Udo Kier mit 81 Jahren verstorben

Der deutsche Schauspieler Udo Kier starb mit 81 Jahren. Eine Karriere zwischen Horror, Hollywood und europäischem Autorenkino

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Udo Kier ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Über 275 Rollen machten ihn zu einer unverwechselbaren Figur der internationalen Filmwelt – und zu einem  Charakterkopf seiner Generation.

Wie sein Partner Delbert McBride dem Branchenmagazin „Variety“ bestätigte, starb Kier am Sonntagmorgen in einem Krankenhaus in Palm Springs. Der Fotograf Michael Childers, ein enger Freund, gab die Nachricht ebenfalls in sozialen Netzwerken bekannt. Eine genaue Todesursache wurde nicht genannt.

Berühmt für seinen eindringlichen Blick, spielte Kier bevorzugt Schurken, Außenseiter und Figuren am Rand des Menschlichen. Vampire und Nazis gehörten zu seinen häufigsten Rollen. Neben Film und Fernsehen arbeitete er auch in Musikvideos (wie „Deeper and Deeper“ von Madonna) und Videospielen. „Ich mag Horrorfilme“, sagte er einmal. „Wenn man nur kleine Rollen bekommt, prägt sich das Böse beim Publikum viel stärker ein als ein Postbeamter, der nach Hause zu seiner Familie geht.“

Debüt im Horrorfilm

Mit 16 lernte er in einer Kölner Arbeiterkneipe den gleichaltrigen späteren Regisseur Rainer Werner Fassbinder kennen. Wenig später zog Kier nach London, um Englisch zu lernen – und wurde zufällig in einem Café entdeckt. „Ich mochte die Aufmerksamkeit“, sagte er. „Also wurde ich Schauspieler.“ Sein Durchbruch kam 1970 mit dem Horrorfilm „Mark of the Devil“.

Zufälle spielten in seiner Karriere eine entscheidende Rolle. Auf einem Flug saß er neben Paul Morrissey, Andy Warhols Hausregisseur, der Kier prompt 1973 in „Flesh for Frankenstein“ und 1974 in „Blood for Dracula“ besetzte. Mit Fassbinder arbeitete er später erneut zusammen und spielte in „Die Ehe der Maria Braun“, „Lola“, „Die dritte Generation“, „Lili Marleen“ und in der Serie „Berlin Alexanderplat“z.

In den 1980er Jahren traf Kier auf den jungen dänischen Regisseur Lars von Trier. Der verpflichtete ihn für seine „Medea“-TV-Produktion von 1987 – der Beginn einer jahrzehntelangen Zusammenarbeit. Kier wurde sogar Taufpate von Von Triers Sohn. Mit dem Regisseur drehte er unter anderem „Breaking the Waves“, „Dancer in the Dark“, „Dogville“ und „Melancholia“.

Gus Van Sant, fasziniert von Kiers Auftritten in Frankenstein und Dracula, gab ihm 1991 seine erste Hollywood-Rolle in „My Own Private Idaho“. Madonna, ebenfalls Fan des Films, besetzte ihn als ihren lebenslustigen Ehemann in ihrem Buch „Sex“. Später engagierte sie ihn auch für die Musikvideos zu Erotica und „Deeper and Deeper“. Weitere Videoauftritte folgten, unter anderem für Supertramp, Korn und Eve.

Letzter Auftritt im Videospiel

Später arbeitete er unter anderem mit Regisseur S. Craig Zahler und spielte in „Brawl in Cell Block 99“ sowie „Dragged Across Concrete“.

Über seine überbordende Filmografie sagte Kier einmal: „100 Filme sind schlecht, 50 kannst du mit einem Glas Wein anschauen und 50 sind gut.“

Sein letzter Film war der politische Thriller „The Secret Agent“, in dem er einen jüdischen Holocaust-Überlebenden spielt, der in den letzten Jahren der brasilianischen Militärdiktatur gefangen ist. In dem kommenden Horror-Videospiel „OD“ von Hideo Kojima und Jordan Peele wird er ebenfalls noch zu sehen sein.