Europameisterschaft ausrichtet – erklärte, die Entscheidung habe „eine rote Linie überschritten“.

„Fußball beruht wie jeder andere Sport auf Regeln, die die Grundlage für fairen, ehrlichen und transparenten Wettbewerb bilden. Manchmal sind Regeln auslegungsfähig. In diesem Fall nicht. Eine automatische Mindestsperre von einem Spiel nach einer Roten Karte ist keine Ermessenssache und erfordert keine Entscheidung eines zuständigen Gremiums, um in Kraft zu treten“, schrieb die UEFA. Sie „darf keine Ausnahmen zulassen, schon gar nicht mitten in einem Turnier, bei dem sich mehrere andere Spieler in derselben Situation befanden und ihre Sperre regulär abgesessen haben“.

Sogar der frühere FIFA-Präsident Sepp Blatter – der jahrelang zwielichtige Deals um die Vergabe von Weltmeisterschaften überwacht hatte – meldete sich zu Wort und erklärte, das hier gehe ihm dann doch zu weit. „Rote Karten werden nicht durch politische Anrufe aufgehoben. Sie werden durch Regeln, Beweise und unabhängige Gremien aufgehoben. Wenn ein US-Präsident beim FIFA-Präsidenten interveniert – und ein Spieler kurz vor einem WM-K.-o.-Spiel plötzlich freigesprochen wird – ist die Frage unvermeidlich: Quo vadis, FIFA?“

Infantinos Reaktion

In einer Erklärung, die wenige Stunden vor dem Anpfiff zwischen den USA und Belgien veröffentlicht wurde, bestätigte Infantino, Trumps Anruf erhalten zu haben. Er habe dabei „erklärt, dass ein laufendes Rechtsverfahren vor den unabhängigen Rechtsprechungsorganen der FIFA stattfinde und der Fall zu gegebener Zeit von den zuständigen Gremien entschieden werde“.

„Ich lese die Entscheidungen des FIFA-Disziplinarausschusses, wenn sie veröffentlicht werden. Manchmal überraschen sie mich. Manchmal stimme ich ihnen zu, und manchmal nicht“, fügte er hinzu. „Was ich jedoch immer tue, ist, diese Entscheidungen und die Autonomie der Gremien, die sie treffen, zu respektieren.“

Auf die Vorwürfe Belgiens, wonach ihr Antrag auf Erklärung und Einspruch de facto abgelehnt worden sei, ging Infantino nicht ein.

Trumps enge Verbindung zu Infantino

Infantinos enges Verhältnis zu Trump war bereits im Vorfeld des Turniers viel diskutiert worden. Im vergangenen Jahr hatte Infantino sogar einen frei erfundenen „FIFA-Friedenspreis“ ins Leben gerufen und ihn Trump verliehen. Am Montag dankte Senator Ted Cruz (R-Texas) Trump im Oval Office vor laufenden Kameras dafür, „diese lächerliche Rote Karte aus dem Weg geräumt zu haben“.

„Es war spektakulär. Es gab einen Grund, warum die FIFA-Trophäe so lange hier stand“, fügte Cruz hinzu – eine Anspielung auf die goldene FIFA-Klub-Weltmeisterschaftstrophäe, die Trump wochenlang im Oval Office zur Schau gestellt hatte.

Aber gut: Wenn die Vereinigten Staaten nun anfangen, die Hinterzimmer-Deals zu kultivieren, die FIFAs Geschichte so nachhaltig beschmutzt haben, sind sie vielleicht wirklich eine Fußballnation geworden.

Drohung und Geburtsrecht

Trump bestritt, die Entscheidung der FIFA beeinflusst zu haben, und erklärte, er freue sich auf das Montagabendspiel. „Wir werden ein vollständiges Team haben […] Wenn sie uns schlagen, können sie wirklich stolz sein“, sagte er. „Andersherum – wenn sie uns schlagen – würde ich sagen, es war manipuliert, genau wie die Wahl 2020 manipuliert war.“

Ob Trump Balogun von den laufenden Bemühungen seiner Regierung, das Geburtsortsprinzip abzuschaffen, ausnehmen wird, ist bislang unklar. Der Spieler, der zu einem der Gesichter des US-Teams geworden ist, wurde in den Vereinigten Staaten geboren, nachdem seiner Mutter das Einsteigen in einen Heimflug nach London verweigert worden war – wegen ihrer weit fortgeschrittenen Schwangerschaft. Er erwarb die Staatsbürgerschaft gemäß dem Vierzehnten Zusatzartikel der Verfassung – genau jenem Recht, das der Präsident nun abschaffen will.

Nikki McCann Ramirez schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil

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